Digitalisierung sorgt laut Studie für Jobzuwachs

Die Digitalisierung hat in Deutschland laut einer Studie für einen leichten Zuwachs an Arbeitsplätzen gesorgt. Zwar ersetzen Roboter und selbststeuernde Maschinen viele Arbeitsplätze - gleichzeitig entstehen an anderer Stelle insgesamt mehr Jobs

Die Digitalisierung hat in Deutschland laut einer Studie bislang für einen leichten Zuwachs an Arbeitsplätzen gesorgt. In einer am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) prognostizieren die Ökonomen einen Beschäftigungszuwachs um 0,4 Prozent pro Jahr bis 2021. Wie aus der Studie hervorgeht, ersetzen Roboter und selbststeuernde Maschinen zwar viele Arbeitsplätze - gleichzeitig entstehen an anderer Stelle insgesamt mehr Jobs.

Die Forscher befragten Manager von mehr als 2000 deutschen Firmen, wie umfangreich sie bereits auf intelligente Technologie setzen und welche Investitionen sie in diesem Bereich planen. Diese Angaben ergänzten sie mit Daten der Bundesagentur für Arbeit, sodass sie insgesamt mehr als 300.000 Beschäftigte beobachten konnten.

Den Forschern zufolge setzen bereits etwa die Hälfte der Unternehmen auf selbststeuernde Programme und Anlagen. Der Anteil von Technologien wie Industrierobotern oder Datenanalyseprogrammen an den Produktionsmitteln der Betriebe wächst. Der Anteil stieg von 14 Prozent des Kapitalstocks im Jahr 2011 auf mehr als 20 Prozent im Jahr 2016. In diesem Zeitraum ersetzten die Maschinen etwa fünf Prozent der Beschäftigten.

Gleichzeitig stieg aber die Produktivität deutlich an, wodurch an anderer Stelle im Unternehmen Jobs entstanden oder Gewinne freigesetzt wurden. Diese sorgten in Form von steigenden Investitionen und Löhnen für mehr Nachfrage in der Wirtschaft, wodurch auch in anderen Branchen wieder mehr Jobs entstanden. Insgesamt sorgte die Digitalisierung in diesen fünf Jahren für ein Prozent mehr Jobs.

Größte Verlierer der Digitalisierung waren Beschäftigte im Baugewerbe, größte Gewinner Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe. Routinejobs wie etwa Fließbandarbeit wurden von Maschinen übernommen, analytische Jobs wie Software-Entwicklung waren hingegen gefragter. Am gesamten Beschäftigungszuwachs, der zwischen 2011 und 2014 rund 8,5 Prozent betrug, war der Anteil der Digitalisierung laut ZEW aber gering.

Die Wissenschaftler warnen vor einer "technologischen Kluft" zwischen den Betrieben. "Betriebe, die in der Vergangenheit bereits stark in moderne digitale Technologien investiert haben, gehören auch weiterhin zu den Vorreitern, während Nachzügler zusehends ins Hintertreffen geraten", erklärte Melanie Arntz, eine Autorin der Studie.

Außerdem vergrößere die Digitalisierung auch die Ungleichheit bei den Löhnen, erklärte Arntz: "In erster Linie profitieren Hochlohn-Berufe und -Sektoren in Form höherer Beschäftigungs- und Lohnzugewinne von neuen Technologien, während durchschnittlich und niedrig entlohnte Berufe und Sektoren zurückfallen". Deshalb müsse der Staat die Arbeitskräfte auf den Wandel in der Wirtschaft vorbereiten und ihnen helfen, von ungefragten Berufen auf künftig immer wichtigere Jobs umzuschulen.