Diplomatischer Schlagabtausch zwischen Russland und den USA geht in nächste Runde

Rauch über dem Generalkonsulat in San Francisco

Neue Runde im diplomatischen Schlagabtausch zwischen Washington und Moskau: Im Streit um die angeordneten Schließungen dreier russischer Vertretungen in den USA hat Moskau am Samstag einen US-Diplomaten einbestellt. Nach Angaben des russischen Außenministeriums wurde US-Geschäftsträger Anthony Godfrey eine Note übergeben, mit der Moskau gegen eine drohende Durchsuchung der Handelsvertretung in Washington protestiert. San Franciscos Feuerwehr teilte unterdessen mit, in dem dortigen Generalkonsulat würden bereits Gegenstände verbrannt.

Ohne das Beisein russischer Vertreter sei eine Durchsuchung des Gebäudes in Washington nicht rechtmäßig, erklärte das russische Außenministerium am Samstag und verwies auf die geltende Immunität. Die Drohung, notfalls die Tür aufzubrechen, sei ein "nie dagewesener, aggressiver Akt". Zudem warf Moskau Washington vor, dass US-Geheimdienste bei der Aktion "kompromittierende Materialien" in der russischen Vertretung verstecken könnte.

Eine Feuerwehrsprecherin in San Francisco sagte der Nachrichtenagentur AFP am Freitag (Ortszeit), die Angestellten und Diplomaten im russischen Konsulat seien offenbar dabei, vor der Schließung Dinge im Kamin zu verbrennen. Feuerwehrleute vor Ort hätten bestätigt, dass Rauch aus dem Schornstein aufgestiegen sei. Das Gebäude sei aber nicht in Gefahr.

Im Kurzbotschaftendienst Twitter wurde daraufhin heftig spekuliert, welche Objekte im Kamin verbrannt wurden: "Sie hatten so viel zu verbrennen, dass sie mit dem Rauch den Feueralarm ausgelöst haben", spottete ein Twitternutzer. Es sei einfacher, heikle Papiere "zu verbrennen als zu zerreißen", fügte ein anderer Nutzer hinzu. Ein dritter schrieb: "Sie müssen all die Liebesbriefe von Trump an Wladimir" Putin verbrennen. Im Wahlkampf hatte US-Präsident Donald Trump keinen Hehl aus seiner Bewunderung für den russischen Staatschef gemacht.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, hatte am Freitag angekündigt, US-Ermittler würden am Samstag das russische Konsulat in San Francisco sowie Wohnungen von Mitarbeitern in dem Gebäude durchsuchen wollen. Dies sei eine "direkte Bedrohung der Sicherheit russischer Bürger", sagte sie. Demnach müssten die Angestellten und ihre Familien ihre Wohnungen bei einer Durchsuchung für bis zu zwölf Stunden verlassen.

Die US-Regierung hatte am Donnerstag die Schließung des russischen Generalkonsulats in San Francisco sowie zweier Büros in Washington und New York angeordnet. Das US-Außenministerium setzte Moskau eine Frist bis Samstag.

Zuvor hatte der Kreml - nachdem der US-Kongress im Juli neue Sanktionen gegen Russland beschlossen hatte - eine Reduzierung des US-Botschaftspersonals in Russland um 755 Mitarbeiter angeordnet. Auslöser des Schlagabtauschs sind die Vorwürfe, dass Moskau sich gezielt zugunsten von Präsident Trump in den US-Wahlkampf eingemischt hat.