Diplomatische Krise nach Entführung von Vietnamesen eskaliert weiter

In der diplomatischen Krise zwischen Deutschland und Vietnam wegen eines im Juli aus Berlin verschleppten Vietnamesen ist keine Entspannung in Sicht. Wie Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin mitteilte, wurde in dem Fall erneut der vietnamesische Botschafter ins Auswärtige Amt einbestellt und zudem ein weiterer Mitarbeiter der Botschaft des asiatischen Landes ausgewiesen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes setzt die Bundesregierung ihre strategische Partnerschaft mit Vietnam vorübergehend aus.

Seit der Entführung des 51-jährigen Ex-Funktionärs der Kommunistischen Partei Vietnams habe "Vietnams Regierung die Zeit nicht genutzt, um verloren gegangenes Vertrauen wieder aufzubauen", warf Seibert der Regierung in Hanoi vor. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts nannte den Vorgang erneut "vollkommen inakzeptabel".

Die Bundesregierung fordert von Vietnam eine Entschuldigung sowie die Zusicherung, dass sich ein derartiger Vorfall nicht wiederholt. Auch müssten die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. "Die vietnamesische Seite weiß, wie sie diesen Rechtsbruch wieder gutmachen kann", sagte der Außenamtssprecher.

Bislang habe es nur ein offizielles Schreiben an Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) gegeben, dessen Inhalt aber "für uns nicht akzeptabel war", sagte der Sprecher weiter. Darin sei nur die offizielle Lesart der vietnamesischen Regierung wiederholt worden, wonach der 51-Jährige freiwillig in seine Heimat zurückgekehrt sei. Dies wird von deutscher Seite bezweifelt, da dieser offensichtlich mitten in Berlin in ein Auto gezerrt worden war.

Bei dem nun ausgewiesenen Diplomaten handelt es sich laut Auswärtigem Amt um einen Botschaftsmitarbeiter, der direkt in den Entführungsfall verwickelt gewesen sei. Ein weiterer mutmaßlich beteiligter Vietnamese befindet sich in Deutschland in Untersuchungshaft. Ihm werden Beihilfe zur Freiheitsberaubung und geheimdienstliche Agententätigkeit zur Last gelegt. Die Ermittlungen der Generalbundesanwaltschaft dauern an.

Dem verschleppten Funktionär wird von vietnamesischer Seite vorgeworfen, als Geschäftsführer eines Staatsunternehmens einen Geldbetrag in dreistelliger Millionenhöhe unterschlagen und sich anschließend ins Ausland abgesetzt zu haben. Er hatte in Deutschland einen Asylantrag gestellt. Bereits kurz nach der Entführung hatte die Bundesregierung ebenfalls den vietnamesischen Botschafter ins Auswärtige Amt einbestellt und zudem den offiziellen Vertreter der vietnamesischen Nachrichtendienste in Deutschland des Landes verwiesen.