„Diskussion von Leuten, die nicht so viel Geld verdienen“


Auch zehn Jahre nach der Finanzkrise lässt sich noch trefflich darüber streiten, was Banker verdienen sollen. Gehälter und Boni sanken zwar, doch noch immer machen Bankchefs einen guten Schnitt. Auch Sergio Ermotti, Chef der größten schweizerischen Bank UBS, muss nicht am Hungertuch nagen: Er verdiente im vergangenen Jahr rund 13,7 Millionen Franken (11,7 Millionen Euro).

Auf einer Konferenz der „Financial Times“ in London geriet Ermotti nun mit Paul Tucker, dem ehemaligen Vizegouverneur der Bank von England aneinander. Tucker schlug vor, dass Banker ihre Gehälter kürzen, statt sich über das schwierige Marktumfeld zu beklagen. Schließlich ließen sich die Kosten der Banken so schnell senken, argumentierte der Ex-Notenbanker.

Das wollte der UBS-Chef nicht auf sich sitzen lassen: Aufseher hätten es allein auf die Banken abgesehen, würden sich aber nicht für die Gehälter von Private-Equity- oder Technologiefirmen interessieren, so Ermotti. Er räumte ein, „sehr gut“ zu verdienen. Doch nur durch gute Gehälter sei es Banken möglich, die besten Talente anzulocken.

Die Argumente sind nicht neu. Doch in der Diskussion mit Tucker ging der UBS-Chef noch einen Schritt weiter. Er warf den Kritikern vor, dass sie neidisch sind. „Ich denke, die Diskussion wird von Leuten geführt, die vielleicht frustriert sind, dass sie nicht so viel Geld verdienen“, sagte Ermotti.

Das wiederum rief den Ex-Notenbanker Tucker auf den Plan. „Banker streichen die Gewinne ein, während die Steuerzahler für die Verluste einstehen müssen“, sagte Tucker – und spielte damit auf die Rettung der UBS in der Finanzkrise an. Die Schweizer hatten die Bank im Jahr 2008 vor der Pleite bewahrt.


Doch auch dieses Argument ließ Ermotti nicht gelten: Schließlich hätte der Fiskus durch die Rettung letztlich sogar einen Gewinn erzielt. Er empfahl Tucker, „wirklich auf die Fakten zu schauen“.

Als Reaktion auf die Finanzkrise hatten viele Staaten die Bonuszahlungen für Banker begrenzt – darunter auch Großbritannien. Dort machte sich Notenbankgouverneur Mark Carney kürzlich dafür stark, die Regeln zu überprüfen. „Es gibt Dinge, die ich nicht für notwendig halte, etwa den Bonusdeckel“, sagte Carney.

Labour-Partei Chef Jeremy Corbyn kündigte an, dass er „Spekulanten und Zocker“ stärker regulieren will, falls er Premierminister wird: „Die Gier der Banker stürzte die Welt in die Krise und wir bezahlen dafür noch immer den Preis.“