Diskriminierung bei der Bewerbung: Studie zeigt, dass Männer in frauendominierten Branchen oft benachteiligt werden

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Über die Benachteiligung von Frauen in der Arbeitswelt wird viel gesprochen und doch ändert sich nur langsam etwas daran. Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit als Männer, was ihnen oft die Aufstiegschancen erschwert. Frauen sind seltener als Männer in den obersten Führungsetagen von Unternehmen vertreten. Frauen gehen länger in Elternzeit als Männer, im Schnitt bezogen sie 2020 für 14,5 Monate Elterngeld, Männer nur für 3,7 Monate.

Es mag deswegen zunächst irritierend klingen, dass auch Männer in der Jobwelt mit Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts zu kämpfen haben. Eine Studie zeigt nun aber: In einer Phase kommt das manchmal vor – nämlich im ersten Schritt der Bewerbung auf eine neue Stelle. Das fanden Forschende von der Universität Linköping und der University of California in einer Untersuchung heraus, die im Fachmagazin „Plos One“ veröffentlicht wurde.

Männer-Diskriminierung bei Putzjobs am stärksten

Die Forschenden um Mark Granberg, Doktorand an der Universität Linköping, wandten eine Methode an, die sich in der Wirtschaftswissenschaft „Correspondence Testing“ nennt. Sie verschickten 3200 Bewerbungen fiktiver Kandidatinnen und Kandidaten an Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in ganz Schweden. Anschließend analysierten sie die Antworten, die von den Unternehmen folgten. Auch, wenn ein Unternehmen gar nicht reagierte, notierten die Forschenden das.

Granberg und sein Team stellten fest: Die (fiktiven) Männer, die sich auf Jobs in von Frauen dominierten Branchen beworben hatten, wurden häufig diskriminiert. Gemeint sind Bereiche wie Pflege, Kinderbetreuung und die Lehre an einer Vorschule. Die ungleichste Behandlung im Vergleich zu weiblichen Bewerberinnen bekamen die Männer allerdings in einem anderen Feld zu spüren: bei Putzjobs.

Frauen in männerdominierten Branchen nicht so stark diskriminiert

„Wir sehen, dass es Hürden gibt für Männer, die in bestimmte Bereiche des Arbeitsmarkts einsteigen wollen“, wird Studienautor Granberg in einer Mitteilung seiner Universität zitiert. Überraschend ist, dass es diese Hürden für Frauen, die sich auf Jobs in männerdominierten Branchen bewerben, in dem Maße nicht zu geben scheint. Die (fiktiven) weiblichen Kandidatinnen, die sich als Automechanikerinnen, LKW-Fahrerinnen, IT-Entwicklerinnen oder Lagerarbeiterinnen bewarben, wurden in dem Experiment nicht von den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern diskriminiert.

Der Mitteilung von der Universität Linköping zufolge stehen die Ergebnisse der Forschenden im Einklang mit Erkenntnissen aus früheren Studien. Die Studie von Mark Granberg sei allerdings größer angelegt und beleuchte mehr Branchen als vorige Untersuchungen. „Dass die Bewerbungen von Männern – und nicht die von Frauen – im Bewerbungsprozess rausfallen, ist interessant“, sagt Granberg. „Wir wissen bereits, dass Frauen auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt sind, in Bezug auf Gehälter und Beförderungen.“ Nun müsse in Folgestudien ermittelt werden, wie es dazu komme. Das Ergebnis von Granbergs Studie wirft auf diese Frage ein neues Licht.

jb

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