Die UEFA hat ein Problem: ihre Schiedsrichter

Tommy Gaber
Editor Yahoo Sports

Der europäische Fußballverband versammelt in der Champions League die besten Spieler, die besten Teams, die besten Trainer. Aber mit Sicherheit nicht die besten Schiedsrichter. Die krassen Fehler häufen sich, doch die UEFA bleibt stur.

Juve-Torhüter Buffon attackiert Schiedsrichter Michael Oliver

 

Verschwörungstheorien im Fußball sind so alt wie das Spiel selbst. Wenn Schiedsrichter durch knifflige und teils auch gravierend falsche Entscheidungen in den Mittelpunkt rücken, heißt es stets: Im Zweifeln für die Großen. Bei Turnieren wie EM oder WM bekommt zusätzlich der Gastgeber parteiische Boni: Wembley-Tor 1966 oder Südkoreas Run ins Halbfinale der Heim-WM 2002 nach krassen Fehlentscheidungen in gleich zwei Spielen.

Je länger die dicken Fische in einem Wettbewerb mitschwimmen, desto höher ist das Zuschauer-Interesse, desto besser sind die Vermarktungsmöglichkeiten. Die Gleichung ist simpel: Mehr Stars = mehr Geld.

Chiellini: “Größter Diebstahl der Karriere”

Bisweilen befeuern Geschädigte im Gefühl der Ohnmacht und gnadenlosen Ungerechtigkeit derartige Verschwörungstheorien. Am Dienstagabend war Juve-Verteidiger Giorgio Chiellini an der Reihe. Nach der Elfmeterentscheidung gegen die Turiner in der Nachspielzeit witterte Chiellini Betrug. Er warf imaginäre Geldscheine in Richtung der Real-Spieler – im Sinne von “Wie viel habt ihr dem Schiedsrichter bezahlt?”

Kommentar: Reals Elfer: Eine Schande für den Fußball

“Das war der größte Diebstahl, den ich in meiner Karriere erlebt habe”, polterte Chiellini und trug dann seine Theorie vor: “Es sollte uns nicht verwundern. Bayern München musste letztes Jahr dran glauben, dieses Jahr war Juve an der Reihe.”

Zur Erinnerung: Die Bayern lagen 2017 im Viertelfinal-Rückspiel bei Real 2:1 in Führung, als Ronaldo in der Verlängerung zwei Tore aus Abseitsposition erzielte. Zudem hatte Arturo Vidal in der 84. Minute die Gelb-Rote Karte gesehen, während der ähnlich rustikal einsteigende Casemiro ohne Platzverweis davonkam.

Buffon wettert gegen den Schiedsrichter: “Mülleimer statt Herz”

Das große Real Madrid wird also von den Schiedsrichtern geschützt, gar gepusht. Soso. Das Problem an Verschwörungstheorien, ist, dass sie sich in aller Regel nicht beweisen lassen. Was sich aber beweisen lässt anhand der Aufschlüsselung von umstrittenen Szenen ist, dass der europäische Fußballverband ein Problem mit seinen Schiedsrichtern hat.

Mit Övrebo fing alles an

Die UEFA proklamiert für sich, mit der Champions League den besten Wettbewerb im Weltfußball zu veranstalten. Die besten Spieler, die besten Teams versammeln sich in der Königsklasse. Entsprechend sollten eigentlich auch die besten Schiedsrichter dazukommen. Doch die Fehlerkette der Referees ist haarsträubend, krasse Fehlentscheidungen häufen sich.

2009 fing alles an. Der Norweger Tom Henning Övrebo verweigerte dem FC Chelsea im Halbfinale gegen den FC Barcelona vier klare Elfmeter. In den Jahren danach sorgten Fehler von erfahrenen Schiedsrichtern, darunter auch des Deutschen Wolfgang Stark beim Duell zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid 2011, immer wieder für Schlagzeilen und wilde Diskussionen.

Vor einem Jahr stand Viktor Kassai im Mittelpunkt, als er, wie erwähnt, Real Madrid gegen den FC Bayern zwei Tore schenkte. Noch Monate später kritisierte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge Kassai für dessen “skandalösen Auftritt”.

Am Dienstag klaute der Spanier Antonio Lahoz Manchester City ein klares Tor; es wäre das 2:0 für die Skyblues im Rückspiel gegen den FC Liverpool gewesen. Und einen Tag später spottet ein großer Teil der Fußballwelt über die lächerliche Elfer-Entscheidung von Michael Oliver in Madrid.

UEFA lehnt Videobeweis kategorisch ab

Erst Ende Februar schloss Uefa-Chef Aleksander Ceferin die Einführung des Videobeweises in der Champions League kategorisch aus. “Wir werden den Videoassistenten in der nächsten Saison nicht nutzen”, sagte der Slowake. Er sei nicht grundsätzlich gegen die technische Hilfe für Referees, aber: “Ich sehe hin und wieder eine große Konfusion”, betonte Ceferin.

Während FIFA-Boss Gianni Infantino den Videoassistenten unbedingt bei der WM in Russland nutzen will, verweigert sich die UEFA dem Thema. Mit dem Videobeweis lassen sich nicht alle Fehlentscheidungen korrigieren, das zeigt die Problematik in der Bundesliga. Aber der Torklau von Manchester, als Leroy Sanes Treffer zu Unrecht aberkannt wurde, da der Ball vom Gegner kam, hätte durch den Videobeweis verhindert werden können. Und wer weiß, wie das Spiel beim Stand von 2:0 für City verlaufen wäre…

Die UEFA muss sich mit ihren Schiedsrichtern beschäftigen, es passieren immer wieder Fehler, die auf diesem Niveau einfach nicht passieren dürfen.