DIHK zieht positive Wirtschaftsbilanz für den Osten

Die Konjunkturerwartungen der Finanzmarktexperten für Deutschland sind im September wieder kräftig gestiegen. Der Index des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) stieg von zehn Punkten im August auf nunmehr 17 Punkte

Trotz der schleppenden Angleichung der Wirtschaftskraft von Ost und West hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) eine positive Bilanz für die ostdeutschen Bundesländer gezogen. Die Stimmung in den ostdeutschen Betrieben sei "gut" und die Geschäftserwartungen der Unternehmen hätten in den vergangenen Monaten "einen deutlichen Sprung nach oben gemacht", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der Onlineausgabe der "Passauer Neuen Presse".

Erstmals seit über acht Jahren seien ostdeutsche Betriebe zuversichtlicher als der Bundesdurchschnitt, fuhr Wansleben fort. Der DIHK rechnet demnach damit, dass das Wachstum in den ostdeutschen Ländern 2017 mit gut zwei Prozent stärker ausfällt als in Deutschland insgesamt mit 1,8 Prozent. Besonders die Baubranche sei auf einem "Rekordniveau".

Auch der Stellenaufbau im Osten setze sich fort. "Wir erwarten, dass ostdeutsche Unternehmen 2017 rund 60.000 neue Stellen schaffen", erklärte Wansleben. Einziges Wachstumshemmnis sei der Fachkräftemangel. Die Bundesregierung berät am Mittwoch über den Stand der deutschen Einheit. Dem Regierungsbericht zufolge wächst zwar die Lebenszufriedenheit in Ost und West, außerdem sinkt die Arbeitslosigkeit. Doch die Angleichung der Wirtschaftskraft von Ost und West komme nur noch schleppend voran.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, warnte davor, die Probleme hauptsächlich im Osten zu verorten. Das zentrale Problem sei nicht ein Ost-West-Gefälle, sondern ein "zunehmendes Nord-Süd-Gefälle", sagte er dem "Handelsblatt" vom Mittwoch. Auch viele Regionen in Westdeutschland würden "immer stärker abgehängt". Bund und Länder müssten daher eine viel gezieltere regionale Strukturförderung umsetzen, forderte Fratzscher.