In diese Startups steckt Gebrauchtwagen-Milliardär Hakan Koç sein Geld

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Auto1-Gründer Hakan Koç
Auto1-Gründer Hakan Koç

Dieser Text erschien zuerst am 9. Februar 2021. Er hat besonders viele Leserinnen und Leser interessiert. Mit einem inhaltlichen Update veröffentlichen wir ihn hiermit erneut.

Lange kannte Auto1-Gründer Hakan Koç kaum jemand. Obwohl der Berliner die Gebrauchtwagenplattform gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Christian Berterman bereits 2012 startete, flog der Unternehmer viele Jahre eher unter dem Radar. Erst Mitte 2017, als Auto1 durch eine 360-Millionen-Finanzierung zum wertvollsten deutschen Startup aufstieg, trat Koç stärker in der Öffentlichkeit auf.

Der heute 37-Jährige fand plötzlich in den Medien statt, gab erstmals Interviews oder sprach vermehrt auf Tech-Konferenzen. Spätestens seit Februar 2021 dürften viele Menschen in Deutschland auch außerhalb der Gründerszene den Namen Koç bereits gehört haben: Da nämlich ging Auto1, das private Pkws online ankauft und gewinnbringend an Fachhändler weiterveräußert, an die Frankfurter Börse. Die Marktkapitalisierung liegt derzeit bei rund 8,3 Milliarden Euro.

Koç seit Jahren auch als Investor aktiv

Da Koç vor dem Börsengang noch rund 15 Prozent der Anteile an Auto1 besaß, belief sich ihr Wert auf mindestens eine Milliarde Euro. Geld, das der Gründer in Teilen auch in andere Neugründungen reinvestiert. Bereits seit Jahren ist Koç im Hintergrund als Business Angel aktiv. In welche Firmen er dabei investiert hat? Gemeinsam mit dem Analysedienst startupdetector.de hat Gründerszene die Beteiligungen des Neu-Milliardärs ausfindig gemacht. Hier sind die Ergebnisse:

Heaven HR

Bereits 2015 beteiligte sich Hakan Koç über seine Investmentfirma HKKV an der Berliner Softwarebude HeavenHR. Dem Anschein nach gibt es wenig Berührungspunkte mit Koç' Gebrauchtwagenplattform: Mit der Software von HeavenHR lassen sich neu eingestellte Mitarbeiter verwalten und Lohnabrechnungen abwickeln. Auf der Webseite des Startups wird Auto1 aber bis heute als Kunde beworben. Es ist also davon auszugehen, dass Koç' Firma mit der HR-Software große Teile ihrer 4.000 Mitarbeiter umfassenden Belegschaft organisiert. Seit dem Start von HeavenHR flossen rund 16 Millionen Euro in die Firma.

Cosuno

Koç ist bekennender Autofan. Als bei Auto1 mal ein Porsche Carrera GT im Angebot gewesen sei, da sei ihm „schon ein bisschen das Herz aufgegangen“, sagte der Gründer vor Jahren in einem Interview. Offenbar kann Koç aber auch Baggern und Baukränen was abgewinnen: So ist er an Cosuno beteiligt, ein 2018 in Berlin gegründetes Softwareunternehmen für die Baubranche. Mithilfe von Cosuno können Generalunternehmen die Auftragsvergabe an Nachunternehmer – etwa Dachdecker oder Gerüstbauer – digital abwickeln und beschleunigen.

Arculus

Eine noch recht frische Beteiligung hält Hakan Koç an Arculus: Statt fest installierter Fließbänder in Fabriken schweben dem Ingolstädter Startup intelligent gesteuerte Roboterwagen vor, die sich flexibel an veränderte Produktionsbedingungen beispielsweise bei einem Automobilhersteller anpassen. Eine Wette, an die auch große VCs glauben. Neben Koç sind etwa der Berliner Visionaries Club und Atomico aus London in Arculus investiert.

Tech Open Air

Koç' Investment in die Tech Open GmbH überrascht insofern als der Auto1-Gründer lange als eher öffentlichkeitsscheu galt. Denn hinter dem Berliner Unternehmen steht der Veranstalter der jährlich in der Hauptstadt stattfindenden Szenekonferenz Tech Open Air. Da dies üblicherweise kein Geschäft mit schnellem Wachstum und hohen Gewinnen ist, dürfte Koç Beteiligung hier eher altruistischer Natur sein.

Homebell

In die Berliner Handwerker-Plattform Homebell flossen seit ihrer Gründung 2015 mehr als zwölf Millionen Euro. Auch Koç investierte 2016 im Rahmen einer Seedrunde eine nicht bekannte Summe. Trotz späterer Millionen-Runden geriet Homebell allerdings ins Straucheln. 2019 musste das Unternehmen mehr als die Hälfte seiner Mitarbeiter entlassen. Nach einem Neustart scheint das Projekt inzwischen erledigt: Auf der Website heißt es, man nehme aktuell keine Aufträge mehr an.

Home24

Besser dürfte es für Koç da schon bei Home24 gelaufen sein. Bereits 2012 hielt der Unternehmer eine Beteiligung an dem inzwischen börsennotierten Möbelshop, mutmaßlich durch seine knapp anderthalbjährige Tätigkeit als „Chief Product Officer“ (März 2011 bis Juli 2012 laut Linkedin-Profil) bei Home24. Wie den Gesellschafterlisten im Handelsregister zu entnehmen ist, hat Koç alle seine Anteile 2015 an Rocket Internet veräußert.

McMakler

Beteiligt hat sich Koç außerdem an dem Berliner Proptech McMakler. Die Idee des 2015 gegründeten Unternehmens ist es, Makler-Tätigkeiten per Software zu digitalisieren. Dazu zählt etwa ein Exposé der Wohnung zu erstellen, sich um Fotos zu kümmern oder Termine zu koordinieren. 2019 verkaufte Koç seine Beteiligung ähnlich wie bei Home24 an einen anderen Gesellschafter weiter, diesmal an den Londoner VC Piton Capital. Zu früh? Womöglich: Im Herbst 2020 investierte der US-Investor Warburg Picus weitere 42 Millionen Euro in McMakler, was die Bewertung noch mal deutlich erhöht haben dürfte.

Myne

Ganz frisch im Portfolio von Hakan Koç findet sich das Berliner Proptech Myne. Über die Plattform des Unternehmens können sich Interessenten an Ferienwohnungen und –häusern beteiligen. Diese können von den Miteigentümern anschließend flexibel genutzt werden, während sich Myne gegen eine monatliche Gebühr um die Pflege der Immobilien kümmert.

Something Magic

Der Name deutet es schon an: Noch ist nicht viel über das Berliner Unternehmen bekannt, das laut den Daten im Handelsregister seit Ende November 2020 als Something Magic GmbH firmiert. Nicht mal eine Webseite gibt es. Da Koç über seine Beteiligungsfirma insgesamt 33 Prozent der Anteile hält, könnte es sich sogar um ein ganz neues Projekt des Auto1-Gründers handeln. Interessant: Ebenfalls ein Drittel der Anteile hält die Raue Consulting GmbH, hinter der Starkoch Tim Raue steht. Laut Handelsregister fokussiert sich das Unternehmen unter anderem auf „Entwicklung, Vertrieb, Lieferung und Vermarktung von Nahrungs- und Genussmitteln, einschließlich mobiler Applikationen“. Über die künftigen Pläne des Auto1-Milliardärs darf man also gespannt sein.

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