Diese Folgen könnte Trumps Abschottungspolitik haben

Ifo-Wissenschaftler haben drei Protektionismus-Szenarien untersucht. Das Ergebnis: Unter Trumps Abschottung leiden vor allem die USA.


Mit seiner Ankündigung, pauschale Steuern auf Stahl- und Aluminiumimporte in die USA zu erheben, hat Trump seine politischen Verbündeten erschüttert. Wenn es nach dem US-Präsidenten geht, sollen Stahl- und Aluminiumeinfuhren in die USA ab Ende März mit jeweils 25 Prozent (Stahl) und zehn Prozent (Aluminium) besteuert werden.

Die Maßnahmen stoßen nicht nur bei Politikern, sondern auch bei Ökonomen auf Kritik. So würden die Strafzölle der USA nach Ansicht des Ifo-Instituts klar gegen die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO), verstoßen, teilte das Institut am Freitag mit: Die EU müsse nun ihrerseits „entschieden mit Vergeltungszöllen reagieren, die auch durch die WTO erlaubt sind“, kommentierte Gabriel Felbermayr´, Leiter des Zentrums für Außenwirtschaft.

Parallel dazu veröffentlichten die Wissenschaftler der Ifo-Forschungseinrichtung Center for Economic Research (CES) eine Studie zu den Auswirkungen von Trumps Politik auf die Wirtschaft der USA und seiner Handelspartner. Ihre Ergebnisse legen nahe, dass die weitere handelspolitische Abschottung der USA vor allem den USA selbst schaden würde.


So könnten – je nach Politikszenario – aufgrund von Gegenmaßnahmen der Handelspartner die US-Exporte in andere Partnerstaaten der Welthandelsorganisation um bis zu 73 Prozent sinken. Auch hätte Trumps „America First“-Handelspolitik negative Auswirkungen auf US-Löhne, das Beschäftigungsniveau sowie auf die Produktivität einzelner Sektoren.

Die Forscher nahmen insgesamt drei mögliche Szenarien der Protektionismus-Politik der USA unter die Lupe – auf alle drei hat Donald Trump in seinen Reden hingewiesen:

1) Die Auflösung der Nafta

Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen regelt die Handelsbeziehungen zwischen Kanada, USA und Mexico und ist seit 1994 in Kraft. Der US-Präsident hat das Freihandelsabkommen kritisiert: „Wir haben große Handelsdefizite mit Mexico und Kanada“, twitterte der US-Präsident am 5. März. Nafta sei für die USA ein schlechter Deal gewesen und werde deshalb neu verhandelt.

Das erste Szenario der Ifo-Wissenschaftler betrachtet die Situation, die entsteht, wenn nun wieder Zölle zwischen den teilnehmenden Ländern eingeführt würden. Das Ergebnis: Die USA stehen als Verlierer da. So würden die Exporte in der Vereinigten Staaten in die zehn Länder, die entweder direkt oder indirekt von Nafta derzeit profitieren, rund 3,5 Prozent einbrechen. Umgekehrt würden die Länder nur 2,8 Prozent weniger als derzeit in die USA exportieren.


Allerdings sind die Auswirkungen auf einzelne Partnerstaaten zum Teil drastisch. So würden Kanadas US-Exporte um mehr als ein Fünftel einbrechen, sollte Nafta nicht mehr gelten. Umgekehrt würden die US-Exporte nach Kanada um elf Prozent abnehmen.

Auch auf Drittstaaten wie Deutschland würde das Ende von dem Freihandelsabkommen eine Auswirkung haben. Zum einen könnte die Nachfrage der Nafta-Staaten durch den Protektionismus zurückgehen. Zum anderen könnten die an Nafta unbeteiligten Staaten nun die Nachfrage der USA dort bedienen, wo sie ehemals durch Nafta-Partner bedient wurde: „Beispielsweise könnte die deutsche Automobilbranche die ursprüngliche US-Nachfrage aus Kanada oder Mexiko ersetzen“, schreiben die Forscher.

2) Einführung von Strafzöllen

Auch das Szenario der Importzölle, die Trump offenbar bereit ist, einzuführen, haben die Ifo-Wissenschaftler durchgespielt – allerdings in einem noch drastischeren Szenario als in der Realität. So haben sie angenommen, dass die USA beschließen, Zölle auf alle gehandelten Güter um 20 Prozent zu erhöhen, woraufhin auch die übrigen WTO-Handelspartner Zölle auf Güterimporte um 20 Prozent erhöhen.

Auch in diesem Szenario verlieren die USA durch ihren Protektionismus. So würden sich allein durch die Einführung der Zölle und durch die protektionistischen Gegenmaßnahmen die US-Importe für die zehn wichtigsten Handelspartner der USA um rund 39 Prozent verringern. Umgekehrt würden die Partner rund 30 Prozent weniger in die USA exportieren als im Ausgangsszenario.


Berücksichtigt man die Wirkung so genannter nichttarifärer Handelshemmnisse auf die Handelspolitik, sieht das Bild noch drastischer aus: Dann würden die US-Exporte in die Partnerstaaten um satte 73 Prozent zurückgehen, während die Importe der Partner in die USA um rund 59 Prozent sinken würden.

Die nichttarifären Handelshemmnisse umfassen Maßnahmen, die zwar dem Schutz bestimmter Marktbranche dienen, jedoch keine Zölle sind – also zum Beispiel Umweltvorschriften oder Vorschriften zum Arbeiterschutz bestimmter Branchen.

Seit 2009 hat sich die Anzahl nichttarifärer Handelshemmnisse der USA gegenüber ausländischen Unternehmen ungefähr verneunfacht. Waren zu Beginn der ersten Amtszeit Barack Obamas 2009 gerade einmal 129 solcher diskriminierender Maßnahmen vorhanden, sind es heutzutage satte 1191.

Das heißt: Die USA haben eine protektionistische Wende schon lange vor Trumps Amtszeit vollzogen. Allerdings hebt die Ankündigung der Strafzölle die US-Protektionismuspolitik auf ein neues Level.

3) Einführung einer Grenzsteuer (Border Tax Adjustment)

Diese Maßnahme würde dazu führen, dass Exporte für Unternehmen steuerlich absetzbar würden, während Importe versteuert werden müssten. Somit würden vor allem die Konsumenten von Importgütern die Steuerlast tragen. Insgesamt hat diese Maßnahme eine vergleichsweise geringe Wirkung auf die US-Exporte – diese würden um 5,8 Prozent zurückgehen. Auf die Partnerländer hätte die Maßnahme eine noch geringere Auswirkung. Deren Exporte in die USA würden sich um 4,7 Prozent verringern.

Einzelne Sektoren leiden besonders stark

Neben der Auswirkung der protektionistischen Grundszenarien auf den Handel insgesamt haben die Forscher auch deren Auswirkungen auf die einzelnen Sektoren untersucht. Das Ergebnis: Zölle würden den einzelnen Branchen am meisten schaden. So würde der US-Fahrzeugsektor Verluste in Höhe von 27 Prozent erleiden, sollten die US-Handelspartner Strafzölle als Vergeltungsmaßnahme gegenüber den USA einführen.


Und: Nicht nur die Unternehmen würden unter den Zöllen leiden, sondern auch Beschäftigte. So könnten im Falle der Einführung von Strafzöllen die Reallöhne in den USA um bis zu 2,3 Prozent sinken.

Die Empfehlung der Ifo-Wissenschaftler ist klar: „Zusammenfassend ergibt sich die klare Politikempfehlung, dass die USA die angekündigte protektionistische Handelspolitik im eigenen Interesse nicht weiterverfolgen sollten.“