Diesen Denkfehler machen viele Startups – laut Unicorn-Gründer Mario Kohle

Der 37-jährige Mario Kohle ist in Strausberg aufgewachsen, hat an der WHU studiert und ist heute Chef eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen Europas.
Der 37-jährige Mario Kohle ist in Strausberg aufgewachsen, hat an der WHU studiert und ist heute Chef eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen Europas.

Sein Nachname ist keinesfalls Programm: Mario Kohle steht für erneuerbare Energien. Sein Startup Enpal vermietet, installiert und wartet Solaranlagen auf den Dächern deutscher Privathäuser. Erst vor kurzem platzierte die Financial Times seine Firma auf Platz fünf der am schnellsten wachsenden Unternehmen Europas. Dieses Wachstum hat inzwischen viele bekannte Geldgeber angelockt, darunter Alexander Samwer, den Schauspieler Leonardo DiCaprio mit seinem Fonds Princeville Climate Technology und den japanischen Tech-Investor Softbank.

Wie organisiert sich das Berliner Startup inmitten des ganzen Ansturms? Bei Tipps und Tools erklärt uns der Gründer, welche Lehren er aus seinem vorherigen Startup (Käuferportal, heute Aroundhome) mitnimmt und wie er es trotz Home Office schaffte, eine gute Firmenkultur aufrechtzuerhalten.

Mario, wie arbeitet ihr bei Enpal?

Wir halten uns manchmal für „Insecure Overachiever“ (zu Deutsch: unsichere Streber). Das heißt, wir denken ganz oft: Wow, schaffe ich das jetzt? Bin ich gut genug dafür? Aber aus dieser Unsicherheit heraus leistet man einfach viel.

Und welche Tools helfen euch bei Enpal am meisten durch den Arbeitstag?

Viel wichtiger als Tools sind die richtigen Leute – und das Vertrauen ineinander. Vertrauen ist die absolute Voraussetzung für effiziente Zusammenarbeit, weil es einem die Sicherheit gibt, auch Fehler offenzulegen und Schwächen anzusprechen. Vor allem am Anfang, wenn man sich noch nicht gut kennt, braucht es unbedingt physische Treffen und viel gemeinsame Zeit. Dann wird auch das digitale Arbeiten viel leichter, egal welche Tools man benutzt.

In der Energiebranche seid ihr europaweit das wachstumsstärkste Unternehmen. Wie habt ihr es geschafft, euch gegen die Konkurrenz durchzusetzen?

Wir haben uns intensiv mit der Frage beschäftigt, wie ein Produkt aussieht, das die Leute wirklich wollen. Von der Mama bis zum Millionär haben wir alle befragt, weshalb sie noch keine Solarenergie nutzen. Und wir stellten fest: Alle waren prinzipiell interessiert an Solarenergie, aber viele scheuten sich, die hohen Anschaffungskosten von oft deutlich über 15.000 Euro aufzubringen und sich über Dinge wie Wechselrichter, Watt und Wartung einzulesen.

Also haben wir ein Produkt mit der Solarenergie zur Miete gebaut: Die Kunden haben so null Euro Anschaffungskosten und zahlen stattdessen einen All-inclusive-Tarif. Dafür bekommen sie 20 Jahre lang einen Rundum-sorglos-Service inklusive Versicherung, Austausch des Wechselrichters und so weiter. Nach 20 Jahren kann der Kunde die Anlage auf Wunsch in sein Eigentum übernehmen. Man hat nur minimalen Aufwand, spart auf die Dauer viel Geld bei der Stromrechnung und schützt das Klima.

Was macht ihr anders als andere Wettbewerber?

Durch eine andere Art und Weise zu denken. Viele fragen sich nämlich nicht: Was will der Verbraucher wirklich? Sondern: Wie sieht der Markt aus? Also, wie mache ich die Kutsche noch ein klein wenig besser, während die Leute eigentlich ein Auto wollen.

Wir haben sehr klein angefangen, das gibt uns Demut. Aber unser Traum ist groß: Wir wollen die größte Community für Erneuerbare Energien in Europa schaffen – mit Millionen dezentraler Solaranlagen, Speicher und Ladestationen, die intelligent vernetzt sind.

Du hast viel Startup-Erfahrung mit deiner ersten Firma gesammelt. Was hast du beim Aufbau des Vergleichsportals Aroundhome, das früher Käuferportal hieß, gelernt?

Käuferportal gründete ich mit viel Herzblut mit meinem besten Freund aus Schulzeiten während der Finanzkrise 2008. Damals hab ich gemerkt: Egal, was passiert – wir werden aus jeder Krise noch stärker hervorgehen. Und während dieser Zeit merkte ich ebenfalls, dass ich ein ziemlicher Idealist bin. Mir macht es noch mehr Spaß, Unternehmer zu sein, wenn ich hinter dem, was ich tue, einen Impact sehe. Für mich ist es ein Traum, eine Firma zu bauen, bei der ich Unternehmertum mit etwas verbinde, das der nächsten Generation hilft. Enpal sehe ich deshalb als so etwas wie mein Lebenswerk.

Wie schaffst du es, deine Mitarbeiter als Team zusammenzuhalten, wenn so viele von ihnen remote sind?

Homeoffice ist dann ein Problem, wenn man sich noch nicht kennt. Dann fehlt das Vertrauen, weil man noch nicht als Team zusammengeschweißt ist. Das ist ähnlich wie bei einer Fernbeziehung als Paar: Wer in einer Fernbeziehung startet und sich kaum sieht, dann ist das etwas anderes, als wenn man schon seit zwei Jahren zusammen wohnt und dann ein Partner mal für ein paar Monate ins Ausland geht. Das kann die Beziehung eher aushalten.

In einem Interview mit Gründerszene sagtest du mal, du habest dich noch nicht entschieden, ob dir zufriedene Kunden oder zufriedene Mitarbeiter wichtiger seien. Wie ist das inzwischen?

Dieses Entweder-Oder ist der falsche Ansatz. Wir wollen unsere Kunden zu Fans machen. Wir wollen nicht nur ein Produkt verkaufen, sondern die Menschen verbinden, zur größten Community für Erneuerbare Energien in Europa. Das schaffen wir natürlich nur, wenn auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter glücklich sind und alle an einem Strang ziehen. Die Zufriedenheit unseres Teams beeinflusst die Kundenzufriedenheit und umgekehrt. Wir leben also von unseren großartigen Teams und glücklichen Kunden – ohne sie wären wir mit Enpal nicht dort, wo wir gerade stehen. Wir hoffen, dass unsere Mitarbeitenden die nächsten 30 Jahre bei uns bleiben, weil wir gemeinsam etwas aufbauen wollen, das hält.

Apropos Zusammengehörigkeit: Was war denn euer bestes oder lustigstes Meeting?

Ich erinnere mich gern an die erste Zeit, in der wir Finanzierungspartner für unser Mietprodukt gesucht haben. Wir fragten bei Banken nach Krediten, um die ersten Solaranlagen zu finanzieren. Enpal war damals noch eine ganz junge Firma, die keiner kannte – es war nicht leicht, den Banken überhaupt unser Konzept zu vermitteln. Wir mussten wirklich Überzeugungsarbeit leisten und selbst viel eigenes Geld dazugeben.

Auf welche Entscheidung, die du bei Enpal getroffen hast, bist du rückblickend stolz?

Stolz ist vielleicht das falsche Wort. Aber es gibt manche Entscheidungen, die mir nicht leicht fielen. Ich hatte bis 2020 beispielsweise immer gesagt: Nie werden wir im Home Office arbeiten! Denn ich glaube an das Gemeinschaftsgefühl, das man nur erlebt, wenn man sich oft sieht und zusammen durch dick und dünn geht. Bei uns gibt es deshalb auch keine Einzelbüros, auch für mich nicht – aus Prinzip, denn wir wollen, dass die Leute sich austauschen. Dann kam Covid, und wir waren mit die Ersten, die beschlossen haben: Wir machen das Büro erstmal komplett zu. Als später alle in den Lockdown gingen, waren wir schon vorbereitet.

Hast du ein gutes Buch oder Podcast zum Thema Produktivität?

Ein Buch, das mich beeindruckt hat, war „Good to Great“ von Jim Collins. Dessen Ideen haben mich sehr geprägt, zum Beispiel das Prinzip „First Who, Then What“: Das heißt, es muss zuerst darum gehen, die richtigen Leute in den Bus zu bekommen, und erst danach zu entscheiden, wohin man fahren will. Oder auch das Konzept des „Level 5 Leadership“: Demnach soll eine gute Führungskraft sowohl persönlich bescheiden sein und zugleich beruflich absolut entschlossen.

Was ist der beste Business-Advice, den du selbst je bekommen hast?

Mich begeisterte die Idee des „First Principle Thinking“: Es geht vielmehr darum, sich zu überlegen, wie etwas sein sollte und nicht, wie es schon ist. Also nicht vom Status quo aus zu denken und zu überlegen, wie man ihn ein klein wenig besser machen kann. Sondern sich zu fragen: Wie soll etwas in einer neuen Welt idealerweise sein? Wie können wir ein Problem auf eine neue Art lösen? Dann sieht man die Schritte dahin viel klarer.

Als ich verstanden hatte, wie gewaltig die Menschheitsaufgabe der Klimakrise ist, wollte ich eine Lösung für das möglichst klimaneutrale Zuhause schaffen, die aus Sicht der Bewohner besser, bequemer und günstiger ist als davor. Aus dieser Idee heraus ist Enpal entstanden.

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