Digitalgeschäft wächst kräftig

Bertelsmann legt in der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres weiter zu. Erstmals erreicht der Konzern in den ersten sechs Monaten sogar einen Gewinn von mehr als einer einer halben Milliarde Euro.


Das Kerngeschäft bleibt wichtig, aber ohne beherzte digitale Transformation geht heute nichts mehr. So in etwa könnte man die am Donnerstag vorgestellten Geschäftszahlen und Strategien des Gütersloher Medienunternehmens Bertelsmann zusammenfassen. Sowohl seinen Umsatz als auch seinen Gewinn hat das Familienunternehmen in den erst sechs Monaten des Jahres 2017 gesteigert. Diese Entwicklung sei das „Resultat der konsequenten Umsetzung unserer Strategie“, wie Thomas Rabe, CEO von Bertelsmann, in einer Telefonkonferenz sagte. In Zahlen heißt das: Der Umsatz stieg im Halbjahresvergleich um 2,1 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro, der Gewinn erhöhte sich um 4,1 Prozent auf 502 Millionen Euro.

Zu dem Unternehmen zählen neben der TV-Tochter RTL Group der Dienstleister Arvato, die Buchsparte Penguin Random House, das Verlagshaus Gruner + Jahr, die Drucksparte Printing Group, die Musiktochter BMG sowie eine Bildungs- und eine Investitionssparte. Eigentümer des Unternehmens sind Stiftungen – allen voran die Bertelsmann-Stiftung. Knapp 20 Prozent hält die Familie Mohn.

Unternehmenschef Rabe strich heraus, dass sich vor allem die Digitalaktivitäten von RTL, Gruner + Jahr, BMG und einigen anderen Sparten überdurchschnittlich entwickelt hätten. Diese Wachstumsgeschäfte hätten um neun Prozent auf 2,7 Milliarden Euro zugenommen. Sie erzielten damit einen Anteil von mehr als 30 Prozent am Konzernumsatz. 2011, ein Jahr vor Rabes Amtsantritt lag er noch bei 20 Prozent.


Bertelsmann muss – ebenso wie Konkurrent Axel Springer in Deutschland oder Ringier in der Schweiz – auf die digitale Transformation reagieren. Die beinhaltet ein verändertes Mediennutzungsverhalten, das immer stärker auf digitale Medien setzt. Streamingdienste wie Netflix und Amazon Prime Video statt klassisches Fernsehen, elektronische Bücher statt gedruckter Erzeugnisse, Flatrates bei Musikportalen statt gepresster CDs.

Doch trotz der digitalen Transformation sieht Rabe derzeit keine Eintrübung des Werbeumfeldes – wie sie etwa der RTL-Konkurrent Pro Sieben Sat.1 Anfang der Woche eingeräumt hatte. Daraufhin war die Aktie des Münchner Unternehmens auf Talfahrt gegangen. Die börsennotierte Bertelsmann-Tochter RTL hatte am Mittwoch, einen Tag vor den Bertelsmann-Zahlen, die Geschäftszahlen des ersten Halbjahres 2017 veröffentlicht: ein Umsatzplus von 3,5 Prozent auf knapp drei Milliarden Euro, einen Gewinnrückgang um 7,7 Prozent auf 624 Millionen Euro. Für das eigene TV-Geschäft gab die RTL-Co-Chef Bert Habets einen optimistischen Ausblick.


Ähnlich zuversichtlich zeigte sich Rabe auch in Bezug auf Gruner + Jahr: Der Umsatz ging im ersten Halbjahr leicht von 777 auf 743 Millionen Euro zurück, der Gewinn stieg dagegen von 52 auf 59 Millionen Euro. Das Verlagshaus konzentriere sich erfolgreich auf sein Kerngeschäft und bringe immer neue Produkte heraus, lobte Rabe. Die neu gegründete Vermarktungstochter Ad Alliance bündelt die Aktivitäten der Fernsehtochter RTL und des Verlagshauses Gruner + Jahr. Bei Agenturen und werbetreibenden Unternehmen würde dieses Angebot auf Anklang stoßen, sagte der Unternehmenschef.

Zum Kerngeschäft gehört zweifelsohne auch die Buchtochter Penguin Random House, dessen Umsatz und Gewinn jeweils im Halbjahresvergleich stieg. Bertelsmann erhöht seinen Firmenanteil an der Buchtochter von 53 auf 75 Prozent, die restlichen 25 Prozent behält der britische Medienkonzern Pearson. Im kommenden Oktober sei die Transaktion abgeschlossen, kündigte Rabe an. Es ist ein Bekenntnis zu den Wurzeln des Unternehmens: Das Buchgeschäft sei seit mehr als 180 Jahren für Bertelsmann identitätsstiftend, sagte Rabe.