Die größten Produkt-Flops aller Zeiten: Warum Crystal Pepsi gnadenlos scheiterte

Noch heute hält David Novak die Crystal Pepsi für die „beste Idee seiner Karriere”. (Bild: AFP)

Sie sollte einen gesünderen Lifestyle vermitteln, sah aus wie Wasser, verkaufte sich aber trotzdem nur äußerst schleppend: Crystal Pepsi. Warum das Produkt von vornherein zum Scheitern verurteilt war – und was Coca-Cola mit der Pleite zu tun hatte, erfahren Sie hier.

Als David Novak 1992 Chief Operating Officer (COO) von Pepsi wurde, hatte er die „beste Idee seiner Karriere“, wie er heute noch sagt. Er wollte eine Pepsi, die dem entsprach, was der Zeitgeist Anfang der 90er-Jahre zu erfordern schien: pure, klare Produkte, mit denen auch Menschen etwas anfangen können, die bewusster leben. Die Antwort des Pepsi-Mannes: Crystal Pepsi. Eine Pepsi, die ohne die braune Zuckercouleur und Koffein gesünder rüberkommen sollte, obwohl sie kaum weniger Kalorien enthielt.

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Glaubt man ihrem Erfinder Novak hatte das Ganze nur einen Haken: den Geschmack. Dem „Business Insider“ verriet er in einem Interview, er habe nicht auf die Abfüller gehört, die ihn mit folgendem Satz gewarnt hätten. „David, es ist eine gute Idee und wir können das groß herausbringen, aber es muss mehr wie Pepsi schmecken.“ Dass er seinen Mitarbeitern nicht zu- und noch weniger auf sie gehört habe, sei sein großer Fehler gewesen, sagte Novak weiter. Für ihn ist also klar, weshalb sich die Crystal Pepsi nur knapp zwei Jahre mit sehr beschränktem Erfolg auf dem Markt halten konnte. Und doch gibt es noch andere Gründe, die zum Scheitern der durchsichtigen Brause beigetragen haben dürften.

Für das Gehirn ist durchsichtige Pepsi zu viel verlangt

Einen davon hat unter anderem der Marketing-Professor Kyle Murray erforscht. In einem Versuch testeten Probanden neue Produkte. Dabei fiel den Wissenschaftlern auf, dass die Testpersonen einen erhöhten Puls hatten und auch stärker schwitzten, als normal. Ihre Erklärung: Weichen Produkte zu stark von der Norm ab, reagiert der Körper darauf mit Symptomen, die sich sonst bei Angst zeigen. Die durchsichtige Pepsi wich einfach zu sehr von dem gewohnten Bild der braunen Pepsi ab. Wer schon einmal Kartoffelsalat aus blauen Kartoffeln, grünes Ketchup oder schwarzes Baguette mit Sepia gegessen hat, weiß, was sich da im Gehirn abspielt.

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Dass potenzielle Kunden die klare Flüssigkeit mit einem gesünderen Lifestyle assoziieren sollten, erwies sich ebenfalls als zu kurz gedacht. Ein Blick auf die Nährwertangaben zeigte, dass eine Dose Crystal Pepsi mit 130 Kalorien nur 20 weniger enthielt als eine normale Pepsi. Mit Süße aus Mais-Sirup war sie auch keine gesündere Variante. Die Kunden fragten sich also, was das Ganze sollte. Und der Konzern lieferte keine Antwort.

Das Konkurrenzprodukt von Coca-Cola sollte scheitern

Als hätte das alles noch nicht gereicht, schoss auch die Coca-Cola Company gegen ihren größten Konkurrenten. Mit Tab brachte das Unternehmen ebenfalls eine farblose Cola auf den Markt, die laut dem Marketing-Experten Sergio Zyman nur ein Ziel hatte: Die Konsumenten noch mehr zu verwirren. Angeblich sollte Tab nicht einmal gut schmecken. Die Marke sollte bewusst untergehen und das Konkurrenzprodukt mit sich in die Tiefe reißen. Klingt perfide, hat aber geklappt.

Dass das Getränk mit veränderter Rezeptur und in sehr limitierter Auflage zwischen 2015 und 2017 noch einmal ein kurzes Comeback in den USA feierte, lässt sich wohl vor allem mit Nostalgie erklären und ändert nichts an der Tatsache, dass Crystal Pepsi ganz klar einer der größten Produkt-Flops der Geschichte ist.