Digitale Sprachassisenten setzen sich in Deutschland nur langsam durch

Lautsprecher mit Sprachassistent Alexa von Amazon

Mehr als 70 Prozent der Deutschen wissen, was ein digitaler Sprachassistent ist - doch nur rund ein Drittel der Bevölkerung hat die Funktion bislang ausprobiert. Wer sie nutzt, der greift am häufigsten darauf zurück, um Mühe und Zeit zu sparen, wie eine am Donnerstag veröffentliche Studie des Hamburger Marktforschungsinstituts Splendid Research ergab. Siri, Google Assistant und Co. werden demnach am liebsten für das Schreiben von Nachrichten, Suchmaschinennutzung oder das Abspielen von Musik verwendet.

Für die Studie befragte das Hamburger Institut über tausend Menschen zwischen 18 und 69 Jahren zu Nutzungsverhalten und Verwendungsmöglichkeiten von Sprachassistenten. Demnach greifen die Deutschen am ehesten auf sprachgesteuerte Eingabehilfen zurück, wenn diese bereits beim Kauf auf ihren Geräten vorinstalliert sind. Nur 22 Prozent der Befragten verstünden sich als "Technik-Pioniere", die sich die Assistenten aus technischer Begeisterung zulegen.

Überraschenderweise nutzten nicht nur die technikbegeisterten "Digital Natives" der jüngeren Generation die Sprachbefehl-Funktion auf ihren Geräten: Auch bei den 50- bis 59-Jährigen greift mehr als jeder dritte Nutzer wöchentlich auf die digitale Spracheingabe zurück, wie die Umfrage zeigte.

Doch die Skepsis bleibt groß. Unter den Befragten, die gar keine digitalen Assistenten nutzen, werde jeder vierte von Datenschutzbedenken abgeschreckt. Außerdem finde es jede fünfte Frau unheimlich, mit Geräten zu sprechen - bei den Männern sei es nur jeder Zehnte.

Aus diesen Gründen fänden auch künstliche Intelligenzen wie die sogenannten Smartspeaker, die die Bedürfnisse ihrer Besitzer sogar vorausahnen sollen, keinen großen Absatz in Deutschland. Nur etwa zwei Prozent der Befragten können sich demnach vorstellen, bis 2018 ein intelligentes Gerät mit Sprachsteuerung anzuschaffen.

Für den großen Durchbruch der Sprachassistenten fehle es deutschen Verbrauchern zudem an sinnvollen Nutzungsmöglichkeiten. "Wie schnell die Verbreitung des Internets der Sprache zunimmt, wird davon abhängen, ob bedürfnisorientierte Verwendungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen", erklärte Studienleiterin Carina Krämer.

Die ausgeprägten Sicherheitsbedenken der Deutschen könnten den Erfolg der Sprachassistenten allerdings auch befördern, findet Krämer: "Ein Smartspeaker mit der Fähigkeit, Räume zu überwachen und den Besitzer zu alarmieren, könnte äußerst erfolgreich sein."