Die PARTEI: Bitterböse Attacke auf die Flüchtlingspolitik der Union

Mit diesen Plakaten schockiert die PARTEI in Dresden (Bild: Die PARTEI Kreisverband Dresden/Facebook)

Die Partei die PARTEI ist aus dem Satire-Magazin “Titanic” hervorgegangen, präsentiert sich im Vergleich zu dieser aber meistens doch relativ brav. Meistens. Denn mit einer neuen Plakataktion schockiert die Partei mit schwärzestem Humor und legt den Finger zielsicher in eine offene Wunde.

Die Plakate, die vom Kreisverband Dresden am Montag aufgehängt wurden, sind so gestaltet, als hätte die CDU ein Plakat der PARTEI überklebt und greifen deren Wahlslogan in abgewandelter Form auf: “Für einen Strand, an dem wir gut und gerne liegen.” Zu sehen ist dabei ein Foto der Leiche des dreijährigen Aylan Kurdi an der türkischen Küste, das 2015 die Welt erschütterte und zum Symbolbild des Massensterbens im Mittelmeer wurde.

Zentraler Vorwurf gegen die Regierung Merkel

Das Plakat greift einen zentralen Vorwurf gegen die in den vergangenen Jahren zumeist von der Union geprägte deutsche Flüchtlingspolitik auf: Flüchtlingsinitiativen und Hilfsorganisationen werfen der Regierung seit Jahren vor, die Abschottungspolitik der EU mitzutragen und so die Geflüchteten überhaupt erst zu dem gefährlichen Weg über das Meer zu nötigen.

Dementsprechend bringt die PARTEI die Plakete offenbar gerne in der Nähe des Konterfeis von CDU-Kandidat Andreas Lämmel an, doch auch andere Parteien bleiben nicht verschont: So findet sich der tote Aylan etwa als Ergänzung zu dem Motiv “Kinder vor Armut schützen” der Linken.

Wenig überraschend gehen die Meinungen zu der Plakataktion weit auseinander. Einige sehen hier die Grenzen der Satire überschritten, vor allem geht vielen das Bild des toten Kindes zu weit. Andere halten die Drastik angesichts des Themas gerade für angemessen.

Aufgrund der vielen Reaktionen gab der Dresdner Kreisverband Presseerklärung zu den Plakaten heraus – ein durchaus ungewöhnlicher Vorgang für die PARTEI.

Die Mitteilung trieft allerdings stilecht vor Sarkasmus: “Beim Erstellen des Plakats haben wir uns an der Feelgood-Kampagne der CDU orientiert und das Strandbild mit den meisten Klicks gesucht. Das Ergebnis hat uns auch überrascht, aber wie Grüne, AfD und Co. zeigen: Kinder machen sich immer gut”, heißt es darin.

“Das Konzept der Bundesregierung, eine Mauer durch die Sahara zu bauen, um die unansehnlichen Leichen am Urlausbsstrand zu vermeiden, müssen wir ja begrüßen, da Mauerbau schon lange eines unserer wichtigsten Wahlversprechen ist. Wir hätten zwar eine weniger menschenverachtende Variante gewählt, aber es sind ja nur Neger.”

Zum Schluss gibt es einen “Anwendungshinweis für Eltern”: “Sollte Ihr Kind Sie fragen, so können Sie es wie die meisten Eltern machen, Ihr Kind belügen und sagen, dass der Junge schläft oder sie konfrontieren es mit der Realität, dass es in einer Welt aufwächst, in der soetwas normal ist.”

Wiederholte Zensur auf Facebook

Die Ursprüngliche Pressemitteilung wurde kurze Zeit später von Facebook gelöscht, offenbar wegen des Begriffs “Neger”, der in einer neuen Fassung zensiert wurde. Auch die geänderte Version war am Dienstag nicht mehr zu sehen, ebenso der Originalpost mit den Fotos der Plakate in Dresden. Der Kreisverband stellte danach Screenshots mit den Löschhinweisen von Facebook sowie eine zensierte Version des Plakates, auf dem Aylan unkenntlich gemacht wurde auf seine Seite – und kündigte einen “unzensierten Schauprozess” gegen seinen “Facebook-Gemeinschaftsstandard-Experten” an.

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