Diplomaten kehren wegen Streits um Giftanschlag in Heimat zurück

Mit dieser Maschne landeten die russischen Diplomaten

Als Folge des Streits zwischen Russland und den westlichen Staaten über den Giftanschlag von Salisbury sind am Wochenende Dutzende Diplomaten in ihre Heimat zurückgereist. Am Moskauer Flughafen Wnukowo kamen am Samstag 60 russische Diplomaten aus Washington und New York mit ihren Familien an, vor dem bisherigen US-Konsulat in St. Petersburg fuhren Umzugswagen vor. Russlands Außenminister Sergej Lawrow legte derweil mit neuen Vorwürfen an Großbritannien nach.

Zwei Regierungsmaschinen brachten die russischen Diplomaten aus den USA nach Moskau zurück. Betroffen waren insgesamt 171 Menschen - 60 von ihnen Diplomaten, der Rest Familienangehörige. Die US-Regierung warf den Diplomaten vor, "Spione" zu sein. Zugleich stellte die US-Regierung Russland aber frei, die ausgewiesenen Diplomaten durch andere zu ersetzen.

Das bisherige US-Konsulat in St. Petersburg zog am Wochenende die Flagge ein. Die Regierung in Moskau hatte die Schließung angeordnet, nachdem Russland seinerseits sein Konsulat in Seattle schließen musste.

"Das Konsulat ist geschlossen, aber unsere Arbeit zur Verbesserung der russisch-amerikanischen Beziehungen geht weiter", erklärte die US-Botschaft in Moskau auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Mit den Maßnahmen schlossen sich die USA ihrem Verbündeten Großbritannien an. Das Land hatte mit Diplomatenausweisungen und anderen Maßnahmen auf den Giftanschlag auf den früheren russischen Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter Julia am 4. März reagiert. Die britische Regierung macht Russland für den Anschlag verantwortlich. Moskau weist dies zurück.

Insgesamt 26 Staaten, darunter auch Deutschland, haben die Ausreise von russischen Diplomaten angeordnet. Auch die Nato entzog sieben russischen Diplomaten die Akkreditierung. Insgesamt sind rund 150 Russen von den Ausweisungen betroffen.

Bessere Beziehungen zwischen London und Moskau rückten weiter in die Ferne: Russlands Außenminister Sergej Lawrow wiederholte am Montag vor Journalisten seinen Vorwurf, seiner Ansicht nach sei der Anschlag auf Skripal "im Interesse" der britischen Regierung gewesen. Diese befinde sich "in einer unbequemen Position" und wolle ablenken von ihrer "Unfähigkeit ihre Wahlversprechen bezüglich der Bedingungen des Brexit zu erfüllen".

Russlands Botschaft in London rief russische Staatsbürger zur Vorsicht auf, falls diese Großbritannien bereisen oder ihre Kinder an britische Sommerschulen schicken wollten. Die Botschaft sprach von "anti-russischer Politik und einer Eskalation von Drohgebärden durch die britische Seite". Fans des Fußballvereins ZSKA Moskau wurden vor dem Europa-League-Spiel gegen Arsenal London am Donnerstag zu "besonderer Wachsamkeit" aufgefordert.