Diese Filme veränderten Hollywood für immer

Victoria Timm
Freie Autorin für Yahoo Kino
„Unsane – Ausgeliefert“ wurde nur mit dem iPhone gedreht. (Bild: Twentieth Century Fox)

Das Smartphone als Filmkamera – Kinopionier Steven Soderbergh zeigt mit dem Psychothriller „Unsane“, wie gut das funktioniert. Zum Kinostart des Films am 29. März werfen wir einen Blick zurück auf jene Filme, die bahnbrechend für Hollywood waren und das Filmemachen für immer verändert haben.

Ben Falk
UK Movies Contributor

„Unsane – Ausgeliefert“: Komplett mit iPhone gedreht

(Bild: Twentieth Century Fox)

Steven Soderbergh zementiert seinen Ruf als Independent-Regisseur in Hollywood. Der einstige „Ocean’s“-Erfolgslieferant hat sich vom Studiosystem abgewandt und sucht nach neuen Formen des innovativen Filmemachens. „Unsane – Ausgeliefert“ ist das aktuelle Beispiel. Soderbergh filmte den Thriller mit „The Crown“-Star Claire Foy komplett auf dem iPhone 7 Plus. Er hatte früh die aufregenden Möglichkeiten der Digitalisierung erkannt. Die Kosten für aufwendige Filmtechnik entfallen und mittlerweile überzeugt die Qualität. „Das verändert alles für mich“, sagte Soderbergh dem Online-Magazin „IndieWire“. „Ich glaube, dies ist die Zukunft.“ In „Unsane – Ausgeliefert“ wird eine junge Frau gegen ihren Willen in die Psychiatrie eingewiesen. Ihr kommt ein schrecklicher Verdacht: Ist ihr Stalker einer der Pfleger?

„Julia and Julia“ – der erste digital gedrehte Spielfilm

(Bild: Rex Features)

Dieses Drama aus dem Jahr 1987 mit Sting und Kathleen Turner ist kaum beachtenswert – würde es nicht weithin als der erste digital gedrehte Film gelten. Zur damaligen Zeit war das „Sony HDVS“-System revolutionär. Es musste auf 35-mm-Film übertragen werden, damit die herkömmlichen Projektoren es abspielen konnten.

„Ekstase“ – die erste Sexszene

(Bild: Rex Features)

Nacktszenen gab es schon vorher. Doch dieser 1933 veröffentlichte Film mit dem Wiener Kinostar Hedy Lamarr bannte erstmals Geschlechtsverkehr auf die Leinwand – wenn auch nur die Gesichter der Darsteller zu sehen waren. Mehr noch: Lamarr wurde sogar während des Orgasmus gezeigt. Damit hält sich Hollywood heutzutage selten auf. Liebesszenen aber sind über 80 Jahre später nicht mehr aus Filmen wegzudenken.

„Star Trek II: Der Zorn des Khan“ – erste komplett computeranimierte Szene

(Bild: Paramount)

1982 war Hollywood die Computeranimation noch suspekt und das Expertenteam bei George Lucas’ Technikschmiede Industrial Light & Magic (ILM) unterbeschäftigt. Mit dieser kurzen Sequenz im zweiten „Star Trek“-Kinofilm konnte die Computer-Grafik-Gruppe endlich beweisen, was sie draufhatte. Die 60 Sekunden lange Szene zeigt, wie ein Planet durch Terraforming verändert wird. 1986 machten sich die CGI-Pioniere von ILM unabhängig. Der neue Name der Firma: Pixar. Hauptinvestor: Apple-Gründer Steve Jobs.

„The Pleasure Seekers“ – erster Trailer

(Screenshot: Yahoo Movies)

Der erste Kinotrailer ist dem Theater zu verdanken. Nils Granlund, Marketingchef einer US-Theaterkette, schnitt 1913 einen Werbefilm für das Broadway-Musical „The Pleasure Seekers“ zusammen. Im Jahr darauf warb Granlund für Charlie Chaplins neuen Film ebenfalls mit einem Trailer: Der Kinotrailer, wie wir ihn kennen, war geboren.

„Die irre Heldentour des Billy Lynn“ – erster Film mit 120 Bildern pro Sekunden

(Bild: Sony Pictures / TriStar Pictures)

Ang Lees Drama aus dem Jahr 2017 mag zwar an den Kinokassen gefloppt sein. Seine Machart aber war wahrlich revolutionär. Es war der erste Spielfilm, der je mit 120 Bildern pro Sekunde gedreht wurde. Üblich ist eine Rate von 24 Bildern pro Sekunde. Lee drehte zudem in 3D und 4k (Ultra HD), was sein Werk extrem realitätsnah aussehen ließ. Nur eine Handvoll Kinos weltweit konnten den Film in der Ursprungsfassung zeigen. Das war vielleicht ein Segen, denn viele Kritiker straften den Look des Films als zu künstlich ab.

„Kein Mord von der Stange“ – erste menschliche CGI-Figur

(Bild: The Ladd Company)

Digitale Charaktere können ein Hit (Gollum) oder ein Flopp (Jar Jar Binks) sein. Dieser Thriller (1981) von Bestsellerautor Michael Crichton („Jurassic Park“) über einen Schönheitschirurgen löste den Trend aus. In „Kein Mord von der Stange“ ist die erste CGI-Version einer Figur – hier ein von Susan Dey gespieltes Fotomodell – zu sehen. Dazu wurde ein menschlicher Körper gescannt und von einem Computer digital zusammengefügt.

„Der Jazzsänger“ – erster Tonfilm in Spielfilmlänge

(Bild: Rex Features)

Dieser Film aus dem Jahr 1927 läutete das Ende der Stummfilmära ein. Zuvor hatten nur Kurzfilme das neue Format mit synchronisiertem Ton gewagt. Für Al Jolsons Musical wurden die Gesangsszenen und einige Dialoge live am Set aufgezeichnet. „Der Jazzsänger“ ist zudem berühmt-berüchtigt für einige „Blackface“-Szenen, in denen sich die Hauptfigur mit schwarz angemaltem Gesicht als Afroamerikaner ausgibt.

„Hearts in Dixie“ – erster Hollywoodfilm nur mit schwarzen Schauspielern

(Bild: Rex Features)

Das 1929 veröffentlichte Musical gilt als der erste Hollywoodfilm mit nur afroamerikanischen Darstellern. Es erzählt die Geschichte einer Familie in den US-Südstaaten. Der Großvater will seinem Enkel eine bessere Zukunft ermöglichen. Er schickt den Jungen am Ende des Films in die Ferne, um zur Schule zu gehen. Bürgerrechtler fanden im Gegensatz zu ähnlichen Produktionen der Zeit durchaus lobende Worte für das Musical.

„Westworld“ – erste 2-D-Computeranimation in einem Hollywoodfilm

(Bild: MGM)

Und noch einmal Michael Crichton: Der Autor verfilmte sein eigenes Drehbuch – und lieferte damit die Vorlage für die aktuelle HBO-Kultserie. In dem 1973 angelaufenen Drama mit Yul Brunner als Roboter sehen die Zuschauer diese Infrarotaufnahme eines Mannes. Es war die erste 2-D-Computergrafik, die in einem Hollywoodfilm gezeigt wurde. Verantwortlich hierfür war die Spezialeffektefirma Triple-I. Später war sie auch am bahnbrechenden Disney-Film „Tron“ (1982) beteiligt.

„Asphalt-Cowboy“ – erster X-rated Film gewinnt Oscar als bester Film

(Bild: Rex Features)

Ende der 1960er Jahre wurden alle Filme, die wegen Sex oder Gewalt als für Kinder ungeeignet bewertet wurden, mit der Freigabe X versehen. Der Film mit Dustin Hoffman (r.) und Jon Voight erhielt das berüchtigte Siegel wegen „homosexueller Anspielungen“. Nichtsdestotrotz gewann das Drama 1969 den Oscar als bester Film. Dieser Erfolg half dabei, den Weg für realistische, aufgeschlossene Filme der New-Hollywood-Ära wie „Der Pate“ oder „Einer flog über das Kuckucksnest“ zu ebnen.