Diese Erklärung verbreitet Falschinformationen über den Klimawandel

Mehr als 1200 Personen haben eine sogenannte "Weltklimaerklärung" unterzeichnet, die den wissenschaftlichen Konsens über den menschengemachten Klimawandel infrage stellt. Die Erklärung wurde seit Ende August 2022 tausendfach in sozialen Netzwerken geteilt. Doch nur wenige der Unterzeichnenden sind Klimaforschende, einige haben Verbindungen zur Ölindustrie oder zu klimawandelskeptischen Organisationen. Die Behauptungen in der Erklärung stehen zudem im Widerspruch zum wissenschaftlichen Konsens über den Klimawandel und wurden von AFP bereits früher widerlegt.

Tausende Nutzerinnen und Nutzer haben seit Ende August 2022 eine Erklärung auf Facebook (hier, hier) geteilt, die den menschengemachten Klimawandel in Zweifel zieht. Die Erklärung verbreitete sich auf verschiedenen Blogs (hier, hier, hier) und auf Twitter. Auch auf Telegram sahen hunderttausende die Behauptung, die zudem auf Englisch, Französisch, Spanisch, Tschechisch, Finnisch, Rumänisch, Bulgarisch, Kroatisch und Polnisch kursiert.

Die Behauptung: In den aktuell geteilten Beiträgen heißt es: "Mehr als 1.100 Wissenschaftler erklären in Manifest: 'Es gibt keinen Klimanotstand!'" Dabei verweisen sie auf die "Weltklimaerklärung", die auf der Website der "Global Climate Intelligence Group" (Clintel) veröffentlicht wurde und von insgesamt 1208 Personen unterzeichnet worden ist. Darin nennen sie fünf Punkte, in denen die weltweiten Klimaschutzmaßnahmen kritisiert und die klimaschädlichen Folgen menschlicher Kohlendioxidemissionen verharmlost werden.

Screenshot der Behauptung auf Facebook: 12.09.2022

Immer wieder wird in sozialen Netzwerken die Existenz des menschengemachten Klimawandels infrage gestellt. AFP prüfte in der Vergangenheit in diesem Zusammenhang bereits Behauptungen, wonach nicht der Mensch, sondern die Sonne oder Veränderungen in der Erdumlaufbahn für den Klimawandel verantwortlich seien oder dass der CO2-Anstieg in der Atmosphäre ausschließlich vorteilhaft für das Pflanzenwachstum sei. Faktenchecks zum Thema Klima sammelt AFP hier.

Verbindungen zur Ölindustrie

Die aktuell geteilte "Weltklimaerklärung" ist die aktualisierte Version eines Textes, der bereits 2020 von Clintel veröffentlicht wurde. Clintel ist eine Organisation mit Sitz in den Niederlanden, die von Guus Berkhout, einem pensionierten Geophysiker, der für den Ölgiganten Shell gearbeitet hat, und dem Journalisten Marcel Crok gegründet wurde.

Auf seiner Website bezeichnet sich Clintel als "unabhängige Stiftung". Die Unterzeichner des Textes werden hier als "eine große Vielfalt kompetenter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler" beschrieben. Laut dem englischsprachigen Portal "DeSmog", das sich auf Klima- und Umweltthemen und insbesondere den Kampf gegen Falschinformationen in Bezug auf den Klimawandel spezialisiert hat, teilen Clintel und dessen Gründer regelmäßig Inhalte, die den Klimanotstand oder die menschengemachten Ursachen des Klimawandels infrage stellen.

Nach Recherchen niederländischer Medien (hier, hier), könnte ein Teil der klimawandelskeptischen Arbeit von Guus Berkhout mit Geldern von Ölkonzernen wie Shell, ExxonMobil, BP, Total und Saudi Aramco finanziert worden sein. Clintel bestreitet, Gelder aus der Branche erhalten zu haben. "Clintel hat noch nie einen Cent von der Ölindustrie erhalten", erklärte Marcel Crok am 2. September 2022 in einer E-Mail an AFP.

Öhlbohrplattform vor der norwegischen Küste. Zahlreiche Unterzeichnende der "Weltklimaerklärung" haben Verbindungen zu Ölindustrie ( AFP / MARCEL MOCHET)

Shell teilte AFP in einer E-Mail vom 2. September 2022 mit, es sei dem Unternehmen "nicht bekannt", Berkhout finanziert zu haben. ExxonMobil erklärte am 1. September 2022 per E-Mail, die Behauptung, Clintel finanziert zu haben, sei "unzutreffend". Die drei weiteren Unternehmen lehnten eine Stellungnahme gegenüber AFP ab.

Etliche Unterzeichner haben nach einer Auswertung durch AFP für Shell oder der Ölindustrie gearbeitet. Marcel Crok bestätigte zudem gegenüber AFP, dass Berkhout selbst "vor etwa 40 Jahren" für Shell gearbeitet habe. Außerdem stehen die Namen von 13 Erdölingenieuren und Erdölgeologen sowie mehrerer Bergbauspezialisten auf der Unterzeichnendenliste.

Mehrere der Unterzeichnenden haben entweder in der Erklärung explizit erwähnte oder an anderer Stelle dokumentierte Verbindungen zu US-amerikanischen klimawandelskeptischen Organisationen mit Verbindungen zur Ölindustrie: dem Heartland Institute, dem Competitive Enterprise Institute oder dem Cato Institute.

Diese Organisationen erhielten in der Vergangenheit Gelder vom Ölkonzern ExxonMobil, wie Spenden- und Steuerdokumente belegen, die von Greenpeace veröffentlicht wurden (hier, hier und hier). Forschende warfen dem Unternehmen vor, wissenschaftliche Forschungen zu den klimaschädlichen Folgen fossiler Brennstoffe untergraben zu haben, um dessen Geschäft mit fossilen Brennstoffen zu schützen. ExxonMobil bestritt die Anschuldigungen.

Nur wenige Klimaforschende auf der Liste

Den Forderungen der Erklärung folgt eine Liste mit 1208 Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern aus insgesamt 40 Ländern. Die Namen von acht Unterzeichnern waren am 15. September 2022 mit einem Kreuz markiert, da sie verstorben sind, aber eine frühere Version der Erklärung unterzeichnet hatten. Auf der Clintel-Website wurde die Gesamtzahl der Unterzeichnenden am 15. September 2022 hingegen mit 1348 angegeben. Lediglich ein kleiner Bruchteil davon sind jedoch Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler und wiederum nur eine Handvoll von ihnen sind tatsächlich in der Klimaforschung tätig.

Einer der Unterzeichner ist Ivar Giaever, der 1973 für seine Arbeiten zu Supraleitern den Nobelpreises für Physik gewann. Auf Google Scholar sind zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen Giaevers verzeichnet. Allerdings finden sich hier keine Hinweise auf Beiträge mit Bezug zur Klimaforschung.

AFP hat die Unterschriften unter der Erklärung ausgewertet. Demnach bezeichnen sich etwa ein Dutzend der Unterzeichnenden ausdrücklich als Klimatologen oder Klimaforschende, weniger als ein Prozent. Andere bezeichnen sich selbst als Expertinnen oder Experten für Paläoklimatologie und Atmosphärenwissenschaften. Auf der Liste stehen rund 40 Unterzeichnende aus dem Bereich Geophysik, 130 aus der Geologie 200 aus verschiedenen Ingenieurwissenschaften, zudem mehrere mit mathematischem, medizinischem und agrarwissenschaftlichem Hintergrund.

Screenshot der Unterzeichnendenliste: 14.09.2022

Unter den deutschen Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern der Erklärung finden sich unter anderem die Namen Michael Limburg, Holger Thuss, Horst-Joachim Lüdecke und Carl Otto Weiss. Thuss ist Präsident des Europäischen Instituts für Klima und Energie (Eike), Limburg dessen Vizepräsident. Eike bezeichnet sich auf seiner Website als "Zusammenschluss einer wachsenden Zahl von Natur, Geistes- und Wirtschaftswissenschaftlern, Ingenieuren, Publizisten und Politikern, die die Behauptung eines 'menschengemachten Klimawandels' als naturwissenschaftlich nicht begründbar und daher als Schwindel gegenüber der Bevölkerung ansehen. Eike lehnt folglich jegliche 'Klimapolitik' als einen Vorwand ab, Wirtschaft und Bevölkerung zu bevormunden und das Volk durch Abgaben zu belasten." Das Motto von Eike lautet: "Nicht das Klima ist bedroht, sondern unsere Freiheit!"

Nach Auffassung des Politikwissenschaftlers Achim Brunnengräber, der an der Freien Universität Berlin zu Klima- und Umweltpolitik forscht, handelt es sich bei Eike nicht um ein wissenschaftliches Forschungsinstitut, sondern um einen Verein, der eine politische "Mission", nämlich die Abkehr vom Kampf gegen den menschengemachten Klimawandel, verfolgt. Das Bundesumweltamt bezeichnet Eike in einer Veröffentlichung von 2013 als eine Organisation von "Klimawandelskeptikern", die Thesen verbreitet, "die dem wissenschaftlichen Konsens widersprechen".

Auch Horst-Joachim Lüdecke und Carl Otto Weiss haben Verbindungen zu Eike. Lüdecke ist Physiker für Strömungstechnik und emeritierter Professor an der Hochschule des Saarlandes. Er fungiert als Pressesprecher von Eike und ist Autor zahlreicher Beiträge auf der Website des Vereins. Weiss ist ebenfalls Physiker und war bis 2006 an der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig tätig, zuletzt als Fachbereichsleiter im Bereich Optik/Frequenz. Er trat in der Vergangenheit mehrfach als Referent auf Veranstaltungen von Eike als Referent auf.

Lüdecke und Weiss verfassten im März 2022 gemeinsam einen Artikel, in dem sie behaupten, der Klimawandel werde nicht durch Treibhausgase, sondern natürliche Sonnenzyklen hervorgerufen. AFP überprüfte die Behauptung in einem Faktencheck. Mehrere Experten widersprechen darin der Darstellung von Lüdecke und Weiss.

Unter den weiteren Unterzeichnenden finden sich Fischer, Pilotinnen und Piloten, Sommeliers, Musiker, Anwälte, Linguisten, pensionierte Lehrer, Urologen, Psychoanalytiker und mindestens drei Vertreter einer Energiegewerkschaft. Das Faktencheck-Portal "Climate Feedback", das sich auf Falschinformationen zum Klimawandel spezialisiert hat, bewertete eine frühere Version der Erklärung in einer Analyse vom 23. September 2019 als "voreingenommen".

Dabei verwiesen die Expertinnen und Experten von "Climate Feedback" auf die beträchtliche Anzahl Unterzeichnenden mit Verbindungen zu Unternehmen, die im fossilen Sektor tätig sind. Das Portal veröffentlichte auch eine Analyse der jüngsten Erklärung, die derzeit in den sozialen Medien geteilt wird. "Angesichts der Menge an ungenauen Behauptungen, die in dem Schreiben [...] gemacht werden, mag es überraschen, dass '1200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Fachleute' seinem Inhalt zustimmen. Es ist jedoch aufschlussreich, die Qualifikationen der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner zu prüfen", schreibt der Autor des "Climate Feedback"-Beitrags.

Stand der Forschung zum Klimawandel

Die "Weltklimaerklärung", deren Inhalt auf einer Seite zusammengefasst ist (die rund 30 weiteren Seiten des Dokuments füllen die Namen der Unterzeichnenden), spiegelt nicht den aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstand über die Erderwärmung wider.

Der Weltklimarat IPCC veröffentlicht in regelmäßigen Abständen Sachstandsberichte zur Situation des Weltklimas. Am sechsten Weltklimabericht, der in drei Teilen zwischen August 2021 und April 2022 veröffentlicht wurde, haben 721 Experten aus 90 Ländern mitgewirkt. Der Bericht stellt die umfassendste Bewertung der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel dar. Jeder der drei Teile umfasst etwa 3000 Seiten. Die Autorinnen und Autoren überprüfen darin Hunderte Studien, die in den Anmerkungen aufgeführt sind. Laut dem IPCC-Bericht gibt es "eindeutige" Beweise, dass Menschen das Weltklima erwärmen, indem sie fossile Brennstoffe verbrennen.

Zahlreiche Posts in den sozialen Medien haben den Konsens unter Klimaforschenden infrage gestellt, dass der Mensch die globale Erwärmung durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe vorantreibt. Allerdings haben drei Analysen von Klimastudien der letzten Jahren gezeigt, dass der Konsens nahezu 100 Prozent beträgt (hier, hier und hier).

Mitglieder des Weltklimarates IPCC bei einer Pressekonferenz am 8. August 2019 in Genf ( AFP / Fabrice COFFRINI)

Der IPCC prüft Tausende wissenschaftliche Veröffentlichungen zum Thema, bewertet die neuesten Studien und legt politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern eine Zusammenfassung dieser Erkenntnisse vor. Der 1988 von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) ins Leben gerufene Weltklimarat bringt Tausende von Fachleuten aus Atmosphärenwissenschaften, Ozeanographie, Glaziologie, Wirtschaft und anderen Bereichen zusammen und wurde 2007 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Der IPCC ist in drei Expertengruppen unterteilt, die von verschiedenen Regierungen und internationalen Organisationen ernannt werden: Die erste Gruppe untersucht die wissenschaftlichen Beweise für die globale Erwärmung, die zweite deren Auswirkungen und die dritte präsentiert mögliche Lösungen, um die Folgen der Erderwärmung abzumildern.

"Die IPCC-Experten stützen sich bei ihrer Arbeit ausschließlich auf von Experten begutachtete Arbeiten", erklärte der Klimawissenschaftler Xavier Fettweis am 3. August 2022 gegenüber AFP. "Für jeden Bericht bilden die Wissenschaftler Teams, die sich mit verschiedenen Kapiteln befassen, dann wird die gesamte wissenschaftliche Gemeinschaft aufgefordert, diese Kapitel zu überprüfen, und es gibt persönliche Treffen."

Der IPCC legt auf seiner Website dar, wie er Autorinnen und Autoren auswählt, auf welche Dokumente sich der IPCC stützt, wie sein Überprüfungsprozess funktioniert und wie er die Berichte genehmigt.

Der Begriff des Klimanotstands wird zum Beispiel durch das Unep definiert. Auch UN-Generalsekretär António Guterres erwähnte den Begriff im April 2022, als er sagte: "Wir sind auf dem Weg zu einer globalen Erwärmung, die mehr als das Doppelte der in Paris vereinbarten Grenze von 1,5 Grad beträgt. Einige Regierungs- und Wirtschaftsführer sagen das eine, tun aber etwas anderes. Einfach ausgedrückt: Sie lügen. Und die Folgen werden katastrophal sein. Das ist ein Klimanotstand."

Demonstrierende vor der Bank of England im Zentrum Londons am 6. August 2020 ( AFP / DANIEL LEAL)

Widerlegte Behauptungen über den Klimawandel

Trotz des wissenschaftlichen Konsens wird in der aktuell geteilten Erklärung der Eindruck erweckt, dass verschiedene Aspekte des Klimawandels noch zur Debatte stünden. "Nicht die Anzahl der Experten, sondern die Qualität der Argumente ist entscheidend", heißt es in der Erklärung. Die Erklärung, in der keine Quellen angegeben werden, enthält jedoch eine Reihe von Behauptungen, die von Klimaforschenden in der Vergangenheit widerlegt wurden. AFP und andere Organisationen haben bereits etliche der Behauptungen überprüft.

  • Der aktuelle Klimawandel ist nicht Teil eines natürlichen Zyklus

In der aktuell verbreiteten Erklärung wird behauptet, dass "das Klima der Erde seit Bestehen des Planeten schwankt, mit natürlichen Kalt- und Warmzeiten. [...] Daher ist es keine Überraschung, dass wir jetzt eine Phase der Erwärmung erleben."

Verschiedene Experten erklärten in der Vergangenheit gegenüber AFP, dass der Anstieg der globalen Temperaturen in den letzten 150 Jahren ungewöhnlich stark gewesen sei und durch die Kohlendioxidemissionen infolge der Industrialisierung verursacht wurde. Ed Hawkins, Professor für Klimawissenschaften an der Universität Reading in England, sagte AFP am 19. August 2022 , dass es in den letzten 10.000 Jahren keine mit der derzeitigen Erwärmung vergleichbaren Temperaturschwankungen in einer solchen Zeitspanne gegeben habe.

"Die globalen Temperaturen schwankten in der Vergangenheit über eine große Bandbreite, aber diese Veränderungen brauchen Zehntausende von Jahren, um sich zu entwickeln. Wir wissen, dass es natürliche Ursachen für diese Zyklen gibt, die auf die Erdumlaufbahn um die Sonne zurückzuführen sind. Klimawissenschaftlerinnen und Klimawissenschaftler haben dies jahrhundertelang untersucht", so Hawkins. "Was wir in den letzten 2000 Jahren sehen, ist ein sehr sanfter Rückgang, und dann plötzlich am Ende ein rapider Temperaturanstieg, der weit über alles hinausgeht, was wir in diesem Zeitraum beobachtet haben."

Die Behauptung, die jüngste Erwärmung sei normal, weil die Temperaturen über Jahrtausende hinweg gestiegen und gesunken seien, "ist einfach eine dumme Logik", erklärte Mike Lockwood, Professor für Weltraumumweltphysik, ebenfalls an der University of Reading, am 19. August 2022 per E-Mail gegenüber AFP. "Es stimmt natürlich, dass die Temperaturen in der Vergangenheit gestiegen und gefallen sind, aber das ist kein Grund für die Annahme, dass die gegenwärtigen Veränderungen dieselben Ursachen haben wie die früheren", sagte er. Dieser Trend spiegelt sich in der folgenden Grafik aus dem sechsten IPCC-Bericht wider, der im August 2021 veröffentlicht wurde.

Der aktuelle Klimawandel lässt sich nur durch menschlichen Einfluss erklären, wie diese Grafik zeigt ( AFP / IPCC / Eléonore HUGHES, Laurence SAUBADU)

  • Prognosen des Weltklimarates weitgehend bestätigt

In der Clintel-Erklärung wird behauptet, die Welt habe sich "deutlich weniger erwärmt, als vom IPCC auf der Grundlage der modellierten anthropogenen Einflüsse vorhergesagt [...] Die Klimapolitik stützt sich auf unzulängliche Modelle."

Seit dessen ersten Bericht im Jahr 1990 haben sich die Vorhersagen des IPCC jedoch durchaus als korrekt erwiesen, wie Xavier Fettweis Anfang August 2022 gegenüber AFP erklärte: "Betrachtet man sich die IPCC-Prognosen aus den Berichten von 2001 und 2007 anschaut, entspricht die vorhergesagte Erwärmung genau dem, was wir beobachten können", sagte der Klimawissenschaftler in diesem AFP-Faktencheck von August 2022.

Eine Analyse des Portals "Carbon Brief", das sich auf wissenschaftliche Beiträge zum Klimawandel spezialisiert hat, von 2017 zeigt, dass einige Klimamodelle eine geringere Erwärmung vorhersagten, andere wiederum eine stärkere. Alle Modellierungen zeigten jedoch einen Anstieg der weltweiten Oberflächentemperatur zwischen 1970 und 2016, der nicht weit von den tatsächlichen Werten abweicht. Experten verteidigten die Modelle in diesem AFP-Faktencheck vom August 2022 ebenfalls.

Im ersten Kapitel des sechsten IPCC-Weltklimaberichts erstellten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein Diagramm, in dem sie die prognostizierten Temperaturkurven früherer IPCC-Berichte mit denen mehrerer Klimaforschender und den tatsächlich gemessenen Temperaturen vergleichen. Es zeigt sich, dass die Prognosen mit den tatsächlich beobachteten Temperaturen weitgehend übereinstimmen – mit Abweichungen von nicht mehr als 0,2 Grad

  • Pflanzen können nur begrenzt zusätzliches CO2 verarbeiten

In der aktuell geteilten Erklärung wird weiter behauptet, dass "mehr CO2 für die Natur günstig ist und unseren Planeten grüner macht" und dass "zusätzliches CO2 in der Luft das Wachstum der weltweiten Pflanzenbiomasse gefördert hat". Kohlenstoffdioxid oder CO2 ist an sich nicht gefährlich, vielmehr fördert zusätzliches CO2 tatsächlich das Pflanzenwachstum. Dieser sogenannte CO2-Düngeeffekt wirkt allerdings nur dann, wenn alle anderen Wachstumsfaktoren ausreichend vorhanden sind. Ist die CO2-Konzentration in der Atmosphäre zu hoch, trägt CO2 ebenso wie andere Treibhausgase, etwa Methan oder Distickstoffoxid, zur globalen Erwärmung bei – mit negativen Folgen für die Pflanzen.

"Wenn sich die Erde durch die Sonneneinstrahlung erwärmt, gibt sie als Reaktion darauf Wärme ab, die in den Weltraum zurückgestrahlt wird. Treibhausgase verhindern, dass diese Wärme entweicht, sie wirken wie eine Decke. Je mehr Treibhausgase wir haben, desto dicker ist diese Decke. Deshalb steigen die Temperaturen an", erklärte Sonia Seneviratne, Professorin für Klimawissenschaften an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich, im Juni 2022 gegenüber AFP.

Dieser Anstieg der Erdtemperatur hat schädliche Auswirkungen auf die biologische Vielfalt, die menschliche Bevölkerung, die Landwirtschaft und die Wasserressourcen. Mehrere Experten sagten in diesem AFP-Faktencheck von August 2022, dass Pflanzen nur einen begrenzten Teil der überschüssigen Kohlendioxidemissionen verarbeiten können und unter den Auswirkungen des Klimawandels leiden.

Pflanzen können zusätzliches CO2 nur dann effektiv nutzen, wenn alle anderen Wachstumsfaktoren wie Wasser, Licht und Mineralien ausreichend zur Verfügung stehen, erklärte Eckhard George, Professor für Ernährungsphysiologie der Nutzpflanzen an der Humboldt-Universität zu Berlin am 24. August 2022 gegenüber AFP. Zudem reiche die Menge an CO2, die von Pflanzen gebunden wird, bei weitem nicht aus, um die vom Menschen verursachten zusätzlichen Emissionen auszugleichen. Das Problem der zunehmenden Kohlenstoffdioxid-Konzentration in der Atmosphäre werde durch den CO2-Düngeeffekt also nicht gelöst, wie in den Postings suggeriert wird. "Die Bilanz stimmt nicht", sagte George.

  • Extremwetterereignisse nehmen durch den Klimawandel zu

In der Erklärung heißt es weiter: "Es gibt keine statistischen Beweise dafür, dass die globale Erwärmung Hurrikans, Überschwemmungen, Dürren und ähnliche Naturkatastrophen verstärkt oder häufiger auftreten lässt."

Die World Weather Attribution (WWA) beobachtet weltweit Extremwetterereignisse und untersucht ihren Zusammenhang zum Klimawandel. Mit Hilfe historischer Datensätze konnte die Organisation berechnen, dass verschiedene Katastrophen, darunter Überschwemmungen und Stürme, durch den Klimawandel wahrscheinlicher geworden sind. Die Methoden werden in diesem AFP-Faktencheck zu Waldbränden beschrieben.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Umwelt ( AFP / SOPHIE RAMIS, GAL ROMA, NADINE EHRENBERG)

Ein im August 2021 von der WMO veröffentlichter Bericht zeigt ebenfalls, dass sich die Zahl der Naturkatastrophen in den letzten 50 Jahren verfünffacht hat, was auf den Klimawandel, die Zunahme extremer Wetterbedingungen und die verbesserte Berichterstattung zurückzuführen sei. Dem Bericht zufolge waren zwischen 1970 und 2019 extreme Wetter-, Klima- und Wasserereignisse für 50 Prozent aller Katastrophen, 45 Prozent aller gemeldeten Todesfälle und 74 Prozent aller gemeldeten wirtschaftlichen Verluste verantwortlich.

Eine Analyse von "Carbon Brief" von August 2022, in der über 500 Extremwetterereignisse untersucht wurden, kam zu dem Ergebnis, dass über 70 Prozent durch den vom Menschen verursachten Klimawandel wahrscheinlicher oder schwerwiegender geworden sind. Darüber hinaus weisen die IPCC-Expertinnen und -experten in ihrem jüngsten Bericht darauf hin, dass sich die Auswirkungen der globalen Erwärmung, die bereits seit einigen Jahren zu beobachten seien, weiter vervielfachen und verschärfen werden, wenn der Klimawandel im gleichen Maß anhalte.

Fazit: Die "Weltklimaerklärung" wurde nicht von mehr als 1100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unterzeichnet. Tatsächlich ist nur ein kleiner Teil der Unterzeichnenden in der wissenschaftlichen Forschung und nur ein Bruchteil davon in der Klimaforschung tätig. Etliche haben Verbindungen zur Ölindustrie oder zu klimawandelskeptischen Organisationen. Die Behauptungen zum Klimawandel, die irreführend oder unbegründet sind, widersprechen dem wissenschaftlichen Konsens und wurden von AFP bereits in der Vergangenheit widerlegt.