Was der Diesel mit dem Bankgeheimnis zu tun hat

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Was der Diesel mit dem Bankgeheimnis zu tun hat

Regierungen decken gerne die Schmuddeleien ihrer Kernindustrien. Dass das oft erst die US-Justiz beendet und eine Modernisierung erzwingt, ist peinlich.


Nein, modern wirkt an ihm nicht viel. Er steht für protzige Goldarmaturen, große Verbrennungsmotoren, schlechte CNN-Witze im Videoformat und undurchsichtige Steuererklärungen. Donald Trump wirkt wie aus einer anderen Zeit und manchmal gar von einem anderen Planeten. Das wird sich auch in diesen Tagen nicht ändern, wenn er unter anderem beim G20-Gipfel in Hamburg auftaucht. Doch ausgerechnet dieser Mann ist der Präsident eines Landes, dessen Justiz sich regelmäßig in die Belange fremder Staaten einmischt – und dabei manchmal unbeabsichtigt eine Modernisierung anschiebt.


Kaum ein anderes Land glaubt so sehr an die eigene moralische Überlegenheit wie die USA. Wer sich in ihren Augen danebenbenimmt, ist zum Abschuss freigegeben, egal, wo. Der lange Arm der Richter reicht bis in den letzten Winkel dieser Erde. Dort sind sie zwar nicht zuständig, aber keiner will es sich mit ihnen verscherzen. Zu groß ist der US-Markt. Zu viel Profit verspricht das Geschäft mit den über 300 Millionen Konsumenten.

Trotz dieses monströsen Drohpotenzials glauben immer wieder ein paar Manager, dass es sie schon nicht treffen würde. Die Schweizer Banker brachten es in dieser Disziplin einst ganz weit. Jahrzehntelang schleusten sie dank des Bankgeheimnisses Milliarden von Schwarzgeldern an den Steuerbeamten dieser Erde vorbei, auch im Auftrag von US-Bürgern. Bis die Kavallerie der unbegrenzten Möglichkeiten ausritt. Während zu Hause in Delaware und Co. munter weiter Steuerflüchtlinge begrüßt wurden, ließen US-Richter Granden der Schweizer Schwarzgeldindustrie in Ketten legen. Das war der schmerzhafte Anfang vom Ende des Bankgeheimnisses, aber auch der Anfang einer neuen, saubereren Finanzindustrie. Aus eigener Kraft hätte es die unheilige Allianz aus Regierung und Kernindustrie nicht geschafft.


Dasselbe gilt nun auch für Deutschland. Haarsträubend lasche Grenzwerte- und Kontrollregeln verwandelten die Industrie in eine geschützte Werkstatt, in der Dieseldoyens Marge machten und vor lauter Abgasnebel die Zukunft der Elektromobilität nicht erkannten. Bis wieder die Kavallerie kam. Knast, Haftbefehle, Milliardenstrafen für VW – das volle Programm eben. Und plötzlich kann es Merkel und Co. mit den E-Autos nicht schnell genug gehen. Peinlich, dass hierzulande keiner von selbst darauf gekommen ist. So wird es nichts mit der Vollbeschäftigung.