DIHK: Erste Einigung beim Brexit ist verspätetes Nikolausgeschenk

dpa-AFX

BRÜSSEL/BERLIN (dpa-AFX) - Die deutsche Wirtschaft reagiert erleichtert auf den ersten Durchbruch bei den Brexit-Verhandlungen.

"Die Einigung zwischen der EU und Großbritannien ist ein verspätetes Nikolausgeschenk für die deutsche Wirtschaft", erklärte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer, am Freitagmorgen. "Durch den Konsens über die Austrittsbedingungen ist nun der Weg frei für die Themen, die den Unternehmen auf den Nägeln brennen." Nun müssten dringend die für die Wirtschaft wichtigen Fragen behandelt werden. Dazu zählte Schweitzer unter anderem Zölle, die Suche nach Fachkräften und die Sicherung von Lieferketten. "Für die deutsche Wirtschaft steht sehr viel auf dem Spiel", betonte Schweitzer.

Der Chef des Münchener Ifo-Instituts, Clemens Fuest, wertete den Durchbruch als "sehr gute Nachricht". "Nun sollte die EU ein umfassendes Freihandelsabkommen mit Großbritannien anstreben, damit die volkswirtschaftlichen Kosten des Austritts für alle Seiten begrenzt bleiben", sagte er. "Der Brexit wird durch wachsende Handelskosten erheblichen wirtschaftlichen Schaden anrichten", fügte er hinzu. "Bei Freihandel könnten die zusätzlichen Kosten mehr als halbiert werden." Dann würden die Gesamtverluste für die EU auf 27 Milliarden Euro sinken, für Großbritannien würde ein Wegfall des Nettobeitrags zum EU-Haushalt die wachsenden Handelskosten ungefähr ausgleichen, erklärte Fuest unter Berufung auf ein Papier des Forschungsnetzwerkes EconPol, das am ifo Institut entstanden ist.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Premierministerin Theresa May hatten am Morgen eine erste Einigung über Bedingungen des britischen EU-Austritts 2019 verkündet. Dieser Durchbruch macht den Weg voraussichtlich frei für die zweite Verhandlungsphase.