Alles für den Oscar: Diese Schauspieler legten alle Eitelkeit ab - nicht immer mit Erfolg

Ein Oscar zu gewinnen bedeutet nicht nur, eine erstaunliche Leistung zu erbringen. Die Academy belohnt sehr gerne Stars, die sich für ihre Kunst „auf eine Reise“ begeben. Damit Leonardo DiCaprio endlich einen Oscar gewinnen konnte, musste er sich bei Der Rückkehrer einem berüchtigten, zermürbenden Shooting unterziehen. Für Matthew McConaughey war es sein Streben nach Authentizität, das nach Jahren in der Romcom-Wildnis in Dallas Buyers ‘Club belohnt wurde.

Körperliche Veränderungen üben eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf die Jury der Academy aus, und je unkenntlicher ein Schauspieler sich macht, desto wahrscheinlicher ist ihm eine Auszeichnung. Charlize Therons Verwandlung in Aileen Wournos für Monster (2003) ist vielleicht die denkwürdigste Transformation, die ihr eine beneidenswerte Pokalsammlung einbrachte, inklusive dieser begehrten kleinen Goldfigur.

Aber als Gewinntaktik ist die Strategie alles andere als idiotensicher.

Jennifer Aniston – Übersehen

Jennifer Aniston war in Cake alles andere als gewöhnlich.

Ihr dramatischster Versuch, den Geist von Rachel abzuschütteln, kam 2014 mit Cake, in dem sie eine chronische Schmerzpatientin spielte. Fort waren ihr makelloses Haar und Make-up – stattdessen legte sie an Gewicht zu, hatte dunkle Ringe unter den Augen, schockte mit schäbiger Kleidung und falschen Narben. Die glamouröse Jen war verschwunden. Aber als es um die Auszeichnungen ging, erzielte ihr Aussehen gemischte Ergebnisse.

Sie galt als sichere Golden-Globe-Kandidatin, was auch stimmte. Ebenso erhielt sie Anerkennung bei den Screen Actors Guilt Awards – aber es gab keine Oscar-Auszeichnung. Der Pokal für beste Schauspielerin ging in diesem Jahr an Julianne Moore in Still Alice – Mein Leben ohne Gestern, mit einem Minimum an Make-up.

Javier Bardem – Gewonnen

Javiers Friseur? Er selbst.

Von schulterlangen Locken (Goyas Geister) über die Scheitelfrisur (Die Liebe in Zeiten der Cholera) bis zu einem Haarschnitt, der aussah, als hätte er seine Finger in eine Steckdose gesteckt (The Counselor) – Frisuren gehören bei Bardem einfach dazu. Aber keiner bleibt so gut in Erinnerung wie der bizarre Bob, der für die Erschaffung des furchterregenden Anton Chigurh in No Country for Old Men (2007) eine so wichtige Rolle spielte. Hässlichkeit hat sich hier wirklich ausgezahlt.

Er hätte natürlich niemals zugegeben, dass seine scheußliche Frisur – die angeblich von einem Foto aus einem Buch über mexikanische Bordelle inspiriert war- dazu beigetragen hattee, die Auszeichnung als bester Nebendarsteller zu gewinnen. In seiner Rede bezeichnete er sie als „einen der schrecklichsten Haarschnitte der Geschichte”. Noch Jahre später zeigte er sich unnachgiebig und behauptete, dass er „ihnen (den Coens) diesen verdammten Haarschnitt niemals vergeben werde.“ So zeigt sich wahre Dankbarkeit.

Christian Bale Zu kurz gekommen

Christian Bale legte für American Hustle die Pfunde auf – und sich einen Bandscheibenvorfall zu.

Der Mann hat Format. Er verlor unglaubliche 30 Kilo, um sein totenähnliches Aussehen in Der Maschinist zu erreichen, aber für American Hustle (2013) legte er mehr als 20 Kilo zu – alles das Ergebnis seiner bewährten Methode, zu essen, was er will. Mit der Wampe hörte es nicht auf: Er ließ sich einen Bart wachsen und für den vollen Effekt auch noch eine erbarmungswürdige Scheitelfrisur verpassen. Die starke Gewichtszunahme führte bei dem Star sogar zu einem Bandscheibenvorfall. Neben der Oscar-Nominierung zum Besten Schauspieler sowie weiteren Nominierungen für Golden Globe und BAFTA passierte aber nichts – einen Pokal erhielt er nicht.

Es war Matthew McConaugheys Jahr, in dem er sich er sich für den Dallas Buyers Club eine Scheibe von Bale abschnitt und fast 25 Kilo verlor. Doch es war egal. Bale hatte bereits einen Oscar für The Fighter in seiner Vitrine. Ein weiterer ist jetzt vielleicht für Vice – Der zweite Mann drin.

Steve Carell – In den Schatten gestellt

Steve Carell zog für seine Rolle als exzentrischer Millionär in Foxcatcher eine Nasenprothese an.

Carell, der aktuell hinter einem breiten Grinsen in seiner Rolle als Donald Rumsfeld in Vice lauert, wandte sich 2014 von Komödien ab, um den Multimillionär John du Pont in dem seltsamen Film Foxcatcher zu spielen. Tägliche drei Stunden in der Maske machten ihn auf eine fast abstoßende Weise unkenntlich: Eine riesige Nasenprothese und falsche Zähne waren nur der Anfang – angeblich war sein Anblick so abstoßend, dass niemand am Set in seiner Nähe sein wollte. Ein verspäteter Veröffentlichungstermin im Jahr 2014 erhöhte Carrells Chancen auf eine Auszeichnung auch nicht gerade.

Oscar, BAFTA, Globe und SAG nickten ihm alle freundlich zu, aber die Trophäen blieben aus. Er verlor bei den Academy Awards gegen Eddie Redmayne in Die Entdeckung der Unendlichkeit – dieser hatte gerade seine eigene Transformation durchgemacht, jedoch aus anderen Gründen.

George Clooney – Gewonnen, aber zu welchem Preis

Der Cloonster legte die Pfunde zu und gewann für seine Bemühungen einen Oscar.

Der normalerweise geschmeidige und liebenswerte George verwandelte sich für seine Rolle des CIA-Agenten in Syriana (2005) in einen hässlichen und geradezu schmuddeligen Typen. Er ließ sich einen dunklen Bart wachsen und den Haaransatz rasieren – und weil er erst in letzter Minute engagiert worden war, nahm er sogar innerhalb eines Monats 15 Kilo zu, indem er bis zu neun Mahlzeiten am Tag aß. Berichten zufolge hasste er es, soviel zuzunehmen und bezeichnete die Gewichtszunahme anschließend als „ziemlich dumm“ – insbesondere, weil er diese für eine Wirbelsäulenverletzung mitschuldig machte, die er sich während eines Stunts zufügte und die ihn noch einen Monat nach den Dreharbeiten mit Schmerzen und suizidgefährdet ans Bett fesselte.

Auch seine Maniküre verabschiedete sich für die Dauer des Films. Er gewann jedoch den Oscar für besten Nebendarsteller und siegte über seinen Kollegen William Hurt, der für A History of Violence nominiert worden war. Syriana ist Georges einziger Oscar-Gewinn.

Nicole Kidman – Um eine Nasenlänge gewonnen

Nicole Kidman war als Virginia Woolf nicht wiederzuerkennen.

Die Porzellanhaut der zarten und eleganten Kidman verschwand für die Rolle der altbackenen Romanschriftstellerin Virginia Woolf in The Hours (2002) unter Kosmetikschichten, einer dunklen Perücke und einer großen Nasenprothese. Jeden Tag drei Stunden in der Maske zu verbringen, verwandelte sie von Prinzessin in Aschenputtel und verlieh ihr eine gewisse Anonymität, was sie genoss. Es überraschte sie allerdings noch mehr, dass die Zuschauer sie zunächst nicht auf dem Bildschirm wiedererkannten.

Sie hätte sich keine Gedanken darüber machen müssen, da sie in diesem Jahr den Oscar für die beste Schauspielerin von Denzel Washington überreicht bekam, der ihren Sieg als „um eine Nasenlänge“ bezeichnete. Die BAFTAs und Golden Globes waren der gleichen Meinung. Für ihren aktuellen Film Destroyer tritt sie so glanzlos wie nur möglich auf – aber diesmal ist keine Prothese in Sicht.

Melissa Leo – Gewonnen

Melissa Leo verkleidete sich, um Christian Bales Mutter in The Fighter zu spielen.

Der natürliche Rotschopf wurde für ihre Rolle als Boxring-Matriarch in David O Russels The Fighter (2010) blond mit obligatorischen dunklen Wurzeln – sowie mit einem herben Charme ausgestattet. Die Kombination aus Dauerwellen-Perücke, dickem Eyeliner, einer Vorliebe für billigen Schmuck und einer fast ständig zwischen ihren Fingern steckenden Zigarette machte die Wörter „Schick und Glamour“ bedeutungslos, aber ausnahmsweise wurden keine Prothesen eingesetzt.

Leo hat zwar nicht so viel Zeit in der Maske verbracht wie andere, aber es war trotzdem eine bemerkenswerte Leistung, die ihr sowohl einen Oscar als beste Nebendarstellerin als auch einen Golden Globe und einen SAG-Preis einbrachte. Manchmal muss man für die Kunst nicht so sehr leiden.

Rooney Mara – Gegen Streep verloren

Rooney Mara verwandelte sich für David Fincher in einen Cyber-Grufti.

Lisbeth Salander sollte auf keinen Fall attraktiv oder sexy sein – und ganz sicherlich nicht in David Finchers Inkarnation von Verblendung (2011). Rooney Maras fragile Erscheinung wurde mittels eines schwarzgefärbten, verrückten Haarschnitts, gebleichten Augenbrauen, Piercings und jungenhaften Klamotten verändert. Kein Wunder, dass sie nach einem Drehtag die Straße entlanglaufen konnte, ohne erkannt zu werden.

Die Anerkennung kam in Form von Kritiker-Beifall, gefolgt von Oscar- und Golden Globe-Nominierungen. In Wahrheit war sie jedoch immer eine Außenseiterwette und der Academy Award sowie der Globe gingen an Hollywood-Liebling Meryl Streep für ihre Rolle als Die Eiserne Lady. Diese hatte ihre eigene, unverwechselbare Frisur.

Freda Cooper