Nein, diese Läden in Prag haben ukrainischen Geflüchteten nicht den Eintritt verboten

Seit Ende Mai haben User Fotos zweier Läden im tschechischen Prag im Netz verbreitet, die zeigen sollen, wie einige Geschäfte ukrainischen Geflüchteten den Eintritt verbieten. An den Fenstern der Läden seien entsprechende Schilder angebracht worden. Grund dafür sei angeblich das schlechte Verhalten und wiederholter Diebstahl der Geflüchteten. Die Fotos der Läden wurden allerdings manipuliert und von einer tschechischen Zeitung verbreitet, die sich mittlerweile dafür entschuldigte. Auch die Ladenbesitzer dementierten die Behauptungen in Interviews.

Dutzende Nutzerinnen und Nutzer haben die Behauptung zu den Prager Geschäften auf Facebook verbreitet. Hunderte sahen entsprechende Beiträge auf Twitter, Hunderttausende auf Telegram. Am Morgen des 26. Mai 2022 wurden die Fotos auf dem englischsprachigen Telegram-Kanal "Intel Slava Z" veröffentlicht, ein Kanal, der pro-russische Meldungen teilt. Bis Anfang Juni tauchte die Behauptung in zahlreichen Sprachen auf, darunter Tschechisch, Rumänisch, Litauisch, Französisch und Russisch. Auf Polnisch überprüfte AFP bereits eine ähnliche Behauptung.

Die Behauptung: In einem Beitrag werden zwei Fotos von Läden in der tschechischen Hauptstadt Prag geteilt. Zu sehen sind an den Schaufenstern angebrachte Schilder in den Farben der ukrainischen Flagge. Angeblich heiße es auf den Schildern: "Ukrainern ist der Eintritt verboten". Die Ladenbesitzer hätten als Grund für die Aushänge das schlechte Benehmen der Geflüchteten und den ständigen Diebstahl angegeben.

Facebook-Screenshot der Behauptung: 09.06.2022

Seit der russischen Invasion in der Ukraine am 24. Februar 2022 kursieren zahlreiche Falschmeldungen in sozialen Netzwerken im Zusammenhang mit dem Krieg. AFP sammelt Faktenchecks zu falschen oder irreführenden Behauptungen zum Ukraine-Krieg hier. Immer wieder werden auch Geflüchtete aus der Ukraine Ziel von Desinformation. AFP widerlegte in der Vergangenheit bereits die Behauptung, ukrainische Geflüchtete hätten einen russischsprachigen Teenager in Euskirchen getötet oder ein Haus in Brand gesteckt.

Woher stammen die Fotos?

Die auf den Bildern dargestellten Läden lassen sich über eine Suche nach entsprechenden Namen und Bildhinweisen in Kartendiensten ausfindig machen. In beiden Fällen handelt es sich tatsächlich um Bekleidungsgeschäfte in Prag, wie anhand der im Bild zu sehenden Hausfassaden, Fußwegen und Adressen mit Aufnahmen auf Google Maps abgeglichen werden kann. Die gezeigten Geschäfte "Punčocháče Karlín" und "Inside" befinden sich im Prager Stadtteil Karlín.

Die Fotos der angeblichen Schilder sollen von dem tschechischen Portal "Prague Morning" auf Twitter verbreitet worden sein, wie die französische Nachrichtenseite "France24" und die tschechische Nachrichtenseite "iDNES" berichteten. Mittlerweile ist der Tweet aber gelöscht. Prague Morning veröffentlichte noch am 26. Mai eine Entschuldigung für das Posting, nachdem User es als Fake identifizierten. Die Bilder seien zuvor von einem Leser zugesandt worden. Der Beitrag sei ein "Fehler" gewesen.

Geschäfte dementieren die Echtheit der Bilder

Auch die gezeigten Geschäfte dementierten die Echtheit der Bilder. "Punčocháče Karlín" veröffentlichte einen Beitrag auf Facebook, in dem es heißt, das Foto sei gefälscht und alle Menschen seien willkommen. Dazu teilte das Geschäft das Bild seines Ladeneinganges, auf dem kein Eintrittsverbot für Ukrainerinnen und Ukrainer zu sehen ist. Stattdessen hängt dort lediglich Werbung für den Online-Shop des Ladens.

Der tschechische Sender "Televize Seznam" besuchte die Geschäfte zudem selbst. Die Mitinhaberin des Ladens "Inside", Lenka Vrzalová, erklärte in einem Interview gegenüber dem TV-Sender, die Behauptungen seien Unsinn. "Ich habe erst morgens davon erfahren, als ein Kunde zu mir kam und es mir sagte."

Auch der Inhaber von "Punčocháče Karlín", Abdel Fattah Salah, bestritt die Vorwürfe gegenüber dem Sender erneut. "Wir haben hier viele Ausländer und mir ist es egal, ob sie russisch oder ukrainisch sind. Das ist nie passiert, das Bild wurde wahrscheinlich bearbeitet." Salah habe zudem eine Beschwerde bei der Polizei eingereicht.

Auch die tschechische Nachrichtenseite "Aktuálně" gab an, mit Vrzalová und Salah gesprochen zu haben. Diese hätten dort ebenfalls die Echtheit der Fotos dementiert.

Fazit: Die auf den Fotos zu sehenden Geschäfte in Prag hatten keine Schilder angebracht, die ukrainischen Geflüchteten den Eintritt verbaten. Das tschechische Portal “Prague Morning” löschte einen entsprechenden Beitrag und entschuldigte sich. Die Inhaber der Geschäfte dementieren die online verbreiteten Behauptungen.

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