Dieses Paar verkaufte seinen gesamten Besitz und bereist seit zwei Jahren die Welt in einem Van

Bild: Instagram

Noami und Dusting Grevemberg, beide 35, hatten ihr Normalo-Leben satt und wollten mehr. Vor zwei Jahren verkaufte das Paar seinen gesamten Besitz, sie kündigten ihre Jobs, investierten in einen Van und machten sich auf den Weg. Und sie haben seither nicht zurückgeblickt.


Hallo Freunde,
Wir haben in letzter Zeit nicht viel miteinander gesprochen. Wir haben auf einem Biobauernhof gearbeitet, die kalifornische Sonne getankt und uns auf unser nächstes Abenteuer vorbereitet.
Heute in einem Monat werden wir zur anderen Hälfte der Erde reisen und dem Sommer nachjagen.
Erster Halt: Australien, wo wir mit einigen genialen Van-Nomaden abhängen und Down Under entdecken werden. @vanlifedairies@rockmeetsoil @johnnydustow@youandiinthesky
Dann werden wir einige Monate lang Südostasien bereisen.
Wir haben keinen Rückflug gebucht, also wer weiß, wohin diese Reise uns führen wird.

„Unser Leben voll Konsum und Überfluss hat uns nicht erfüllt“, erzählen die Grevembergs Yahoo Lifestyle. „Wir mussten raus aus dem Trott und reisen funktioniert da ganz gut. Es hat uns vor Herausforderungen gestellt und uns aus unserer Komfortzone gelockt, wir haben durch Ausprobieren dazugelernt und ein Verständnis für uns gewonnen, das wir vorher nicht hatten und das wir in unserem alten Leben nicht finden konnten.“

Ihren Besitz hinter sich zu lassen und Minimalisten zu werden, habe ihrem Leben nach eigenen Aussagen mehr Sinn und Erfüllung gebracht.


Eine nette alte Frau beobachtete, dass ich ein Foto von Dustin machte und bot an, diesen hinreißenden Schnappschuss zu machen. Sie fragte, wo wir wohnen und wir sagten: „Amerika.“ Sie fragte: „Wo ist Amerika?“
**Grillen**
Wenn die Leute uns fragen, wo wir wohnen, fällt die Antwort immer schwer, weil wir genau genommen nirgendwo „wohnen“. Oder besser gesagt, ist unser Zuhause dort, wo wir sind. Unser Zuhause ist aus Liebe und Träumen gebaut und nicht aus Ziegeln und Balken. Ich nehme an, man könnte es „ohne Zuhause“ nennen.

Noami wuchs in einem kleinen Fischerdorf auf der Insel Trinidad auf. Dustin stammt aus einer Kleinstadt im Süden des US-Bundesstaats Louisiana. Seit knapp vier Jahren sind sie verheiratet. Seit sie ihre Reise begonnen haben, haben sie ferne Länder wie Vietnam, Mexiko und Australien bereist.


Wir haben von einer ländlichen Provinz im südöstlichen Vietnam gehört, wo es Tausende uralte Khmer-Tempel gibt. Wie sich herausstellte, kommen dort nur sehr wenige Reisende hin und fast niemand spricht Englisch.
Tja, super für uns und was für ein Glück!!! Wir haben das einzige AirBnB im Ort gefunden und der Gastgeber spricht zufällig fließend Englisch. Er bot an, unser persönlicher Reiseführer zu sein und zeigte uns viele der uralten Pagoden, von denen die meisten auf keiner Karte zu finden sind und wir hatten sie ganz für uns alleine, mit Ausnahme einiger Mönche.
Als Tüpfelchen auf dem i hat unser Gastgeber uns Privatunterricht in Vietnamesisch gegeben.
Heute konnten wir unser Essen fehlerfrei bestellen, ganz ohne Übersetzer-App. Das Essen schmeckt definitiv besser, wenn man nicht gestresst ist.
Manchmal weiß das Universum ganz genau, was – oder in diesem Fall wen – man braucht.

„Als wir uns für dieses Leben entschieden haben, geschah es, weil wir mehr wollten. Wir wollten herausfinden, was uns am meisten bedeutet, was uns Leben einhaucht“, sagt Noami. „Wir haben herausgefunden, dass weniger mehr ist, und das ist nicht bloß ein Klischee.“

Die Grevembergs haben sich mit anderen jungen Leuten vernetzt, die ebenfalls „digitale Nomaden“ sind, was bedeutet, dass sie online arbeiten und das Privileg haben, die ganze Welt bereisen zu können, so lange sie eine Internetverbindung haben.


In den vergangenen zwei Jahren haben wir in zahlreichen Städten, Cafés, Bibliotheken, Parkplätzen, Nationalparks, Wäldern, Wüsten, am Straßenrand, Bauernhöfen, Flussufern, Hostels, Ländern,… gearbeitet.
Dieses Foto mag verträumt wirken, aber unser Leben als digitale Nomaden besteht nicht nur aus Sonnenschein und Sandalen. Wir haben unsere Bürostühle zwar gegen Hängematten eingetauscht, doch es ist immer eine Herausforderung, die richtige Work-Life-Balance zu finden.
Der kontinuierliche Veränderungsprozess ist zu unserem Lehrer geworden. Wir erlauben es uns, als Nomaden gewisse Routinen und Regeln zu entwickeln, die uns erden. Wir halten uns daran und passen sie an, wann immer es notwendig ist.
Die Veränderung unserer Umgebung hat unsere Arbeit angekurbelt und unsere Kreativität neu geweckt. Aktuell arbeiten wir an einigen spannenden Dingen. Wir werden euch bald mehr verraten.

„Einer der größten Vorteile des Reisens ist, dass wir einige der bedeutsamsten Beziehungen mit den Leuten geknüpft haben, die wir unterwegs getroffen haben. Leute, die den Anstoss gegeben haben, neue und erfrischende Perspektiven einzunehmen und uns geholfen haben zu sehen, wer wir sind.“

Da die ganze Welt ihr Zuhause ist, haben sie neue Leidenschaften und Talente entdeckt. Noami hat ihre Liebe zur Fotographie entdeckt und Dustin wurde zum begeisterten Navigator und zu einem guten Mechaniker und entdeckte seine Leidenschaft für das Surfen.


Dustin und ich haben das Neujahrswochenende auf einem Zeltplatz in einem wunderschönen Tal verbracht. Wir hatten einen Platz direkt am Flussufer.
Wir saßen in unserer kleinen Koje und beobachteten Familien in ihrem Alltag. Kinder die spielen, schwimmen und Fahrrad fahren. Väter, die ihren Kindern Fischen und Kajakfahren beibringen. Wir haben beobachtet, wie ein kleines Mädchen Gehen gelernt hat, mit einem entschlossenen Schritt nach dem anderen begann eine neue Reise. Es war unglaublich!
Es war die Frage darauf, welche Art von Welt wir uns für unsere eigenen Kinder wünschen?
Eine Welt aus Liebe und Frieden, ganz klar. Wo wir Freundlichkeit und Mitgefühl zeigen und in jedem Schönheit sehen. Eine Welt, in der sie ihrer Leidenschaft nachgehen können und sich frei ausdrücken dürfen.
Um diese Welt zu bekommen, die wir uns für unsere Kinder wünschen, müssen wir uns von den beschränkenden Vorstellungen befreien, die man uns beigebracht hat.
Das Leben kann hart sein, Leute. Es erfordert langfristiges Engagement und es braucht Opfer, Hingabe, Schmerz, Frustration und einen starken Willen. Doch der schwierigste Teil ist der Anfang. Lasst 2018 dieses Jahr sein. Lasst es uns anpacken, verdammt! Frohes neues Jahr, ihr Lieben! ❤️

Ohne Zweifel bringt dieses Leben auch Herausforderungen mit sich. Das Paar erinnert sich daran, als im vergangenen Winter ein Schneesturm das Dach des Vans abräumte und sie es auf kreativem Weg reparieren mussten.

„Wir hatten Angst, es könnte das Ende unseres Nomadenlebens sein, aber wir haben es geschafft. Wir haben in dieser schweren Zeit viel darüber gelernt, wer wir sind“, sagt Noami.


Es ist der Morgen nach Weihnachten hier in Australia. Wir liegen im Van und lauschen dem Regen, der auf unser Blechdach trommelt.
Ein ziemlicher Unterschied zum letzten Weihnachten. Für alle, die gerade erst zu uns gestoßen sind: Im vergangenen Jahr haben wir uns am Morgen nach Weihnachten auf einen Ski-Trip quer durch das Land begeben, als Irie plötzlich beschloss, den Geist aufzugeben. Eine Zylinderkopfdichtung ist durchgebrannt und wir haben den ganzen Tag gebraucht, um im Winterwunderland mitten im Nirgendwo einen Abschleppdienst aufzutreiben.
Es war so kalt, dass alles eingefroren ist, unser ganzes Essen und die 45 Liter Wasser in unserem Tank. Sogar unsere Telefone sind immer wieder abgestürzt…
Die haben die nächsten zwei Wochen gebraucht, um Irie in einem Schneesturm zu reparieren.
Das war bei weitem der tiefste Tiefpunkt in unserem Nomadenleben.
Doch der Teil der Geschichte, der wirklich zählt, ist die Freundlichkeit von Fremden.
Die Freundin, die uns ihr Sofa anbot, uns ihren Truck borgte, damit wir fast täglich in die Stadt fahren und Ersatzteile und Werkzeug holen konnten.
Die nette alte Dame, in dessen Carport wir Irie stellen durften, die uns half, den Van zuzudecken, uns eine Feuerstelle und einen unendlichen Vorrat an Feuerholz gab, damit wir beim Arbeiten nicht erfroren. Sie brachte uns sogar Käse und Kaffee, um unsere Stimmung zu heben.
Es ist die Zeit des Gebens, Leute. Denkt daran, wir erinnern uns nicht an Tage, wir erinnern uns an Momente und das schönste Geschenk, das man sich selbst schenken kann, ist Freundlichkeit. Am Ende ist es das, woran man sich erinnert.

Nach ihrer schrecklichen Erfahrung fuhren sie allerdings nach Baja, Mexiko, um sich mit einigen anderen Van-Nomaden zu treffen.

„Wir waren zusammen surfen, haben gekocht, uns am Lagerfeuer Geschichten erzählt und haben uns über unsere gemeinsame Liebe für die Natur, Abenteuer und Reisen angefreundet“, ergänzt sie. „Diese Freunde wurden schnell unsere Familie. In diesem Moment haben wir die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft gefunden, eine Gemeinschaft, die wir jetzt überall haben, wohin wir auch gehen.“


Irie: kraftvoll und erfreulich; ein Zustand großer Zufriedenheit.
~
Als Nomaden leben wir ein sehr einfaches Leben.
Unser Abenteuer ist unser kostbarster Besitz.
Wir fahren ohne Ziel und ohne Erwartungen.
Wir haben von überall nur zwei Stück, zwei Gabeln, zwei Teller, zwei Tassen.
Unter Millionen von Sternen zu schlafen ist Balsam für unsere Seele und zum Rauschen der Wellen aufzuwachen ist wie ein Mantra.
Die Natur liebt uns jeden Tag und lehrt uns, uns selbst zu lieben.
Wir treffen andere Reisende, wir teilen unsere Kleidung, Essen, Liebe.
Vielleicht sehen wir einander wieder, vielleicht nicht. Und manchmal wissen wir einfach, dass es so sein wird.
Doch das Schöne an diesem Leben ist nicht, ob es so sein wird oder nicht.
Es geht um die Irie-Vibes, die wir zurücklassen.

Allen, die in Erwägung ziehen, denselben Sprung zu wagen, sagen sie: „Versucht nicht, alles am Anfang zu planen. Ihr werdet euch verändern, weil sich eure Perspektive verändert. Bleibt offen und lasst der Spontanität Raum“, sagt Noami.


Als Kind war es viel lustiger, wie Tarzan im Dschungel herumzulaufen, anstatt vor dem Fernseher zu sitzen.
Ich erinnere mich daran, dass meine Brüder und ich mit Affen verstecken spielten, wir sind auf die höchsten Bäume geklettert, an Lianen geschwungen und haben uns in den Fluss unter uns fallen lassen, an dessen Ufer Kaimane patrouilliert sind. Wir fingen Fische und brieten sie über dem offenen Feuer, weil wir viel zu beschäftigt waren, um zum Essen nach Hause zu gehen.
Alles war rein und einfach und die Zeit lief uns nie davohn…
Ich liebe die Strände und die Berge, aber der Dschungel ist mein Zuhause. Danke für die Nostalgie, Australien.

Sie ergänzt: „Diese Reise hat unser Leben verändert und unser Leben bereichert.“

Cindy Arboleda