Dieter Wedel: Bad Hersfelder Festspiele streichen sein Eröffnungsstück

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Der Missbrauchs-Skandal um Regisseur Dieter Wedel hat eine weitere Konsequenz. Sein Stück "Das Karlos-Komplott" sollte die Bad Hersfelder Festspiele eröffnen, nun wurde es gestrichen.

Die Bad Hersfelder Festspiele distanzieren sich immer weiter von Dieter Wedel (75). Nachdem der gefallene Regisseur Anfang der vergangenen Woche von seinem Posten als Intendant noch selbst zurücktrat, hat sein Nachfolger Joern Hinkel nun "Das Karlos-Komplott" aus dem Programm gestrichen. Wedel hatte für das Stück von Friedrich Schiller (1759-1805) das Buch geschrieben und sollte auch Regie führen. Zudem hätte es die Festspiele eröffnen sollen.

Dem Werk nicht angemessen

In einer Stellungnahme auf der Homepage der Festspiele erklärte Hinkel den Schritt mit den Worten: "Das Stück galt als der 'neue Wedel', das ist die Marke. Ein Wedel-Stück ohne Wedel ist in der kurzen Zeit einfach nicht organisatorisch umsetzbar", so Hinkel. Außerdem habe das Stück "nach all den Ereignissen der letzten Wochen wohl kaum die Chance einer objektiven und rein künstlerischen Betrachtung. Und diese Tatsache allein, hätte das Stück um Don Karlos bereits vor der Aufführung beschädigt. Das wäre dem Werk nicht angemessen", erklärt der neue Intendant die Entscheidung.

In der Stellungnahme heißt es zudem weiter: "Es hat also nichts damit zu tun, dass wir, wie vielleicht manche jetzt vorschnell denken, die Arbeit von Dieter Wedel nun nicht mehr wertschätzen." Wedel steht seit Anfang des Jahres in der Öffentlichkeit unter dem Verdacht sexueller Belästigung. Dem "Zeit Magazin" berichteten zwei Schauspielerinnen, Wedel habe sie in den 90er-Jahren zum Sex gezwungen, beziehungsweise tätlich bedrängt. Mehrere Miminnen, darunter auch Iris Berben (67, "Die Buddenbrooks"), berichteten zudem, Wedel habe sie am Set schikaniert, nachdem sie seine Avancen abwehrten. Wedel weist diese Anschuldigungen zurück.

Harsche Worte von Verhoeven

Erst gestern hatte auch Regisseur-Kollege Simon Verhoeven (45, "Willkommen bei den Hartmanns") mit erstaunlich deutlichen und unverblümten Worten mit Wedel abgerechnet. In einem langen Facebook-Post bezeichnet Verhoeven ihn unter anderem als "Tyrann", "Schreihals" und "Egomane". Und außerdem schreibt er: "Fakt ist: Jeder, der in der Filmbranche eine Zeit lang gearbeitet hat, wusste von den ätzenden Geschichten über Wedel."

Foto(s): imago/Eibner