Warum diese Last-Minute-Transfers voll durchstarten

Marcel Bohnensteffen

Die Bundesliga hat so teuer eingekauft wie nie zuvor. In der Länderspielpause kamen noch mal einige namhafte Last-Minute-Transfers hinzu. 

Am Wochenende stehen die Neuzugänge zum ersten Mal in der Bundesliga im Blickpunkt. SPORT1 wagt eine Prognose, wer zum Überflieger und zum Spätstarter wird. 

Andrey Yarmolenko (Borussia Dortmund)


Dortmunds teuerster Neuzugang in diesem Sommer. Spielt laut seinem Berater nur beim BVB, weil Ousmane Dembele den Absprung machte. 

25 Millionen Euro für einen Platzhalter? Yarmolenko ist mehr als das. "Andrey hat mehr Erfahrung als Dembele, hat in der Nationalmannschaft gespielt, in der Champions League und in der Europa League", sagt Landsmann Andrey Voronin, früherer Bundesliga-Star von Bayer Leverkusen, bei SPORT1. "Andrey ist ein zielstrebiger Stürmer mit Zug zum Tor. Er hat bei Dynamo (Kiew) immer seine Tore gemacht."

Die Nachteile des 1,89-Meter-Manns: Er kommt in ein neues Land, muss eine Sprache von Grund auf erlernen.

SPORT1-Prognose: Startet im zweiten Anlauf durch. Braucht eine Eingewöhnungsphase, wird dann eine wertvolle Alternative, wenn die zweite Phase der englischen Wochen ansteht. 

Lucas Alario (Bayer Leverkusen)

Hat noch nicht für Bayer gespielt, sorgt dennoch bereits für Ärger. Ex-Verein River Plate zweifelt die Rechtmäßigkeit seiner Ausstiegsklausel (19 Millionen Euro) an, will den Wechsel nach Leverkusen noch verhindern. 

Gibt es bis 15. September keine Einigung, ist der Mittelstürmer automatisch für seinen neuen Klub spielberechtigt. Trainer Heiko Herrlich sagt: "Er ist technisch sehr stark, wir freuen uns auf ihn."

SPORT1-Prognose: Hat das Zeug zum Überflieger. Bayer erhofft sich Tore, wenn's geht möglichst viele. Vielleicht schon gegen Freiburg (17.9.). Spätestens dann soll der 24-Jährige sein Debüt geben.

Kevin Kampl (RB Leipzig)


Für den Techniker hat der Vize-Meister seine straffe Transfer-Politik gelockert. RB erhofft sich internationale Erfahrung, die einem Champions-League-Neuling nie schaden kann.

Sportdirektor Ralf Rangnick, der Kampl schon zu RB Salzburg gelotst hat, nennt ihn einen "anarchischen Unterschiedsspieler". Noch Fragen, warum RB 20 Millionen Euro für einen 26-Jährigen locker macht?

SPORT1-Prognose: Ist dazu verpflichtet, sofort zum Leistungsträger aufzusteigen. Ansonsten melden sich schnell jene Kritiker zu Wort, denen Kampls Unbeständigkeit schon in Leverkusen ein Ärgernis war.

Divock Origi (VfL Wolfsburg)

Hat in Liverpool die Schule von Jürgen Klopp durchlaufen. Allein das qualifiziert ihn für Wolfsburg. Soll den Beinahe-Absteiger gemeinsam mit Mario Gomez in andere Tabellengefilde führen. 

Sein Problem: Bei den Wölfen laufen verheißungsvolle Neuzugänge grundsätzlich Gefahr, sich schnell dem Niveau der Allgemeinheit anzupassen. Das zeigt die Erfahrung der letzten Jahre.

SPORT1-Prognose: Kann Überflieger werden - aber auch als Luftnummer enden. Hat sich zur Sicherheit einen Fluchtweg offen gelassen: Kann als Leihspieler im schlimmsten Fall schnell zurück zu Klopp.

Jeremy Toljan (Borussia Dortmund)


Wurde im Sommer in halb Europa als Neuzugang gehandelt, landete schließlich beim BVB. Für Hoffenheim ein schmerzlicher Verlust, für Dortmund ein Geschenk des Himmels. In der geplagten Außenverteidigung findet sich immer irgendwo eine Position, auf der der U21-Europameister seine Einsätze haben wird.

SPORT1-Prognose: Hat nicht nur das Zeug zum Überflieger, wird das in Dortmund mit ziemlicher Sicherheit auch werden - und zwar beizeiten. Nicht wenige bescheinigen ihm schon heute höheres Niveau als Schmelzer und Piszczek. Vielleicht sehr bald ein Mann für Löw.

Felix Passlack (1899 Hoffenheim)

Wird im Gegenzug zu Toljan nach Hoffenheim verliehen. Nächster Karriereschritt Nagelsmann - es gibt schlimmere Schicksale. Will vielleicht irgendwann zurück zum BVB. Muss sich vorsehen, dass sein Platz dann nicht schon vereinnahmt worden ist - von Toljan zum Beispiel.

SPORT1-Prognose: Wird zwischen Bundesliga und Europa League irgendwo seinen Platz finden in der Stammelf. Zum absoluten Leistungsträger fehlt noch ein bisschen was.

Ishak Belfodil (Werder Bremen)

Vielleicht der überraschendste Name in dieser Liste, womöglich aber auch der wichtigste. Irgendeiner muss ja noch Tore schießen für Werder. Max Kruse kann nicht alles allein machen.

Aron Johannsson hat wenig Nennenswertes zustande gebracht, Johannes Eggestein (19) soll sich noch ohne ganz großen Druck entwickeln - also ruhen die Bremer Hoffnungen auf dem Leihspieler aus Lüttich. 

SPORT1-Prognose: Droht zum Fehleinkauf zu werden. Bundesliga-Abstiegskampf ist nicht jedermanns Sache. Und in Claudio Pizarros Fußstapfen passen auch die wenigsten...

Jadon Sancho (Borussia Dortmund)


Ist erst 17, wird aber schon als neues Wundertalent gehandelt. Kommt auf Leihbasis von Manchester City, dem Klub, bei dem Pep Guardiola Trainer ist. 

Was aus dessen Talenten werden kann, weiß man spätestens seit seiner Zeit beim FC Bayern. Das muss aber nichts über Sancho aussagen - und schon gar nicht über den BVB. Der will den 1,78-Meter-Tempodribbler behutsam aufbauen, genau wie Mini-Zlatan Alexander Isak.

SPORT1-Prognose: Eher einer für die Zukunft. Soll Erfahrungen sammeln. Vielleicht auch noch im nächsten Jahr. Und selbst wenn Sancho zum Spätzünder würde: Genau so führt man Talente an die Bundesliga heran. 

Panagiotis Retsos (Bayer Leverkusen)

Erschien zu seiner Vorstellung in Strumpfhose. Die Ärzte hatten ihm zu diesem Outfit geraten, um sein lädiertes Knie nicht übermäßig zu belasten. 

Überhaupt hat der 19-Jährige seinen Bundesliga-Vertrag einer Empfehlung zu verdanken. Landsmann Kyriakos Papadopoulos schwärmte ihm von Leverkusen vor. Bei Bayer werden sie hoffen, dass Retsos die Lücke schließen kann, die seit Papadopoulos' Weggang in der Abwehr klafft. 

SPORT1-Prognose: Aus der Strumpfhose in die erste Elf, das wird ein langer Weg. Sollte Retsos überhaupt jemals durchstarten, dann nur mit Verzögerung.