Dieses kanadische Unternehmen will das „Amazon für Cannabis“ werden

(vlnr): David Sheckter, Aaron Judah und Daniel Stern, die ursprünglichen Gründer von Cannmart, gehen mit Sean Dollinger, Präsident und CEO von Namaste Technologies Inc, durch die neue Cannmart-Einrichtung, die gebaut wird. (Supplied)

Wenn es nach diesem Unternehmen geht, dann können Kanadier schon bald ihr Marihuana online bestellen – das ist so einfach wie eine Bestellung bei Lieferheld.

Namaste Technologies Inc., die ihren Sitz in Vancouver hat und von einem Winnipegger und einem Montrealer gegründet wurde, ist eine der größten E-Commerce-Plattformen für Vaporizer und Zubehör für das Rauchen von Cannabis weltweit und es gibt 24 Webseiten in 20 unterschiedlichen Ländern.

Aber Kory Zelickson und Sean Dollinger geben sich nicht mit Zubehör zufrieden. Sie sagen, sie wollen der größte Online-Shop für alles werden, das ein Kunde, der medizinisches Cannabis (und in manchen Märkten einfach zur Freizeitgestaltung) nimmt, braucht. Sie werden bereits als Amazon für Cannabis gefeiert und diesen März nahm ihr Plan Form an.

Am 16. März 2018 erhielt ihre Tochterfirma Cannmart, ein Versandunternehmen für medizinisches Marihuana, von Health Canada die Herstellungslizenz für medizinisches Marihuana, die es ihnen ermöglicht, erste Bestellungen für Cannabis bei anderen lizenzierten Herstellern aufzugeben und erste Schritte für eine Verkaufsgenehmigung in die Wege zu leiten. Wenn Cannmart die Verkaufslizenz erhält, haben die Gründer des Mutterkonzerns große Pläne.

„Was wir brauchen, um in Kanada Cannabis online zu verkaufen, ist ein lizenzierter Produzent zu werden, aber wir waren die einzigen, die eine Lizenz „nur für Verkäufe” beantragten. Auch wenn wir ein lizenzierter Produzent sein werden und anbauen könnten, wollen wir nicht anbauen – wir möchten die Möglichkeit haben, die Produkte von anderen zu verkaufen“, sagt Sean Dollinger, Präsident und CEO von Namaste Technologies Inc.

Als Freizeitdroge dürfen laut dem neuen Gesetz, das im Sommer in Kraft tritt, keine unterschiedlichen Cannabissorten aus anderen Ländern importiert werden, aber für den medizinischen Einsatz dürfen lizenzierte Produzenten importieren, was eine Hintertür für Namaste ist, um unterschiedliche Sorten aus aller Welt anbieten zu können. Was dies betrifft, hat das Unternehmen bereits mit Produzenten von medizinischem Cannabis in Israel, Kolumbien und Jamaika Verträge unterzeichnet.

„Wie cool ist es, wenn man auf einer Party ist und sagen kann: ,Hey Leute, ich habe gerade diese Pablo Lime Sorte aus Jamaika bekommen’“, sagt Dollinger.

Die Macht ist nicht das Marihuana, es ist die Plattform

In der Lage zu sein, kanadischen Patienten potenziell endlose Varianten von Marihuana anbieten zu können, ist in greifbarer Nähe, denn Namaste ist kein Ort, sondern eine Plattform.

Sie ist ein technischer Mittelsmann, der mit anderen lizenzierten Produzenten kooperiert und sie bekannt macht. Da sie lediglich eine Plattform ist – wo das Produkt vom Produzenten direkt an den Konsumenten gebracht wird –, gibt es keine zusätzlichen Kosten. Namaste Technologies kann Cannabis viel preiswerter importieren als Einzelhändler, Züchter oder der Großhandel.

Aber die Verfügbarkeit internationaler Sorten ist erst der Anfang für potenzielle Kunden.

Namaste steckt auch hinter einer App namens NamasteMD. Die Anwendung, die es für Android und iPhone gibt, ermöglicht es Kanadiern, die eine Behandlung mit medizinischem Marihuana wollen, sich direkt über ihr Smartphone für eine Lizenz für medizinisches Marihuana zu bewerben und überprüft zu werden. Die App stellt Namaste Technologies auch eine Kundendatenbank zur Verfügung, die das angebotene Cannabis kaufen.

Die kanadischen Patienten und potenziellen Kunden müssen dafür lediglich ein Konto anlegen, aus einer Reihe von Beschwerden, die sie haben und die mit Cannabis behandelt werden, auswählen, Fragen zu ihren Leiden beantworten sowie angeben, wie ihnen Marihuana helfen könnte. Wenn das erledigt ist, kann der Nutzer einen Termin mit einerm Arzt oder einer Fachkrankenschwester vereinbaren, der oder die dann eine Einschätzung abgibt und hoffentlich die medizinische Marihuana-Lizenz genehmigt, während Namaste die Kosten übernimmt.

„So wie wir das einschätzen, konsumiert man höchstwahrscheinlich bereits Cannabis, wenn man den Aufwand betreibt, einen Arzt zu konsultieren, also warum sollten wir es denjenigen nicht legal – und kontrolliert – beschaffen, vor allem da viele Leute nicht wissen ‚Brauche ich Sativa? Brauche ich Indica? Welche Dosis brauche ich?‘ Plötzlich haben Sie einen Arzt, der Ihnen bei all dem hilft und wir versuchen dies als hervorragenden Kundenservice anzubieten. Nicht nur ‚hier ist Ihr Cannabis‘“, sagt Dollinger.

Aber Dollinger sagt, dass der Kundenservice wirklich hervorragend wird, wenn alle von Namaste Technologies‘ individuellen Tochtergeselschaften auf einer einzigen Plattform zusammenkommen – dadurch entsteht eine zentrale Anlaufstelle ähnlich Amazon, wie es sich Namastes Gesellschafter vorstellen.

„Unsere Idee ist, Sie könnten auf NamasteVapes.ca unterwegs sein und nicht einmal daran denken, Cannabis von uns zu kaufen und dann erscheint ein Pop-up und sagt: ,Hey, brauchst du eine ärztliche Lizenz?‘ Umgehend, so wie Uber Kunden mit Serviceanbietern verbindet, verbinden wie Sie direkt mit einer Fachkrankenschwester oder einem Arzt, der oder die Ihnen innerhalb von vier Minuten kostenlos die Lizenz ausstellt“, sagt Dollinger. „Dann leiten wir sie auf Cannmart.ca weiter, wo Sie Cannabis von einem lizenzierten Produzenten aus Kanada kaufen können.“

Namaste Technologies’ großes Ziel ist es, den Kundenservice für Cannabiskäufer so einfach und simpel zu gestalten, dass es keinen Unterschied mehr macht, ob man es für den medizinischen Einsatz oder als Freizeitdroge verwendet. Dollinger glaubt, die Plattform des Unternehmens und viele Tochtergesellschaften machen auch den Unterschied auf Unternehmensseite überflüssig.

Halt… ist das legal?

Mit der Ausstellung der Marihuana-Produktionslizenz ist die kurze Antwort auf diese Frage in Bezug auf Kanada: ja. Aber wenn es um Namaste Technologies‘ Ansatz zur bevorstehenden Legalisierung der Freizeitnutzung geht und ob sie planen, in den Freizeit-Markt einzusteigen, dann ist die Antwort etwas komplizierter. Es gibt unterschiedliche Regeln für jede kanadische Provinz, was den Verkauf von Cannabis für den Freizeitgebrauch betrifft.

„In Ontario darf nur die Regierung für den Freizeitbedarf verkaufen, also können wir ganz offensichtlich nur mit ihnen konkurrieren, indem wir im medizinischen Bereich verkaufen. Aber in Manitoba dürfen auch private Unternehmen für den Freizeitbedarf verkaufen, also werden wir in Manitoba beides tun“, sagt Dollinger.

Aber Namaste gibt es nicht nur in Kanada und dank ihres gut laufenden Geschäfts mit Vaporizern verkaufen sie nicht nur Cannabis. Mit Online-Präsenzen in 20 Ländern – der größte Marktanteil fällt auf Euopa und Australien –, Tätigkeiten in Großbritannien und Deutschland und auch Kanada sowie neuen Lieferketten in wachsenden Märkten wie Brasilien, Mexiko und Chile ist Namaste Technologies gut aufgestellt, um selbst in Ländern marktführend zu sein, in denen Cannabis noch nicht legalisiert ist.

„Die Regulierungen für Vaporizer sind nicht so strikt und bei einem Kunden, der sich für Vaporizer interessiert, besteht eine direkte Verbindung zum Cannabis-Konsumenten. In Großbritannien zum Beispiel, wo Cannabis derzeit illegal ist, sind Vaporizer nicht illegal und wir sind dort mit Abstand der größte Verkäufer mit 300 neuen Kunden täglich“, sagt Dollinger.

„Während Cannabis-Unternehmen sich nicht auf dem britischen Markt positionieren können, bauen wir derzeit eine Datenbank mit 300 Vaporizer-Kunden pro Tag auf, so dass wir, wenn Cannabis in Großbritannien legalisiert wird, unsere Technologie und unsere virtuelle Klinik einsetzen können, um Kunden direkt in Patienten zu verwandeln und das gibt uns einen enormen Vorsprung in diesem Markt.“

Namaste verfolgt diese Strategie in Ländern rund um den Globus, vor allem in Wachstumsmärkten. Der nächste Standort, wo das Unternehmen für die Marihuana-Produktion und den -Verkauf lizenziert werden will, ist Australien, wo sie bereits 300.000 Vaporizer-Kunden haben und es Pläne gibt, die gleiche Verkaufsstrategie für Marihuana einzuführen, die derzeit in Kanada genutzt wird.

Bisher zahlt sich Namastes Online-PLattform-Strategie aus. Das Unternehmen hat weltweit über 500.000 Kunden und wuchs von 2,5 Mio. Euro Gewinn vor zweieinhalb Jahren auf prognostizierte 18,8 Mio. Euro Gewinn im Jahr 2018, was einer Wachstumsrate von 1.500 Prozent in den vergangenen zwei Jahren entspricht und Namaste erwartet, dass sie sich in den nächsten fünf Jahren verdoppelt.

„In jedem Land rund um den Globus müssen wir die Rahmenbedingungen analysieren, unter denen wir legal im jeweiligen Markt auf der Cannabis-Seite teilhaben können“, sagt Dollinger.

Aber anders als andere lizenzierte Produzenten ist Namaste Technolgies‘ Rechtsform egal. Egal ob das Land den medizinischen Einsatz legalisiert hat, es zur Freizeitgestaltung genutzt werden darf oder Cannabis völlig illegal ist, Namaste hat einen Weg, um im Markt aktiv zu sein.

„Wir hoffen, dass Cannabis zur Entspannung in mehr Ländern legalisiert wird, aber wir glauben so sehr an unsere Technologie im medizinischen Sektor, dass es uns eigentlich ziemlich egal ist“, sagt Dollinger.

„Da NamasteMD den medizinischen Prozess so einfach macht, werden wir Ende des Jahres sehr viele Kunden haben und wenn die Regierung bei Cannabis zur Freizeitgestaltung einen Rückzieher machen sollte, dann ist uns das auch egal. Wir werden im medizinischen Sektor agieren, wo es uns prinzipiell erlaubt ist, in ganz Kanada zu verkaufen und überall, wo medizinisches Marihuana legal ist.“

Aaron Broverman