Diesen World-Games-Stars winkt Olympia

Eric Böhm
Speedskating und Football könnten bald auf größerer Bühne stattfinden, Beachhandball hat geringe Chancen auf Olympia

Die World Games 2017 sind Geschichte.

Es waren tolle Tage mit herausragenden sportlichen Leistungen und extrem unterschiedlichen aber ausnahmslos interessanten Sportarten.

Eine Sache vereint sie alle: der Traum von Olympia. Denn bei allem Medieninteresse und Professionalität, die "großen Spiele" wären für die Verbände und Sportler ein Quantensprung.


Bogenschießen, wenn auch mit anderem Programm, ist ja bereits dabei, ebenso wie Teildisziplinen der Gymnastik. Breslau-Publikumsrenner Klettern und Karate haben es für 2020 in Tokio geschafft.

Aber wie sieht es bei den anderen 27 Sportarten aus? SPORT1 macht nach vielen Gesprächen mit Offiziellen, Trainern und Athleten den Check.

- Schon dabei

Bogenschießen, Klettern, Karate, Rhythmische Sportgymnastik, Trampolin

Lisa Unruh und Co. zeigten in Breslau im Feld einen weiteren interessanten Aspekt des Bogenschießens, sie bleiben sicher im Programm. Karate darf in seiner Heimat Tokio erstmals Werbung für sich betreiben.


Klettern war einer der Publikumsmagneten der World Games und wird 2020 sein Olympia-Debüt geben. Es kann mitten in der Stadt ohne viel Raum ausgetragen und bietet sehr viel Spannung und Action. Der Deutsche Jan Hoyer gewann Silber im Bouldern.

Die Teilbereiche der Gymnastik gehören ebenfalls bereits zum Programm, eine Ausweitung auf beispielsweise Aerobic ist kaum vorstellbar.

- Gute Chancen

Speedskating, Flossenschwimmen

Neben den Host-Favoriten ist olympisches Speedskating wohl nur noch eine Frage der Zeit. Die Zeichen sind positiv, vor allem die Sprintbewerbe in Breslau waren herausragend und extrem spannend. Die Sportart ist der Gewinner der World Games. Die deutschen Medaillenhamster Mareike Thum und Simon Albrecht dürfen träumen.

Ähnliches gilt für das Flossenschwimmen. Wenn sich gleich am ersten Tag die geballte IOC-Prominenz oder DOSB-Chef Michael Vesper sehen lassen, sagt das viel aus. Max Lauschus und Max Poschart sind die deutschen Cracks und könnten bald die chronisch erfolglosen Schwimmer-Kollegen bei Olympia in den Schatten stellen.


- Potenzielle Ausrichter-Favoriten 2024/2028

Boule, Squash (Paris), American Football, Ultimate Frisbee, Lacrosse (Los Angeles)

Durch die Doppelvergabe der Olympischen Spiele an Paris 2024 und Los Angeles 2028, könnte Boule in sieben Jahren dabei sein. Denn der nationale Verband hat Gewicht in Frankreich, auch im Squash sind die Franzosen eine Macht, holten drei Medaillen in Breslau - die einstige Boomsportart mit dem deutschen Gewinner Simon Rösner beeindruckte mit großartiger Atmosphäre und für TV attraktiver Action.

L.A. würde wohl ziemlich sicher Football aufnehmen, das dann mit einer deutlich höheren sportlichen Qualität als bei den World Games aufwarten würde. Auch die US-Trendsportarten Frisbee und Lacrosse gewannen in Polen Unterstützer.


- Im Wartestand

Kanupolo, Rettungsschwimmen, Jiu-Jitsu, Billard/Snooker, Bowling, Beachhandball, Inlinehockey

Die deutschen Paradedisziplinen Kanupolo und Rettungsschwimmen haben in Breslau sicher Pluspunkte gesammelt, die IOC-Vertreter haben interessiert zugeschaut, aber vor 2032 ist eine Aufnahme wohl nicht realisitisch.


Weltklassespieler Ali Carter setzte mit seiner Teilnahme - wie auch die Poolbillard-Elite - ein Zeichen, dass man sich empfehlen möchte. Sollte sich zum Beispiel Golf olympisch nicht entwickeln, könnte Billard angreifen. Auch Bowling machte auf sich aufmerksam.

Wenn es Beachhandball schon in seiner Hochburg Brasilien 2016 nicht als Demonstrationssport ins Feld geschafft hat, wird es wohl so schnell nicht klappen.

- Langer Weg

Faustball, Wasserski/Wakeboard, Kickboxen/Muaythai, Luftsport

Zwar hat Faustball immer mehr Weltverbände in aller Welt, müsste aber weiter wachsen und konkurrenzfähiger werden. Trotzdem gibt es durchaus eine Chance, spannend ist es allemal. Wasserski und Wakeboard könnten im Zuge der angestrebten Verjüngung irgendwann anklopfen, im Kampfsport erfreut sich MMA weltweit immer mehr Anhängern und könnte Kickboxen und Muaythai bald auch in Sachen Olympia überflügeln.


- Keine/Schlechte Chance

Speedway, Sumo, Powerlifting, Akrobatik/Aerobic, Rollschuhkunstlauf, Indoor Rudern, Korfball, Orientierungslauf, Tauziehen

Es gibt nach wie vor keine Motorsportart bei den Olympischen Spielen, sollte sich das irgendwann ändern, wird ganz sicher nicht mit Speedway begonnen werden.


Einige andere Sportarten auf dieser Liste sind bereits olympischen Disziplinen artverwandt wie die Gymnastikarten oder Indoor Rudern, eine zusätzliche Aufnahme ist äußerst unwahrscheinlich. Beim Gewichtheben gibt es ohnehin zu viele Dopingfälle, da wird man das Risiko mit Powerlifting sicher nicht eingehen.

Der Rest wie Korfball oder Tauziehen ist schlicht nicht weit genug verbreitet oder hat zu wenig TV-Potenzial.