Die Gewinner des Finanzjahres 2017: Bitcoin, chinesische Internetaktien und die Lufthansa heben ab

Nils Jacobsen
Wirtschaftsjournalist und Techblogger
Assetklasse des Jahres: Der Bitcoin schießt immer höher (Foto: AP)

Das Jahr neigt sich auf die Zielgerade: Gefühlt schloss sich 2017 nahtlos an das Vorjahr an, das durch die apokalyptische Stimmung des Wahlsiegs von Donald Trump im Ungewissen endete. Doch so sehr das Chaos im Weißen Haus die Welt politisch in Atem hielt, so erfreulich verlief das Jahr doch wirtschaftlich diesseits und jenseits des Atlantiks.

Die eigentliche Erfolgsstory der Finanzwelt ist die größte Kursexplosion, die die Finanzmärkte seit der Dot.com-Euphorie Ende des vergangenen Jahrtausends erlebt haben: Bitcoin. Seit Jahren flackerte die Kryptowährung in Diskussionen um die Zukunft des Geldes immer wieder auf, doch so richtig im Mainstream der Finanzbranche kam der Bitcoin erst im letzten Quartal des Jahres an, als die Notierungen in einer Welle irrationalen Überschwangs, die an die Tulpen-Manie des 17. Jahrhunderts erinnert, fast täglich immer neue Bestmarken aufstellte.

Als maßgeblicher Treiber für den immer weiter steigenden Wert wird oft die Angebotsknappheit genannt – fast die Hälfte aller Bitcoins sollen sich im Besitz von nur 1000 Investoren befinden. Tatsächlich werden aktuell nur rund 16,5 Millionen Bitcoins gehandelt – und das Angebot ist begrenzt. Maximal 21 Millionen Bitcoins (Tickersymbol: BTC)  sollen bis zum Jahr 2140 im Umlauf sein.

Bei inzwischen über 17.000 Zählern ist der Kurs des Bitcoin inzwischen bei Publikation dieses Artikels angelangt – nicht ausgeschlossen, dass bis Jahresende in weiteren Tausenderschritten noch neue Rekordmarken aufgestellt werden. Zum Vergleich: Zu Jahresbeginn verharrte der Kurs der Digitalwährung noch bei gerade mal 1000 Zählern – vor fünf Jahren lagen die Kurse gar nur im zweistelligen Bereich. In nur einem Jahr hätten Anleger also eine Traumrendite wie vielleicht nur einmal im Leben einfahren können, wenn sie denn rechtzeitig in die umstrittene  Kryptowährung investiert hätten. Hätte, hätte, Blockchain-Kette!

Apple, Amazon, Facebook: Digital-Champions erneut mit zweistelligen Kurszuwächsen

Auch an den Aktienmärkten gab es 2017 jede Menge ansehnliche Gewinne einzufahren – wenn auch in deutlich bescheidenerem Maße. Ganz vorne dabei waren wieder die „Großen Fünf“ der Tech- und Internetindustrie, die seit Januar allesamt zweistellige Kurszuwächse verbuchten, den Leitindex Nasdaq hinter sich ließen und Anfang Dezember die ersten fünf Positionen der Börsenwelt unter sich ausmachen: Alphabet (Google), Amazon, Apple, Facebook und Microsoft.

Während der Suchmaschinenbetreiber seit Jahresbeginn um 32 Prozent vorne liegt, bringt es der Redmonder Softwareriese auf ein Plus von 33 Prozent – und damit deutlich mehr als der Leitindex Dow Jones (22 Prozent). Üppigere Kurszuwächse bescherte Apple seinen Aktionären dank der großen Nachfrage nach dem neuen iPhone X mit OLED-Display mit einem Plus von 47 Prozent, während Facebook und Amazon den Internet-Spitzenplatz  mit Gewinnen von 56 und 55 Prozent seit Jahresbeginn unter sich ausmachen.

Zusammengenommen bringen es die „Großen Fünf“ nun schon auf den astronomischen Börsenwert von mehr als 3 Billionen Dollar – das ist mehr als das Doppelte der Marktkapitalisierung der 30 wertvollsten deutschen Unternehmen, die im Dax gebündelt sind. Das Erfolgsgeheimnis der Digital-Giganten entschlüsselte unterdessen Marketing-Professor Scott Galloway in seinem neuen Buch „The Four“: Sowohl Apple als auch Google, Facebook und Amazon appellieren an menschliche Urinstinkte – das Bedürfnis nach Sex, Wissen, Liebe und Selbsterhaltung.

Auch in der zweiten Reihe der Internet- und Techwerte waren ansehnliche Renditen zu erzielen: Halbjahreschampion Tesla bescherte Aktionären bis heute ein Kursplus von 47 Prozent, während es Streaming-Gigant Netflix, der in diesem Jahr bereits sein zwanzigjähriges Bestehen feierte, seit Januar um 51 Prozent vorne liegt. Mit Nvidia konnten Anleger sogar 80 Prozent abräumen, weil der Chiphersteller von gleich mehreren Megatrends profitiert – vom Boom des Machine Learnings bis zum Hype um Virtual Reality.

China steigt auf: Tencent und Alibaba mit Fabeljahr

So erfreulich die Kurszuwächse der amerikanischen Tech- und Internetpioniere für ihre Anteilseigner war – sie werden jedoch mitunter vom Siegeszug der asiatischen Internetindustrie in den Schatten gestellt, die 2017 in einem atemberaubenden Maße wuchs und mit ihren Vorzeigeunternehmen den Kontakt zur Weltspitze herstellte. Baidu, die größte chinesische Suchmaschine, liegt seit Anfang Januar um 41 Prozent vorne. Netease, ein Anbieter von Online-Spielen und der größte Email-Provider Chinas, hat Aktionären seit Jahresbeginn etwa ein Plus von 48 Prozent beschert. JD.com, die E-Commerce Nummer zwei Chinas, bringt es gar auf ein Kursplus von 49 Prozent.

All das wird jedoch vom Run auf die beiden größten chinesischen Internetunternehmen übertroffen, die inzwischen nach ihrem Börsenwert fast zu Facebook und Amazon aufgeschlossen haben. So verbuchte der größte E-Commerce-Anbieter des asiatischen Riesenreiches ein absolutes Fabeljahr: Alibaba legte in knapp 12 Monaten um enorme 99 Prozent zu und avancierte mit einem Börsenwert von 450 Milliarden Dollar zweitweise zur Nummer eins Chinas, musste sich am Ende dennoch hauchdünn geschlagen geben

Der spektakulärste  Kurssprung gelang unterdessen Tencent, Anbieter der Smartphone-Universal-App WeChat, der an der Hongkonger Börse nach einem Plus von 100 Prozent mit einem Börsenwert von über 460 Milliarden Dollar zum wertvollsten Konzern im Reich der Mitte und zur Nummer sechs der Welt aufgestiegen ist.

Deutsche Aktien: Lufthansa, RWE, E.ON und Puma gelingt furioses Comeback 

Auch in Deutschland waren mit 2017 teilweise ansehnliche Kurszuwächse zu erzielen. Ironischerweise feierten in der ersten deutschen Börsenliga die Verlierer des Vorjahres ein überraschendes Comeback. Nachdem sich die Lufthansa 2016 noch im Börsensinkflug befunden und ein Minus von 15 Prozent eingeflogen hatte, hat die Kranich-Airline in den vergangenen zwölf Monaten den Turbo gezündet und ist in den Steigflug übergegangen, der in einem satten Plus von 142 Prozent resultierte.

Damit liegen die Kölner unangefochten auf dem ersten Platz des Dax-Rankings. Auch ein anderer Vorjahresverlierer reüssierte 2017: Die Commerzbank-Aktie stieg wie ein Phönix aus der Asche und notiert mit einem Plus von 67 Prozent drei Wochen vor dem Jahresende auf dem zweiten Platz des deutschen Bluechip-Index.

Gefolgt werden die Frankfurter von zwei Versorgern, die im Zuge des Atomausstiegs in den vergangenen Jahren zu Dauerverlierern an der Börse zählten: RWE und E.ON. Die überraschende Hausse, die  Aktionären seit Januar ein Kursplus von 65 (RWE) bzw. 45 (E.ON) Prozent beschert hat, ist allerdings weniger der eigenen Geschäftsentwicklung als vielmehr einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts geschuldet, das die Brennelementesteuer kassiert hat. Die Folge: den angeschlagenen Versorgern winkt eine milliardenschwere Rückerstattung.

Während sich der zweifache Vorjahressieger Adidas 2017 mit Zuwächsen von 18 Prozent begnügen musste, damit aber immerhin den Dax outperformte, der 2017 um 13 Prozent vorne liegt, gelang dem früheren Bruderkonzern zwei Etagen tiefer ein spektakuläres Comeback. Der einstige Börsenliebling Puma sprintete weitgehend unbeachtet in den vergangenen Monaten auf neue Allzeithochs und liegt seit Jahresbeginn um mehr als 50 Prozent vorne.

Schwarzer Freitag für Amazon im Video