Diese Oscarverleihung hat Geschichte geschrieben

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Diese Oscarverleihung hat Geschichte geschrieben

Ein Film aus Südkorea gewinnt vier Oscars, Brad Pitt macht politische Witze, und ein großer Favorit geht leer aus: So war die Verleihung der 92. Academy Awards.

Diese Oscarverleihung wird in die Geschichte eingehen: Der südkoreanische Beitrag "Parasite" ist der große Gewinner des Abends, ausgezeichnet nicht nur für das beste Originaldrehbuch, die beste Regie und als bester internationaler Film - erstmals wurde mit dem Drama aus Südkorea auch ein nicht englischsprachiges Werk zum besten Film des Jahres gekürt. Im Jahr zuvor war das dem Favoriten "Roma" noch nicht gelungen, nun bewies der 1969 in der Stadt Daegu geborene Regisseur Bong Joon-ho: Auch ein Film, der nicht auf Englisch gedreht wurde, kann in der Königskategorie abräumen.

Im Vorfeld der diesjährigen Academy Awards war viel darüber diskutiert worden, dass die wichtigsten Filmpreise der Welt noch immer von weißen Männern dominiert werden würden - so war keine einzige Frau unter den nominierten Regisseuren. Der Durchmarsch von "Parasite" zeigt nun aber, dass offenbar auch die Academy dazugelernt hat und durchaus bereit ist, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken. Regisseur Bong zeigte sich am Abend überwältigt von seinen vier Oscars, konnte selbst offenbar kaum glauben, was da geschah. In seiner vierten Dankesrede des Abends, als er den Preis für den besten Film in Empfang nahm, zitierte der Filmemacher seinen Kollegen Martin Scorsese: "Als ich jung war und Film studierte, gab es einen Spruch, der sich tief in mein Herz eingeschrieben hat: Das Persönlichste ist das Kreativste", so Bong.

Begonnen hatte der Abend im Dolby Theatre in Los Angles mit einer Premiere: Erstmals konnte Brad Pitt einen Oscar entgegennehmen. Der Schauspieler wurde als bester Nebendarsteller für seine Rolle in Quentin Tarantinos "Once Upon A Time In Hollywood" ausgezeichnet. Seine Dankesrede nutzte Pitt für eine politische Botschaft: Er bekomme mehr Redezeit als John Bolton im Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Trump, scherzte der 56-Jährige auf der Bühne. Bolton sollte auf Wunsch der Demokraten als Zeuge vor dem Senat aussagen, die Republikaner lehnten das mehrheitlich jedoch ab. Auch für seinen Co-Star Leonardo DiCaprio, der ohne Preis nach Hause gehen musste, hatte Pitt ein paar Worte: "Leo, ich schwimme gerne jederzeit auf deiner Erfolgswelle mit. Die Aussicht ist fantastisch."

"The Irishman" geht leer aus

Bei den Frauen konnte Laura Dern für ihre Leistung im Netflix-Drama "Marriage Story" einen Oscar als beste Nebendarstellerin im Empfang nehmen. In einer berührenden Ansprache dankte Dern ihren Eltern, Diana Ladd und Bruce Dern, und auch für den Streaminganbieter, der das Scheidungsdrama produziert hatte, hatte Dern freundliche Worte parat: "Vielen Dank, Netflix!" Für Laura Dern war es ebenfalls der erste Oscar - wie Brad Pitt war auch sie als Favoritin ins Rennen um die diesjährigen Preise gegangen.

Ebenfalls keine Überraschung war, dass Renée Zellweger für ihre Darstellung der Judy Garland im Biopic "Judy" mit dem Oscar als beste Hauptdarstellerin geehrt wurde. Ein Hollywood-Film über einen Hollywood-Star - der Academy gefallen solche Stoffe. Für die 50-jährige Zellweger ist es (nach "Unterwegs nach Cold Mountain", 2004) schon der zweite Oscar. Seinen bislang ersten Goldjungen hingegen erhielt Hauptdarsteller Joaquin Phoenix für seine Titelrolle in der düsteren Comicverfilmung "Joker". Phoenix, der in den letzten Wochen häufig über seinen sehr jung verstorbenen Bruder gesprochen hatte, erwähnte River Phoenix nun auch in seiner Dankesrede, sprach außerdem über Veganismus, eines der Lieblingsthemen des 45-Jährigen.

Das Mafia-Drama "The Irishman", mit zehn Nominierungen einer der Favoriten des Abends, ging dagegen komplett leer aus. Aber auch die anderen Favoriten mussten sich mit wenigen Preisen begnügen. So erhielt das Kriegsdrama "1917" trotz zehn Nominierungen nur drei Preise (beste Kamera, bester Ton, beste visuelle Effekte), auch "Once Upon A Time In Hollywood" konnte nur zwei seiner zehn Nominierungen vergolden (neben Brad Pitt als bester Nebendarsteller wurden Barbara Ling und Nancy Haigh für das beste Szenenbild ausgezeichnet). "Joker" hatte im Vorfeld die meisten Nominierungen erhalten - elfmal stand der Film auf der Nominierungsliste -, konnte nun aber nur zwei Oscars gewinnen. Außer Hauptdarsteller Joaquin Phoenix stand auch Hildur Gudnadóttr auf der Bühne in Los Angeles, um den Preis für die beste Filmmusik entgegenzunehmen.

Alle Gewinner im Überblick

Bester Film: "Parasite"

Bester Hauptdarsteller: Joaquin Phonix ("Joker")

Beste Hauptdarstellerin: Renée Zellweger ("Judy")

Bester Nebendarsteller: Brad Pitt ("Once Upon A Time In Hollywood")

Beste Nebendarstellerin: Laura Dern ("Marriage Story")

Beste Regie: Bong Joon-ho ("Parasite")

Bester internationaler Film: "Parasite"

Bester Animationsfilm: "A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando"

Bestes adaptiertes Drehbuch: Taika Waititi ("Jojo Rabbit")

Bestes Originaldrehbuch: Bong Joon-ho und Han Jin-won ("Parasite")

Beste Kamera: Roger Deakins ("1917")

Bestes Szenenbild: Barbara Ling und Nancy Haigh ("Once Upon A Time In Hollywood")

Bestes Kostümdesign: Jacqueline Durran ("Little Women")

Beste Filmmusik: Hildur Gudnadóttir ("Joker")

Bester Filmsong: "(I'm Gonna) Love Me Again" aus "Rocketman" (Elton John und Bernie Taupin)

Bestes Make-up und Haarstyling: Vivian Baker, Kazu Hiro und Anne Morgan ("Bombshell")

Bester Schnitt: Andrew Buckland und Michael McCusker ("Le Mans 66")

Bester Tonschnitt: Donald Sylvester ("Le Mans 66")

Bester Ton: Mark Taylor und Stuart Wilson ("1917")

Beste visuelle Effekte: Greg Butler, Guillaume Rocheron und Dominic Tuohy ("1917")

Bester animierter Kurzfilm: "Hair Love"

Bester Kurzfilm: "The Neighbor's Window"

Bester Dokumentarfilm: "American Factory"

Bester dokumentarischer Kurzfilm: "Learning to Skateboard in a Warzone (If You're a Girl)"