Konflikt in Äthiopien droht sich auf Nachbarland Eritrea auszuweiten

Robbie Corey-Boulet
·Lesedauer: 2 Min.
Tausende Äthiopier sind vor den Kampfhandlungen geflohen
Tausende Äthiopier sind vor den Kampfhandlungen geflohen

Der Konflikt zwischen der äthiopischen Regierung und der abtrünnigen Region Tigray droht sich auf das Nachbarland Eritrea auszuweiten. Aus Tigray wurden Diplomaten zufolge am Samstag Raketen auf die eritreische Hauptstadt abgefeuert. Mehrere Geschosse seien Berichten zufolge nahe des Flughafens von Asmara eingeschlagen, sagten Diplomaten in Addis Abeba. Die in Tigray regierende Volksbefreiungsfront TPLF bekannte sich zudem zu Raketenangriffen auf die äthiopische Nachbarregion Amhara.

Unklar war zunächst, wie viele Geschosse abgefeuert wurden und welcher Schaden dabei entstand. Der Radiosender Erena berichtete unter Berufung auf Einwohner von Asmara von insgesamt vier Explosionen. Die TPLF hatte zuvor bereits mit Raketenangriffen auf Ziele in Eritrea gedroht. Die Volksbefreiungsfront wirft Eritrea vor, die äthiopische Regierung im Konflikt mit der TPLF zu unterstützen.

"Wir werden mit Raketen angreifen, um Militärbewegungen in Massawa und Asmara zu vereiteln", hatte Getachew Reda von der TPLF einem regionalen Fernsehsender gesagt. Massawa ist eine eritreische Hafenstadt am Roten Meer.

Die TPLF hatte sich am Samstag auch zu zwei Raketenangriffen auf Flughäfen in der äthiopischen Nachbarregion Amhara bekannt. "Gestern Abend haben wir den Militärbereichen der Flughäfen Gondar und Bahir Dar schwere Schäden zugefügt", sagte Reda. Nach Angaben eines Arztes in Gondar wurden bei den Angriffen zwei Soldaten getötet und 15 verletzt.

Die Regionen Amhara und Tigray sind seit Jahren in Grenzstreitigkeiten verwickelt. Beobachter fürchten, Amhara könnte in den Konflikt zwischen Tigray und der Zentralregierung hineingezogen werden. Inzwischen haben sich nach Angaben örtlicher Sicherheitskräfte bereits tausende Milizen aus Amhara nach Tigray begeben, um an der Seite der Regierungstruppen zu kämpfen.

Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed hatte erklärt, die Kämpfe rund um die abtrünnige Region Tigray würden bald beendet sein. Tatsächlich könnte sich der Konflikt jedoch ausweiten und die gesamte Region am Horn von Afrika destabilisieren.

In Tigray gibt es bereits seit Monaten Spannungen. Die TPLF erkennt den äthiopischen Regierungschef Abiy, der im vergangenen Jahr mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, nicht an. Anfang des Monats entbrannte der militärische Konflikt zwischen den Truppen der Zentralregierung in Addis Abeba und den Kämpfern der TPLF vollends.

Seither flohen nach Angaben der sudanischen Flüchtlingsagentur mindestens 21.000 Äthiopier vor den Kämpfen in den benachbarten Sudan. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International berichtete am Donnerstag zudem von einem Massaker an Zivilisten in Tigray mit vermutlich hunderten Todesopfern. Die Verantwortlichen für den Angriff in der Stadt Mai-Kadra waren zunächst unbekannt.

noe/mid