Mit diesen E-SUVs will die deutsche Autoindustrie Tesla vom Thron stürzen

Alexander Frymark, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 5 Min.

Jeder kennt diese Situation: Man ist auf der Autobahn und vor einem fährt ein richtig geiles Auto. Weil man sich etwas beweisen will (und in Wirklichkeit die mentale Reife eines Achtjährigen hat), schaltet man einen Gang hoch und beginnt zu überholen.

Genau das passiert gerade zwischen Tesla (WKN: A1CX3T) und seinen deutschen Konkurrenten. VW (WKN: 766403), BMW (WKN: 519000) und Mercedes (WKN: 710000) haben gemerkt, dass die Zukunft dem Elektroauto gehört. Deshalb zwingen sie ihre Ingenieure, einen Gang höher zu schalten, um SUVs zu entwickeln, die Teslas Model X und Y vom Thron stürzen.

Was gilt es zu überbieten?

Teslas Autos sind nach wie vor der Goldstandard auf dem Elektroautomarkt. Ob ein Elektroauto gut ist, hängt davon ab, wie gut es im Vergleich zu einem Tesla ist. Die Elektroautos erfreuen sich einer fanatischen Anbetung durch Fans, einer Armee von Tausenden brillanter Ingenieure und der Führung eines visionären und ambitionierten – wenngleich auch gelegentlich exzentrischen – Elon Musk.

Diese Kombination führte 2015 zum Verkauf des ersten SUVs von Tesla – dem Model X. Das Elektroauto hat eine revolutionäre Reichweite von 561 Kilometern. Dabei kann man 215 Kilometer in nur 15 Minuten an einem von über 18.000 Superchargern auf der Welt aufladen. Leider führen das und noch weitere Extras wie Flügeltüren oder sieben Sitze für Erwachsene dazu, dass das Model X einen stattlichen Preis von 85.990 Euro hat. Aufgrund dessen zahlt man für einen Kilometer Reichweite 153 Euro beim Model X.

Das zweite SUV von Tesla – das Model Y – schafft es, die Herzschmerzen beim Lesen des Preises des Model X zu lindern. Es kostet nämlich „nur“ 58.620 Euro. Doch leisten kann zumindest ich es mir trotzdem nicht. Dabei ist das Model Y preiswerter als das Model X: Eine Reichweite von 505 Kilometern und das Aufladen von 270 Kilometern in 15 Minuten (!). Das führt dazu, dass man beim Model Y 116 Euro pro Kilometer Reichweite zahlt.

Wie sieht es bei der deutschen Konkurrenz aus?

Audis Antwort auf das Model X ist der Audi e-tron Sportback 55. Der sportlich aussehende E-SUV kommt auf eine Reichweite von nur 446 Kilometern. Darüber hinaus kann der Audi in 15 Minuten seinen Akku nur für 135 Kilometer aufladen. Man sieht also: In zwei wichtigen Kriterien schlägt der Kalifornier den Ingolstädter. Der Preis macht es nicht besser, der wie beim Model X mit 81.054 Euro auf Herzinfarkt-Niveau ist. Damit zahlt man pro Kilometer Reichweite 181 Euro.

Besser macht es Daimler mit dem Mercedes-Benz EQC 400 4Matic für 69.484 Euro. Die Reichweite des Stuttgarters liegt bei 411 Kilometern, womit man 169 Euro pro Kilometer Reichweite zahlt – besser als der Audi, doch schlechter als die Teslas. Hinzu kommt, dass der Mercedes an einer Schnellladetankstelle in 15 Minuten nur 97 Kilometer aufladen kann. Auf einer Reise müsste man somit nach vier Stunden ca. jede weitere Stunde 15 Minuten lang neu laden, um weiterfahren zu können – vorausgesetzt, es gibt genügend Schnellladestandorte.

Diese Leistung übertrifft BMW mit dem iX3. Der E-SUV schafft eine Reichweite von 459 Kilometern, womit die Reise von München nach Frankfurt schon mal möglich wäre. Zusammen mit einem Preis von 68.040 Euro kommt man auf 148 Euro pro Kilometer Reichweite – was besser ist als beim Model X (!). Bei der Aufladezeit kommt der Münchener Tesla bedrohlich nah, da man in nur 15 Minuten 210 Kilometer an einer Schnellladesäule laden kann.

Nach wie vor ist das Model Y auf dem ersten Platz. Wird das mit dem VW ID.4 auch so bleiben? Nein, weil der Volkswagen erstaunlich gute Daten vorweist: Eine Reichweite von 500 Kilometern bei einem Preis von nur 43.329 Euro. Das ist mit 15.291 Euro Abstand der günstigste E-SUV in der Auswahl! Das führt auch zu dem günstigsten Preis-Reichweite-Verhältnis von 86 Euro. Zwar kann der Wolfsburger in 15 Minuten nur 162 Kilometer an einer Schnellladestation aufladen, doch bei diesem Preis möchte ich mich nicht beschweren.

Hier einmal alle Daten in einer Tabelle aufgelistet, die anhand des Preis-Reichweite-Verhältnisses sortiert ist:

Name

Preis-Reichweite-Verhältnis

Preis in Euro

Reichweite in Kilometer

Ladekapazität in 15 Minuten

Volkswagen ID.4

87

43.329

500

162

Tesla Model Y

116

58.620

505

270

BMW iX3

148

68.040

459

210

Tesla Model X

153

85.990

561

215

Mercedes-Benz EQC 400 4Matic

169

69.484

411

97

Audi e-tron Sportback 55

182

81.054

446

135

Quellen: https://efahrer.chip.de/, https://www.tesla.com/de_de; die Daten für die Ladekapazität von VW, BMW, Mercedes und Audi wurden von 20 Minuten auf 15 Minuten heruntergerechnet, um für den Vergleich mit den Tesla-Modellen einen einheitlichen Maßstab zu haben

Was bedeutet das?

Die Tatsache, dass Volkswagen und BMW Gold beziehungsweise Bronze im Wettkampf gegen Tesla gewinnen, ist eine große Sache. Sie zeigt, dass Tesla in Bezug auf Erschwinglichkeit und Preiswertigkeit ernst zu nehmende Konkurrenz hat. Diese zwei Kriterien sind wichtig, weil an Elektroautos oft bemängelt wird, dass diese viel kosten. Aufgrund dessen kann es dazu kommen, dass Konsumenten sich eher für einen Volkswagen entscheiden als für einen Tesla.

Die guten Nachrichten für Tesla sind, dass sich die Konkurrenz eventuell nur auf die Mittelklasse beschränkt, da der ID.4 kein Auto der Oberklasse ist. In Bezug auf Preis, Reichweite, Ausstattung und Weiteres ist Tesla in der Oberklasse weiterhin mit Abstand Vorreiter. Im oberen Segment kommt Tesla ebenfalls das Image seiner Autos entgegen, das so gut ist, dass es dem einer Popband gleicht.

Allerdings mag sich Elon Musk womöglich nicht nur mit der Oberklasse zufriedengeben. Er hat schon oft betont, dass er Elektroautos weit verbreiten will, was nur mit Mittelklasseautos zu erreichen ist. Er wird den deutschen Autobauern sicherlich nicht kampflos die Pole-Position überreichen. So ist Elon Musk nicht. Deshalb können wir mit Sicherheit davon ausgehen, dass das Wettrennen um die Führung in der Elektroautoindustrie eine weitere Runde erhalten wird.

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Alexander Frymark besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla.

Motley Fool Deutschland 2020