Mit diesen Meilenprogrammen sparen Fluggästen am meisten

Miles & More, Eurowings Boomerang Club, Payback & Co.: Das Handelsblatt hat neun Treueprogramme testen lassen und sagt, welche ihr Geld wert sind.


Aus für das Meilenprogramm „Topbonus“ des Pleitefliegers Air Berlin, Aufräumen bei Lufthansas „Miles & More“, Business-Class ab Ende April bei der Billig-Airline Eurowings – im Geschäft mit den Bonusprogrammen für Geschäftsreisende werden die Karten derzeit neu gemischt. Hinzu kommt, dass auch die Hotelkette Hilton mit ihrer „Honors Credit Card“ verstärkt im Wettbewerb um Status-Upgrades und Punkte mitspielt. Ihr Plastikgeld ist nun sogar für Flugreisen einsetzbar.

Abgeschaut hat sich Hilton das Kundenbindungsmittel bei American Express. Der Kreditkartenanbieter, der mit seiner Tochter Loyalty Partner auch für die Abrechnung von Karten wie „Miles & More“, „Bahncard“ oder „Payback“ verantwortlich ist, gilt mit seinem „Membership Rewards“-Programm als Urvater der übertragbaren Punkte.

Das Prinzip ist bei allen Anbietern ähnlich: Wer über ihre Karten bucht oder einkauft, erhält als Belohnung Bonuspunkte und Privilegien. 2016 legte die Einkaufs-Rabattkarte Payback nach und ermöglicht seither American-Express-Kunden ebenfalls Gratisflüge.


Das Dickicht aus Sonderregeln und Kleingedrucktem ist bei allen Bonusprogrammen enorm, der Zusatzgewinn ernüchternd. Jedenfalls dann, wenn man es allein auf Rabatte abgesehen hat.

Wer sich bei Lufthansa einen freien Business-Class-Flug von Frankfurt nach Chicago (2840 Euro vor noch zu zahlenden Steuern und Gebühren) erfliegen will, muss dazu 55.000 Meilen sammeln. Da jeder Euro Umsatz beim Lufthansa-Bonusprogramm mit einer halben Meile vergütet wird, hat der Reisende bis dahin 110.000 Euro auszugeben. Als effektiver Preisnachlass errechnet sich daraus ein Rabatt von gerade einmal 2,6 Prozent.

Gäbe es daneben nicht weitere Vorteile wie Versicherungen, Reiseerleichterungen oder prestigeträchtige Upgrades bei Hotels, Autovermietungen oder Fluganbietern. Doch auch hier sind die Leistungen der Kartenanbieter kaum zu überblicken.

Wo es sich für Geschäftsreisende lohnt, auf die Dienste einer Meilenkarte zu setzen, hat Alexander Koenig jetzt zum zweiten Mal für das Handelsblatt getestet. Der frühere McKinsey-Berater und Inhaber der Vielfliegerberatung First Class & More bezog sich dabei auf Präferenzen, die er bei Geschäftsreisenden erfragte.

Der Überflieger

Die mit Abstand meisten Leistungen bietet im Vergleich die „American Express Platinum Card“. Sie aber kostet mit einer Jahresgebühr von 600 Euro erheblich mehr als die Angebote der Konkurrenten – und kann somit nicht in das finale Ranking einbezogen werden.

Für anspruchsvolle Geschäftsreisende, die bereit sind, tief in die Tasche zu greifen, könnte sie dennoch erste Wahl sein. Denn die Aussicht auf Zusatzleistungen scheint schier unendlich: So bietet sie einen telefonischen Lifestyle-Service, exklusive Events und Tickets, Restaurantreservierungen und Zutritt zu ausgewählten Bars und Clubs. Karteninhabern steht zudem ein Geschenkeservice zur Verfügung, ebenso eine vergünstigte Golf Fee Card und kostenloses Internet an mehr als einer Million Hotspots.

Im umfangreichen Versicherungspaket ist sogar eine Vollkasko-Versicherung für Mietwagen inbegriffen, die allerdings an strenge Bedingungen geknüpft ist.

Platz 1

Trotz des Ausschlusses der „Platinum Card“ bleibt der Gesamtsieg in der Familie. Platz eins im regulären Ranking belegt die „American Express Gold Card“, die ab dem zweiten Jahr eine Gebühr von jährlich 140 Euro kostet.

Einer ihrer größten Pluspunkte: Die Karte bietet hohe Flexibilität hinsichtlich der Umwandlung der gesammelten „Membership Reward“-Punkte in andere Meilenprogramme, darunter das von Alitalia, Cathay Pacific, British Airways, Delta, Emirates, Etihad, Finnair, Air France, Iberia, Qatar, SAS und Singapore Airlines. Ein „Membership Reward“, den der Kunde bei jedem Euro Umsatz erhält, ergibt 0,8 Meilen. Via Payback gibt es sogar Meilen der Lufthansa – allerdings nur in einem Punkteverhältnis zwei zu eins.

Zudem bietet American Express neben umfangreichen Versicherungsleistungen einen „Punkte-Turbo“. Wer 15 Euro im Jahr zusätzlich investiert, erhält für jeden Euro 1,5 „Membership Rewards“ – bis zu einer Höchstsumme von 40.000 Euro. Hinzu kommt, dass „Membership Rewards“ nicht verfallen und die Karte im ersten Jahr gratis ist. Somit kann sie ohne Probleme getestet werden.

Schwachpunkt von American Express ist allerdings die nur geringe Akzeptanz der Kreditkarte.

Platz 2

Auf Rang zwei folgt mit nur geringem Abstand die „Eurowings Kreditkarte Gold“. Nach dem Aus des Wettbewerbers Air Berlin gewinnt die Lufthansa-Billigtochter an Bedeutung – und damit auch ihr Bonusprogramm „Boomerang Club“. Nach einem ersten kostenlosen Jahr verlangt der Anbieter für die „Gold“-Karte 69 Euro (während die Basiskarte „Classic“ für 19,99 Euro zu haben ist).

Hauptvorteil der „Eurowings Kreditkarte Gold“: Für ihren Auslandseinsatz im Nicht-Euro-Raum entfallen die Gebühren. Zudem bietet sie eine Mietwagen-Vollkaskoversicherung und zahlreiche Vorteile am Flughafen bei Eurowings-Flügen – fast so, als besäße man einen Vielfliegerstatus.

Wie bei „Miles & More“ der Schwester Lufthansa gibt es bei Eurowings Meilenpunkte. Ihre Verwendbarkeit verbessert sich zudem stetig – zumal Eurowings seit dem 28. April auf ersten Strecken die Business-Class anbietet.

Ein weiterer Vorteil ist das inkludierte Kreditkarten-Doppel von Mastercard und Visa. Als Zahlungsmittel genießt die „Eurowings Kreditkarte Gold“ damit eine Spitzenstellung.

Platz 3

Auf Platz drei schafft es auf Anhieb die „Hilton Honors Credit Card“. Mit Versicherungspaket kostet sie jährlich 83 Euro, ohne nur 48 Euro.

Unter den Meilenprogrammen gilt sie als Exot, weil durch ihren Gebrauch zunächst nur Punkte für Hotelübernachtungen erworben werden – und zwar zwei Punkte für jeden Euro Umsatz bei Hotelübernachtungen, ein Punkt bei jeder übrigen Euro-Ausgabe. Theoretisch können die „Hilton-Punkte“ für andere Meilenprogramme genutzt werden, meist jedoch zu einem unattraktiven Kurs.

Experten empfehlen im Verbund mit der Karte ein kostenfreies Girokonto der DKB für die Abrechnung. Es erlaubt weltweit eine Bargeldabhebung zum Nulltarif.


Der Hauptvorteil der „Hilton Honors Credit Card“ liegt allerdings in den Status-Möglichkeiten, die für konzerneigene Ketten wie „Hilton“, „Conrad“ oder „Waldorf Astoria“ geboten werden. So ist der bereits inkludierte „Gold“-Status mit Zimmer-Upgrades, kostenlosem Frühstück und freiem Internet verbunden. Der „Diamond“-Status (ab 20.000 Euro Jahresumsatz) bietet weitere VIP-Leistungen.

Freinächte in Hilton-Hotels sind bereits ab 5000 Punkten möglich – diese Anzahl erhält man bereits im Willkommens-Paket.

Platz 4

Auf Rang vier der Wertung findet sich die „Miles & More Credit Card Gold World Plus“, für die jährlich 110 Euro fällig werden (die abgespeckte „Blue“-Variante kostet 55 Euro). Miles & More halbierte zwar 2016 die Meilengutschriften, die Karte aber gilt weiterhin als Muss, wenn Reisende die Gültigkeit etwa ihrer Lufthansa-Meilen unbegrenzt verlängern wollen.

Darüber hinaus bietet sie immer wieder Aktionen für doppelte oder dreifache Meilen, die den Gutschriften-Nachteil teilweise kompensieren. Attraktiv sind zudem die Mietwagen-Vollkaskoversicherung, die inkludierte Reiserücktrittsversicherung und der Auslands-Krankenschutz.

Reisende genießen mit der Karte zudem zehnmal jährlich kostenfreien Zugang zu einer Lounge der Regus Business Center. Doch in Summe der Leistungen gibt es bessere Pakete.

Platz 5

Auf Platz fünf folgt etwa gleichauf die „American Express Card“, die Standardkarte des Kreditkartenanbieters. Ihr großer Vorteil ist, dass sie im ersten Jahr gratis ist und – falls über sie ein Mindestumsatz von 4000 Euro pro Jahr gebucht wird – auch bleibt.

Mit dem „Punkte-Turbo“ kann man per „American Express Card“ pro ausgegebenem Euro sogar mehr „Miles & More“-Meilen der Lufthansa sammeln als mit den „Miles & More“-Kreditkarten selbst.

Zudem können Reisende die „Membership Rewards“ in viele andere Meilenprogramme umwandeln.

Bei den Versicherungen bietet die Karte Absicherung von Einkäufen sowie Versicherungen gegen Verspätungen von Flügen und Gepäck.

Die Methode

Die Bewertung der einzelnen Kartenleistungen nahm die Beratungsfirma First Class & More streng wissenschaftlich vor. Anhand von 800 Interviews und Fragebögen hatte Firmenchef Alexander Koenig zunächst ermittelt, welche Anforderungen Vielflieger an kartengestützte Bonusprogramme stellen. Entsprechend hoch oder niedrig fiel jeweils die Gewichtung aus.

An oberster Stelle, ermittelte Koenig, nannten Geschäftsreisende die Höhe der Meilengutschrift, die deshalb in der Gesamtbewertung mit 20 Prozent zu Buche schlug. Dass die Gültigkeit der Punkte mit der Zeit nicht verfällt, stand auf der Wunschliste ebenfalls oben. Programme, die diese Voraussetzung erfüllen, sicherten sich damit allein 15 Prozent der Bewertungspunkte.

Jeweils bis zu fünf Prozent der Gesamtpunkte gab es, falls Nutzer über ihre Karte Statusmeilen sammeln können, mehrere Meilenprogramme zur Auswahl haben oder die Einsatzmöglichkeiten der gesammelten Meilen als attraktiv zu werten sind.

Für den angebotenen Versicherungsschutz gab es insgesamt bis zu zehn Prozentpunkte zu verteilen, ebenso wie für den Lounge-Zugang und die bevorzugte Behandlung am Flughafen. Wer als Kartenanbieter ein lukratives Willkommenspaket vorhält, konnte bis zu fünf Prozentpunkte ergattern. Genauso viel gab es für Programme, die durch günstige Jahresgebühren überzeugten.

Doch billig zu sein bedeutet Geschäftsreisenden eben nicht alles. Die „Payback American Express“-Karte, die zwar dieselben Meilengutschriften bietet wie die „Miles & More Credit Card“, aber fast keinen Versicherungsschutz, landete im Ranking abgeschlagen auf dem letzten Platz.