„Die Regierung wird schneller fertig als der Berliner Flughafen“ – „Stern“-Herausgeber Andreas Petzold gibt sich bei „Markus Lanz“ optimistisch

Zu Gast bei Markus Lanz am Mittwoch: Schauspieler Peter Weck, Feuerwehrbeamter Philipp Baumann, Kriminologe Prof. Thomas Feltes und Journalist Andreas Petzold (v. l.). (Bild: Screenshot ZDF)

Regierungssondierungen, Gewalt gegenüber Feuerwehreinsatzkräften, die Verrohung der Gesellschaft sowie eine jahrzehntelange Schauspielerkarriere: Diese Themen wurden bei „Markus Lanz“ am Mittwochabend diskutiert.

Als erster Punkt standen die Koalitionsgespräche zwischen CDU und SPD auf dem Programm. „Es ist so merkwürdig ruhig in Berlin. Gutes Zeichen oder schlechtes Zeichen?“, fragte Lanz den „Stern“-Herausgeber Andreas Petzold. „Erstmals […] bin ich sicher, dass die Berliner Regierung früher fertig wird als der Berliner Flughafen“, kommentierte dieser launig. „Das heißt aber nichts“, lachte Moderator Lanz.

Merkel und Schulz, so der Journalist, seien bestens miteinander vertraut: „Das Verhältnis der beiden ist eigentlich ganz gut. Die kennen sich ja schon seit einer langen, langen Zeit. Während Martin Schulz’ Zeit als europäischer Parlamentspräsident war er ja sehr, sehr oft mit Merkel zusammen in Brüssel. Die kennen sich also sehr, sehr gut, jetzt natürlich in neuer Rollenverteilung. Und natürlich gibt es da immer wieder mal kleine Unstimmigkeiten […]. Da wird mehr Aufregung produziert, als eigentlich nötig wäre. “

Petzolds Prognose: „Man steckt jetzt den Rahmen ab, die Leitplanken, um sich irgendwie auf Grundsätzliches zu einigen – und dann vermute ich mal, dass wir am Freitagmorgen unausgeschlafene Politiker sehen werden, die sich fast in den Armen liegen und sagen ‚Wir haben’s geschafft. Wir werden das hinkriegen.’ Aber danach wird es erst spannend und interessant.“

Journalist Andreas Petzold hält eine Einigung auf eine große Koalition unter Bundeskanzlerin Merkel für realistisch. (Bild: Becher/WENN.com)

Schulz habe sich – entgegen seiner anfänglichen Ablehnung, eine weitere Koalition mit Merkel zu bilden – „aus Staatsräson“ noch einmal zu Gesprächen überreden lassen. Auf die ursprüngliche Ankündigung seitens des sozialdemokratischen Spitzenkandidaten, definitiv in Opposition zu gehen, gab es innerhalb der SPD viele enthusiastische Reaktionen: „Es war ja eigentlich die große Kernsanierung der SPD geplant für die nächsten Jahre – die nun leider ausfällt“, so Petzold. Dennoch glaubt er, dass Martin Schulz am Kabinettstisch mit der Kanzlerin Platz nehmen würde. „Ja, das halte ich für möglich – das sind einfach die Realitäten, vor denen wir stehen. Ich glaube, dass das passieren wird.“ Eine mögliche Neuwahl würde Schulz definitiv das Amt kosten, ist der Journalist überzeugt: „Sicher ist, dass Martin Schulz in eine Neuwahl nicht als Spitzenkandidat der SPD gehen wird. Bei Angela Merkel ist es noch eine andere Frage, aber bei Schulz sieht das relativ klar aus: Da würde sich die SPD einen neuen Kandidaten suchen müssen.“

Der Feuerwehrbeamte Philipp Baumann erzählte im Anschluss von Übergriffen – verbalen wie körperlichen – auf Feuerwehrleute. In den letzten Jahren hätten sich diese gehäuft. „Es hat exorbitant zugenommen. Jeder der Kollegen oder der Ex-Kollegen kann eine Geschichte erzählen“, so Baumann. Und weiter: „Das, was man fast täglich erlebt, ist eine Verrohung der Gesellschaft, eine gewisse Leistungsforderung, die die Patienten, die 112 wählen, haben: Kommt mal vorbei, ich zahl schließlich Krankenversicherung.“ Feuerwehrleute würden mittlerweile bei Einsätzen angepöbelt und sogar persönlich bedroht. „In der Tat sind das Männer, alkoholisiert, zwischen 20 und 39. Drogen spielen natürlich auch eine Rolle.“

Der Kriminologe Prof. Thomas Feltes teilte die Rede von der gesellschaftlichen Verrohung: „Es ist schwierig. Als Kriminologe sucht man immer noch empirische Belege, aber ich denke, es ist empirisch belegbar, dass wir eine Entwicklung in unserer Gesellschaft haben, dass die Empathie […] nachlässt. Das ist, glaube ich, eine Tendenz, die wir seit vielen Jahren in unserer Gesellschaft haben.“ In 55 Prozent der Gewaltfälle spiele Alkohol eine große Rolle – „das ist dann nicht mehr zu steuern“. Lanz zeigte sich darüber besorgt: „Man fragt sich wirklich, was an unserem Wertesystem verrutscht ist, dass wir ernsthaft auf Menschen losgehen, die kommen, um anderen Menschen zu helfen.“ Der Konsens: Die Gesellschaft muss an ihrem Wertesystem arbeiten, der Staat aber auch pragmatisch agieren und die Feuerwehr- und Rettungsbeamte auf derartige Gewaltfälle vorbereiten – unter anderem mit Selbstverteidigungskursen.

Peter Weck erinnert sich an seine Zeit in der Serie “Ich heirate eine Familie”. (Bild: WENN.com)

Zum Schluss sprach Peter Weck unter anderem über das 35. Jubiläum der beliebten ZDF-Serie „Ich heirate eine Familie“. „Es sieht manches Mal so aus, als hätte ich in meinem Leben nichts anderes gemacht als diese Serie“, zeigte sich der 87-Jährige überrascht. Dennoch sei die Serie mehr Segen als Fluch: „Offen gestanden: Man kann ja froh sein, wenn man so einen Hit landet.“ Ursprünglich sollte Harald Juhnke die Hauptrolle spielen und Peter Weck Regie führen. Allerdings hatten die Sendungsmacher Angst vor Juhnkes Unberechenbarkeit – oder, wie Weck sie nannte: vor seinen „Milch-Tagen“.