Diese Aktie müsste um 400 % steigen, nur damit ich wieder bei null bin

Börsencrash / Börsenkrach
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Viele Aktien in meinem Depot sind in den vergangenen Monaten regelrecht abgestürzt. Doch kaum eine hat es so hart getroffen wie Fiverr International (WKN: A2PLX6). Seit meinem Kauf Mitte 2021 fiel die Aktie um genau 80 % (Stand: 10.09.22, gilt für alle Angaben). Der Aktienkurs müsste von heute aus also um unglaubliche 400 % steigen, nur um meinen Einstandskurs wieder zu erreichen. Wie gehe ich mit der Situation um? Und was kann ich für die Zukunft lernen?

Der Absturz der Fiverr-Aktie

Bevor wir diese Fragen beantworten, schauen wir kurz auf die Gründe für den Kursabsturz von Fiverr. Das gründergeführte israelische Unternehmen betreibt den gleichnamigen Online-Marktplatz für Freelancer-Dienstleistungen und war einer der Profiteure der Corona-Pandemie. Nachdem der Umsatz im Geschäftsjahr 2019 um 42 % gestiegen war, explodierte dieser in 2020 und stieg um 77 %. In 2021 flachte das Wachstum auf 57 % ab. Der neueste Ausblick für das Jahr 2022 gibt „nur noch“ einen Anstieg von 13 % im Mittel an.

Dieses sich verlangsamende Umsatzwachstum in Verbindung mit anhaltenden Verlusten und einem zeitweise negativen Free Cashflow kommen am Kapitalmarkt nicht gut an. Insbesondere im aktuellen Marktumfeld. Entsprechend reduzierte sich die Bewertung deutlich. Während das KUV zum Zeitpunkt meines Kaufs über 30 betrug, liegt es heute unter 5.

Was ich jetzt mache

Um zu entscheiden, wie ich mit der Aktie umgehe, schaue ich auf meine Kaufgründe (diese schreibe ich mir bei einem Kauf oder Verkauf immer auf). Mein Hauptgrund für den Kauf war, dass ich daran glaubte, dass freiberufliche Tätigkeiten langfristig stark zunehmen werden. Fiverr als eine der führenden, global aufgestellten Plattformen in diesem Bereich sollte davon profitieren. Mit steigenden Nutzerzahlen sollte sich der Netzwerkeffekt vergrößern. Zudem sah ich Potenzial für Wachstum in angrenzenden Bereichen wie der Erstellung von Online-Lern-Inhalten.

An diesen Einschätzungen hat sich bis heute nichts geändert. Ich verkaufe meine Aktien also trotz des Kursabsturzes nicht. Bevor ich einen Nachkauf in Betracht ziehe, möchte ich jedoch ein sich wieder beschleunigendes Umsatzwachstum sowie eine nachhaltige Verbesserung des Free Cashflows sehen. Ich tue also: Nichts.

Meine Learnings

Auch wenn ich erst einmal nichts mache, nehme ich für mich aus meinem Fiverr-Kursdebakel einiges mit. Zum einen macht dieses deutlich, wie stark eine Aktie steigen müsste, um so hohe Kursverluste aufzuholen. Viele Aktien erreichen ihre alten Hochs nie wieder. Mich würde es nicht wundern, wenn es Fiverr ebenfalls so ergeht. Manche Anleger ziehen daher bei einer bestimmten Verlustgrenze konsequent die Reißleine. Rückblickend hätte ich natürlich zum Beispiel bei einem Kursminus von 40 % verkaufen sollen. Doch dies werfe ich mir nicht als Fehler vor, da ich ja nach wie vor von meiner Kaufthese überzeugt bin.

Einen Fehler muss ich mir aber doch eingestehen. Die Bewertung der Fiverr-Aktie war zu meinem Kaufzeitpunkt schlicht deutlich zu hoch. Hier werde ich in Zukunft genauer hinschauen müssen.

Was diesen Fehler jedoch für mich erträglich macht, ist, dass ich neue Positionen immer in Tranchen aufbaue. Bei Fiverr kaufte ich nur eine Tranche, entsprechend gering ist mein Verlust in absoluten Zahlen. Heute macht Fiverr lediglich 0,1 % meines aus rund 50 Positionen bestehenden Depots aus. Daher kann ich bei der Fiverr-Aktie ganz ruhig bleiben und darauf vertrauen, dass dieser Verlust durch andere Aktien mehr als ausgeglichen wird.

Der Artikel Diese Aktie müsste um 400 % steigen, nur damit ich wieder bei null bin ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Hendrik Vanheiden besitzt Aktien von Fiverr International. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Fiverr.

Motley Fool Deutschland 2022