Diese Festgeldkonten bieten noch Zinsen

Wer Geld zu festen Zinsen aufs Konto legen möchte, darf nicht viel erwarten. Dennoch gibt es für Festgeld noch mehr als auf dem Sparkonto.

Auf die Europäische Zentralbank (EZB) brauchen Sparer vorerst nicht zu hoffen. Zwar rechnen Ökonomen damit, dass die Notenbanker der Euro-Zone Ende 2018 aufhören, Anleihen aufzukaufen – bislang pumpen sie allerdings noch Milliarden billiger Euros in den Markt, um die Konjunktur zu stützen. Doch ihren Leitzins dürften Mario Draghi und Kollegen auch Mitte Juni bei ihrer Sitzung zum geldpolitischen Kurs im lettischen Riga bei null lassen. Vor Mitte 2019 erwarten Volkswirte keine Erhöhung.

Und damit sehen auch Banken und Sparkassen keinen Grund, ihre extrem niedrigen Zinssätze für Kapital auf Konten anzuheben. Trotzdem macht es für Sparer Sinn, Konditionen zu vergleichen. Auch auf niedrigem Niveau gibt es Unterschiede.

„Auf absehbare Zeit bleibt die Situation mau für Sparer“, erwartet Sigrid Herbst von der Frankfurter FMH-Finanzberatung. Denn der Leitzins der EZB bildet für Geldinstitute die Grundlage für Zinsen, die sie ihren Kunden zahlen. Und weil sich dort vorerst nichts bewegen dürfte, können Sparer ihr Kapital getrost für ein halbes oder ein Jahr festlegen, wenn sie mit einen bestimmten Zinssatz kalkulieren möchten.


Dennoch schadet ein Blick auf die Angebote der verschiedenen Banken nicht: „Sparer können wählen zwischen wenig und nichts“, fasst Herbst von FMH trocken zusammen. Mit dem Handelsblatt-Festgeld-Rechner können Sparer Angebote vergleichen.

Im Durchschnitt zahlen Banken und Sparkassen gerade mal 0,19 Prozent für Festgeld über ein Jahr, wie die Übersicht der von FMH beobachteten Anbieter zeigt. Viele Geldhäuser bieten solche Konten gar nicht mehr an – vor allem Sparkassen und Volksbanken sparen sich diese Angebote ganz, wie Herbst feststellt.

Noch weniger bekommen Sparer allerdings auf Sparkonten: Der Zins für klassische Sparbücher liegt inzwischen im Durchschnitt bei homöopathischen 0,02 Prozent. Mit „klassisch“ sind Sparkonten mit dreimonatiger Kündigungsfrist gemeint, von denen die Inhaber monatlich 2000 Euro frei abheben können.

Legen Sparer ihr Geld dagegen auf ein Festgeldkonto, bringt das ein wenig mehr. Bei der deutschen Tochter der türkischen Akbank bekommen Kunden für Festgeld über ein Jahr 0,75 Prozent und für sechs Monate 0,5 Prozent pro Jahr (siehe Tabelle). Die estnische Big Bank, die österreichische Tochter der russischen Sberbank, Denizbank, und die österreichische Tochter der türkischen Vakifbank zahlen ebenfalls 0,75 Prozent für 12-Monats-Festgeld.

Dort müssen Sparer allerdings mit einem verringerten EU-Einlagenschutz von 100.000 Euro pro Person leben. Die Akbank gehört dagegen dem Einlagenschutz des Bundesverbands deutscher Banken an. Bei ihr sind gut 115 Millionen Euro pro Sparer abgesichert.

Über Onlinevermittler locken vor allem ausländische Kreditinstitute mit überdurchschnittlichen Zinsen. So zahlt die Blue Orange Bank aus Lettland 1,17 Prozent Zinsen im Jahr für Festgeld über den Vermittler Weltsparen. Bei der rumänischen Alpha Bank Romania gibt es 1,16 Prozent Zinsen im Jahr über den Vermittler Zinspilot.

Verbraucherschützer raten Sparern allerdings immer wieder davon ab, nach Zinsaufschlägen im Ausland zu jagen. Denn es gibt bisher keine einheitliche oder gar gemeinsame Einlagensicherung in der EU. Für fraglich halten sie daher den Nutzen nationaler Systeme, wenn es etwa einem Land an finanziellen Mitteln oder politischem Willen fehle, alle Sparer zu entschädigen. Auch nach dem Einlagenschutz können Sparer im Handelsblatt-Festgeld-Rechner filtern.


Doch alle akribischen Vergleiche schützen Sparer derzeit nicht vor einem grundsätzlichen Problem: Auf allen Festgeldkonten verbrennen Sparer real – also nach Abzug von Inflation – Geld. Denn das Preisniveau in Deutschland ist zuletzt wieder um 1,6 Prozent gestiegen.

Daher gilt in der anhaltenden Phase rekordtiefer Zinsen umso mehr, was Finanzberater und Verbraucherschützer immer wieder predigen: Auf Konten sollte jeder nicht viel mehr parken als seine eiserne Reserve und womöglich Kapital zum Nachkaufen von Wertpapieren. Für den langfristigen Aufbau von Vermögen benötigen Anleger ohnehin ihren persönlich passenden Mix aus verschiedenen Anlagearten.