DIHK: Regierungswechsel in Brasilien als Chance für Mercosur nutzen

BERLIN (dpa-AFX) -Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) dringt darauf, den Regierungswechsel in Brasilien als Chance für das Mercosur-Handelsabkommen zu nutzen. "Die Bundesregierung sollte sich in Gesprächen mit der neuen brasilianischen Regierung für die rasche Ratifizierung des bereits seit Jahren fertigverhandelten EU-Mercosur-Abkommens einsetzen", sagte DIHK-Präsident Peter Adrian am Mittwoch. "Dies wäre ein großer Erfolg und ein notwendiger Lichtblick im stark belasteten außenwirtschaftlichen Umfeld." Der Ukraine-Krieg zeige, wie wichtig enge Partnerschaften sowie gestärkte Handelsbeziehungen für die deutsche Wirtschaft seien.

Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur (Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay) liegt auf Eis. Beim Gipfeltreffen des Mercosur Anfang Dezember hatte es zwischen Argentinien und Uruguay Streit gegeben über die Zukunft des Wirtschaftsbündnisses. Die linke Regierung Argentiniens wollte die heimische Wirtschaft vor der internationalen Konkurrenz schützen, während die rechten Regierungen in Brasilien und Uruguay den Abbau von Handelshemmnissen anstrebten. Mit dem Antritt von Luiz Inácio Lula da Silva als neuer Präsident von Brasilien zum Jahreswechsel besteht Hoffnung, dass Bewegung in die Mercosur-Verhandlungen kommt.

"Das Abkommen ist eine gute Basis dafür, die Rohstoffknappheit in Europa zu mildern und die Lieferketten deutscher Unternehmen zu diversifizieren", sagte DIHK-Präsident Adrian. Zugleich wäre ein besserer Zugang zu Märkten wie Maschinenbau, Automobil und Ernährungsindustrie für die deutsche Exportwirtschaft bedeutsam.

Gerade in den Mercosur-Ländern gebe es noch große Handelshemmnisse, betonte der DIHK. Rund 85 Prozent der europäischen Ausfuhren in den Mercosur seien mit Zöllen belastet, was für Unternehmen Kosten von vier Milliarden Euro pro Jahr verursache. Im Wettlauf mit internationalen Mitbewerbern berge das Abkommen zudem Chancen auf einen handelspolitischen Vorsprung mit den Mercosur-Staaten. Da die EU und Mercosur schon seit Ende der 1990er Jahre um ein solches Abkommen rängen, sollte nun nicht noch mehr Zeit verloren gehen.