Dividendenliebling Novartis mit milliardenschwerem Zukauf – das müssen Sie wissen

Marion Schlegel
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Dividendenliebling Novartis mit milliardenschwerem Zukauf – das müssen Sie wissen

Der neue Novartis-Chef, Vasant „Vas“ Narasimhan, gibt mächtig Gas. Vor Kurzem erst hat sich der Schweizer Pharmakonzern von einem Geschäft mit nicht-verschreibungspflichtigen Medikamenten getrennt. Nun will Novartis einen Zukauf für 8,7 Milliarden Dollar tätigen. Ziel ist das Unternehmen für Gentherapien Avexis. Novartis bietet mit 218 Dollar je Aktie für die Gesellschaft einen Aufschlag von mehr als 100 Prozent auf den Schlusskurs der Avexis-Aktie vom Freitag. Die Transaktion wurde von den Verwaltungsräten beider Unternehmen einstimmig genehmigt. Die Übernahme soll Mitte 2018 abgeschlossen werden.

Avexis führe aktuell mehrere klinische Studien zur Therapie der spinalen Muskelatrophie (SMA) durch, eine angeborene neurodegenerative Krankheit, so Novartis in einer Mitteilung. Diese werde durch einen Defekt in einem einzelnen Gen, dem Survival Motor Neuron (SMN1), hervorgerufen. Der führende Therapiekandidat von Avesis, AVXS-101, weise bei der Behandlung der SMA Typ 1 sehr überzeugende klinische Daten vor. SMA Typ 1 sei die häufigste genetische Todesursache bei Säuglingen, wobei neun von zehn Säuglingen und Kleinkindern vor dem zweiten Lebensjahr versterben oder dauerhaft beatmungsabhängig seien, so Novartis weiter. Narasimhan kommentierte: „Die vorgeschlagene Akquisition von Avexis bietet eine außergewöhnliche Gelegenheit, die Behandlung von SMA zu transformieren. Wir glauben, dass AVXS-101 ein Leben lang Möglichkeiten für die Kinder und Familien schaffen könnte, die von dieser verheerenden Krankheit betroffen sind. Die Akquisition würde auch unsere Strategie beschleunigen, hochwirksame, neuartige Therapien zu verfolgen und unsere Führungsposition in den Neurowissenschaften auszubauen. Wir würden mit dem Team von Avexis neben unserer CAR-T-Plattform für Krebs eine weitere Gentherapie-Plattform gewinnen, um eine wachsende Pipeline von Gentherapien in allen therapeutischen Bereichen voranzutreiben."

Ein Schnäppchen ist die Übernahme von Avexis für 8,7 Milliarden Dollar allerdings nicht. Langfristig könnte sich die Akquisition aber dennoch auszahlen. Dafür muss aber alles nach Plan laufen. In der Vergangenheit hatte sich Novartis allerdings schon einmal bei einer Übernahme vergriffen. Bei dem damals rund 50 Milliarden Dollar schweren Kauf des Augenheilkunde-Spezialisten Alcon, der nun wieder zum Verkauf steht – allerdings damals noch unter dem früheren Konzernchef Daniel Vasella. DER AKTIONÄR zählt Novartis nicht zuletzt wegen seiner starken Dividendenrendite von derzeit 3,8 Prozent weiterhin zu seinen Favoriten im Pharmabereich. Aus charttechnischer Sicht wäre ein Sprung über die 200-Tage-Linie ein positives Signal.