Diese 1 Sache übersieht jeder bei der Blockchain-Technologie

Motley Fool beitragende Investmentanalysten

Mit wenigen Ausnahmen ist der Kryptowährungsmarkt seit Beginn des Jahres 2017 nahezu unaufhaltsam. Obwohl virtuelle Währungen außergewöhnlich volatil sind, ist ihr Wert zwischen dem 31. Dezember 2016 und dem 15. Januar 2018 um rund 3.900 % auf 703 Milliarden US-Dollar gestiegen. Viel Glück dabei, eine Anlageklasse zu finden, die in so kurzer Zeit ähnliche Renditen erzielt.

Im Mittelpunkt steht die Blockchain-Technologie

Obgleich es eine Fülle von Treibern gibt, die für diese Kryptowährungs-Rallye verantwortlich sind — einschließlich Emotionen, einem schwächeren Dollar und einem „unfairen“ Markt, der eher dazu neigt, Kaufen als Verkaufen zu fördern — ist es das Aufkommen der Blockchain-Technologie, der die meiste Anerkennung gebührt.

In seiner einfachsten Form ist die Blockchain-Technologie der digitale, verteilte und dezentrale Speicher, der virtuelle Währungen untermauert und für die Erfassung aller Transaktionen verantwortlich ist, ohne dass ein Dritter benötigt wird. Die Erfindung der Blockchain und der Grund, warum diese Technologie über Bitcoin und andere Kryptowährungen in den Mainstream ging, ist, dass eine Reihe von vermeintlichen Problemen mit dem aktuellen Zahlungssystem korrigiert werden soll.

Beim heutigen Bankensystem wird angenommen, dass die Transaktionsgebühren höher sind, als sie sein sollten, weil die Banken als Vermittler bei Transaktionen auftreten. Darüber hinaus werden Transaktionsabwicklungszeiten, insbesondere bei grenzüberschreitenden Transaktionen, als unzureichend angesehen. Wenn eine Zahlung an eine ausländische Bank geschickt wird, kann es zwischen drei und fünf Tagen dauern, bis die Zahlung bestätigt ist. Blockchain-Entwickler und einige Konsumenten sind der Meinung, dass dies nicht effizient ist.

Die Blockchain hilft, diese drei Mängel des primären Zahlungssystems zu beheben

Die Blockchain zielt darauf ab, die drei größten Probleme der aktuellen Bankensysteme zu lösen. Erstens sind Zahlungen, die über die Blockchain abgewickelt werden, nicht zwischengeschaltet, was bedeutet, dass weniger Münder zu füttern sind und dadurch die Transaktionskosten niedriger sein sollten.

Zweitens sind die Transaktionsgeschwindigkeiten bei der Verarbeitung über die Blockchain wesentlich schneller. Ripple behauptet, dass seine Transaktionen in etwa vier Sekunden abgewickelt werden können, während andere, wie z. B. Stellar, Bearbeitungszeiten von zwei bis fünf Sekunden angeben. Eeine grenzüberschreitende Transaktion, die früher Tage gedauert hat, kann nun in Sekundenschnelle abgewickelt werden.

Drittens ist die Blockchain dezentralisiert, d. h. es gibt keine Partei, die die Mehrheitskontrolle behält. Das bedeutet auch, dass Cyberkriminelle nicht in der Lage sein werden, ein einzelnes Rechenzentrum anzugreifen, um eine Kryptowährung in die Knie zu zwingen, was die Blockchain zu einer potenziell sichereren Wahl macht als die derzeitigen Zahlungsnetzwerke.

Es geht um viel mehr als nur um die Finanzdienstleistungsbranche

Es gibt bereits eine Reihe von Partnerschaften, in denen die Blockchain-Technologie zum Einsatz kommt. So gehört IBM (WKN:851399) zu den ersten Anwendern der Blockchain-Technologie für die Zahlungsabwicklung. Im Oktober kündigte das Unternehmen eine Partnerschaft mit Stellar an, um dessen Blockchain-Technologie in einem Dutzend Banken im südpazifischen Raum einzusetzen. IBM generiert Dutzende Milliarden US-Dollar von Kunden aus Übersee und und es kann Tage dauern, bis die Zahlungen, die das Unternehmen von diesen Kunden in verschiedenen Währungen erhält, beglichen sind. Wenn diese Zahlungen über Stellars Blockchain abgewickelt werden, werden sie fast sofort beglichen.

Darüber hinaus kann man beobachten, wie Unternehmen ihre eigenen Blockchains entwickeln. Ende August beschlossen sechs globale Banken, darunter Barclays und Credit Suisse, sich zusammenzuschliessen, um ihre eigene virtuelle „Utility Settlement Coin“ und die dazugehörige Blockchain-Technologie zu entwickeln.

Es ist erwähnenswert, dass wir auch über die Denkweise hinausgehen, dass Blockchain eine reine Währungsanwendung ist. Eine Komponente des Dow Jones Industrial Average, Cisco Systems (WKN:878841), eine von 200 Organisationen, die derzeit Teil der Enterprise Ethereum Alliance sind, testet in gewisser Weise eine Version von Ethereums Blockchain-Technologie. Das Unternehmen entwickelt auch eine eigene Blockchain, um verschiedene angeschlossene Geräte zu identifizieren, diese Geräte zu überwachen, und zu bewerten, wie vertrauenswürdig diese Geräte sind, wenn sie mit einem Netzwerk verbunden sind. Mit anderen Worten, es ist eine angepasste Blockchain zum Internet der Dinge.

Die eine Sache, die jeder bei der Blockchain übersieht

Es gibt jedoch ein ziemlich krasses Problem, das die meisten Leute und Investoren bei der Blockchain völlig übersehen: Es gibt sie seit etwa einem Jahrzehnt und wird erst jetzt in Demo-Projekten und kleinen Projekten getestet.

Kryptowährungen wie Ripple und Ethereum haben eine Marktkapitalisierung von 62 Milliarden bzw. 121 Milliarden US-Dollar, weil die Unternehmenskunden die Chance ergriffen haben, ihre Blockchain-Technologie zu testen. Aber das Schlüsselwort dabei lautet „Test“. Mit Ausnahme der Partnerschaft von Stellar und IBM soweie der Partnerschaften von Ripple mit American Express, Banco Santander und MoneyGram International gibt es nur sehr wenige reale Tests der Blockchain, die derzeit laufen. Das deutet darauf hin, dass es lange Zeit dauern wird, bis wir eine signifikante Einführung der Blockchain in der Finanzdienstleistungsbranche und in technologiebasierten Industrien sehen werden. Das soll nicht heißen, dass es keine Zukunft für die Blockchain gibt, doch dass es noch Hindernisse bei der Umsetzung zu überwinden gilt.

Zum Beispiel ist einer der größten Einwände, auf die die Blockchain-Entwickler stoßen können, dass die Blockchain nicht besonders kompatibel mit der aktuellen Infrastruktur des Zahlungsnetzwerks ist. Das bedeutet, dass man fast bei Null anfangen muss, was ein zeitaufwendiges und teures Projekt ist. Das werden Unternehmen wahrscheinlich nicht unternehmen, bis die Gewissheit besteht, dass die Blockchain skaliert werden kann, um die schiere Menge an Transaktionen zu bewältigen, die von den aktuellen Finanznetzwerken verarbeitet werden.

Ein weiteres Problem ist, dass die Eintrittsbarriere unter den Kryptowährungen außergewöhnlich niedrig ist. Pro Monat kommen zwischen 50 und 100 neue virtuelle Währungen auf den Markt, von denen jede wahrscheinlich ihre eigene Blockchain hat. Es ist durchaus möglich, dass die heute am meisten begehrten Blockchains bald der Vergangenheit angehören könnten, und kein Unternehmen will sich mit minderwertiger Technologie herumschlagen.

Die Investoren überschätzen oft die Schnelligkeit, mit der neue Technologie angenommen wird, und die Blockchain könnte die neueste Technologie sein, die auf diese Liste kommt.

Mehr Lesen

The Motley Fool empfiehlt American Express und Cisco Systems.

Dieser Artikel von Sean Williams wurde auf Englisch verfasst und am 19.01.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Motley Fool Deutschland 2018