Die Evolution des Abschlussballkleides von den 1940ern bis zu den 2000ern

Wie sich das Abschlussballkleid im Lauf der Jahre verändert hat. (Bild: Everett Collection, Art: Quinn Lemmers)

Der Abschlussball, in den USA als Prom bekannt, ist seit Jahrzehnten eine wichtige Tradition im Leben jedes Teenagers. Er ist ein heiß ersehnter Bestandteil der High School-Jahre und spielt eigentlich in allen klassischen amerikanischen Teenie-Filmen eine zentrale Rolle (nicht zu vergessen, dass er auch im realen Leben eine zentrale Rolle spielen kann).

Aber die Ursprünge des Prom – die Kurzform von „Promenade” – sind ein Übergangsritual, das Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts erstmals an Colleges im Nordosten wie der Harvard University und dem Amherst College begangen wurde – als relativ einfache Abschlussbälle für die Abschlussklassen. Diese Praxis verschob sich in den darauffolgenden Jahrzehnten auf die jüngere Generation und wurde um die 1940er zu einer Teenie-Tradition an High Schools. Proms werden auch an kanadischen High Schools gefeiert und haben sich sogar – wenn auch etwas weniger verbreitet und für jüngere Schüler – im vergangenen Jahrzehnt in Großbritannien etabliert, allerdings hat er sich darüber hinaus global nicht weiter durchgesetzt.

Proms sind nur eine Zeremonie, um das Erwachsenwerden zu feiern. Es gibt noch Quinceaneras, Bar-Mizwas, katholische Kommunionen und Konfirmationen, Debütantinnen-Bälle und Hochzeiten. All diese Initiationsriten und die sorgfältig ausgewählte Kleidung, die zu diesem besonderen Anlass getragen wird, sind geblieben. Aber das Prom-Kleid unterscheidet sich von den meisten anderen Modetraditionen dieser Rituale: Denn diese Feierlichkeit ist säkular geprägt und beschränkt sich auch nicht auf eine bestimmte ethnische Gruppe, was sie sehr viel universeller macht.

„Es ist auch das Outfit für diesen Anlass, das die aufkeimende Sexualität eines Teenagers ans Licht bringen kann“, erklärt Soziologin Amy Best in ihrem Buch „Prom Night: Youth, Schools and Popular Culture“ von 2000. „Das Prom-Kleid spielt eine kritische Rolle bei der Etablierung eines sexuellen Ichs“, schreibt Best und führt aus, wie einige der Mädchen, die sie interviewte, das „großes Unbehagen“ ihrer Väter beschrieben, als diese sie in ihren sexy Outfits für den großen Abend sahen, was beweist, „dass die Mädchen erfolgreich den Übergang geschafft hatten“.

1942: High School-Absolventen bei ihrem Prom in Greenbelt, Maryland. (Bild: Getty Images)

Zugegeben, das Abschlussballkleid war Mitte des letzten Jahrhunderts zu Beginn der Tradition des Proms nicht gerade sehr sexy. Prüde und extrem weiblich war stattdessen die Maxime. In den 1940ern war der Schnitt des Prom-Kleides oft enganliegend und schmal. Das hatte jedoch nichts mit einem sexy Kleid zu tun, das den Körper betonte, sondern der Grund dafür war die Rationierung von Stoff während des Zweiten Weltkrieges. Diese Kleider waren hoch geschlossen, hatten bedeckte Schultern (oft mit puffigem Volumen an den Schultern) und bodenlange Röcke und waren oft aus schweren Materialien wie Samt und Taft geschneidert.

1954: Prom in Cloyne, Kanada (Bild: Wikicommons)

Ultrafeminine, taillierte, Tea-Length-Kleider dominierten die Mode in den 1950ern und dies war auch zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts der bervorzugte Schnitt für Promteilnehmerinnen. Der Stil zeichnete sich durch enge Taillen und bauschige Röcke aus, die sieben bis zehn Zentimeter unterhalb des Knies endeten und die Waden entblößten. (Interessanterweise geht der Begriff „Tea Length“ auf die Kleider zurück, die Frauen in den 1920ern zum Teetrinken trugen.) Manche Kleider hatten bauschige Rüschen. Die Ausschnitte waren meist weniger zurückhaltend als in den vorhergehenden Jahrzehnten und auch trägerlose Designs waren weit verbreitet.

1960er: Tanzende Schüler beim Mariemont High School Prom in Cincinnati. (Bild: Getty Images)

Die frühen 60er brachten die enger anliegenden Röcke zurück, die zwei Jahrzente zuvor schon Mode waren, dieses Mal aber aus rein ästhetischen Gründen – nicht aufgrund von Sparmaßnahmen. Engere Röcke wurden mit höheren Taillen kombiniert, was eher an einen Baby-Doll-Schnitt erinnerte. Pastelltöne waren beliebt und die Oberteile der Kleider hatten oft Spaghettiträger und U-Boot-Ausschnitte. Gegen Ende des Jahrzehnts wurden Empire-Kleider beliebt, die es in zahlreichen Variationen gab – trägerlose mit U-Boot-Ausschnitt oder mit kurzen Ärmeln und einem eckigen Ausschnitt. Und in den 60ern gehörten ultra-voluminöse Frisuren stets dazu.

Aber gegen Ende des Jahrzehnts waren Proms aufgrund des kulturellen Wandels basierend auf politischen Ereignissen und Einstellungen dieser Zeit nicht mehr so beliebt wie früher: „Die Beliebtheit der Proms schwand Ende der 60er und Anfang der 70er“, schreibt Best in „Prom Night“: „Aufgrund gegenkultureller Bewegungen, Antikriegsprotesten und einer Einstellung gegen das Establishment brachten viele ‚respektlose‘ Jugendliche die Proms zum Stillstand.“

1975: Susan Ford und ihr Date William Pifer tanzen beim Holton Arms School Senior Prom von 1975, der im East Room des Weißen Hauses stattfand. (Bild: Getty Images)

In den 1970ern waren viele Prom-Kleider weiter im Schnitt – was den generellen Trend dieser Zeit widerspiegelte – ohne jegliche Definition der Taillenlinie. Anders als die trägerlosen Kleider mit engen Miedern oder die ärmellosen Stile, die in den vergangenen Jahrzehnten die Prom-Kleider dominierten, tendierten diese Kleider zu Off-Shoulder-Designs, oft mit spitzenverzierten Ausschnitten oder langen Ärmeln, die durchsichtig oder bauschig waren.

Auf der Kinoleinwand zeigte „Carrie – Des Satans jüngste Tochter“ eine weniger glamouröse Variation des Trends: ein simples Kleid mit Spaghettiträgern und fließendem Rock. Ein weiteres legendäres Prom-Kleid der 70er wurde beim ersten und einzigen Prom getragen, der im Weißen Haus stattfand: Susan Ford, Tochter von Präsident Ford, trug ein fließendes, lachsfarbenes Jersey-Kleid, das von Albert Capraro entworfen wurde, einem ehemaligen Assistenten von Oscar de la Renta. Das Kleid hatte ein paar Knöpfe sowie eine riesige Orchideen-Corsage (so wie ihre Klassenkameradinnen).

1976: Carrie White, gespielt von Sissy Spacek, wird in Brian De Palmas Horrorfilm „Carrie – Des Satans jüngste Tochter“ überraschend zur Prom-Queen gewählt. (Bild: Getty Images)

Ein großer Meilenstein der Prom-Mode in den 70ern war die Gründung von Jessica McClintock: die Marke, die von einer ehemaligen Lehrerin ohne jegliche Designausbildung ins Leben gerufen wurde, wurde in den 80ern und 90ern zum Synonym für Prom-Kleider. Auch mit Kleidern für Brautjungfern und weiterer Festmode war das Unternehmen in diesen Jahrzehnten extrem erfolgreich. Während die Designerin selbst 2014 in den Ruhestand ging und ihre Geschäfte, die ihren Namen trugen, zur gleichen Zeit geschlossen wurden, hält das Label nach wie vor die Lizenzen für einige Produkte, etwa Parfums.

1986: Jon Cryer und Molly Ringwald im Film „Pretty in Pink“ (Bild: Everett Collection)

Der Überschwang aller Dinge in den 80ern machte auch vor Prom-Kleidern nicht Halt. Der extravagante Überfluss der Ära zeigte sich in mega-puffigen Details wie übergroßen Schleifen oder Rüschen und glänzend metallischen Materialien. Die Haare wurden toupiert oder gekräuselt und das Make-up dieser Zeit war ähnlich überladen: grelle Augenlider, Unmengen an Selbstbräuner und stark betonte Lippen.

Aber die erinnerungswürdigsten Prom-Kleider der 80er konnte man im Kino bestaunen, wo die Teenie-Filme – auch zu einem nicht unerheblichen Teil dank John Hughes’ Komödien – zu einem extrem beliebten Genre des Jahrzehnts wurden. Denken Sie beispielsweise an das blassrosa Kleid – eine Secondhand-Nummer – das Andie (Molly Ringwald) im bahnbrechenden Teenie-Klassiker „Pretty in Pink“ von 1986 trägt.

1990er: Jennie Garth und Shannen Doherty in „Beverly Hills 90210“. (Bild: Fox)

Anfang der 90er ähnelten die Prom-Kleider denen aus den 80ern, da sie viele Rüschen und Metallicfarben hatten. Herzausschnitte wurden bei Prom-Bällen (und bei schicken Anlässen im Allgemeinen) sehr beliebt und während die engen Oberteile erhalten blieben, veränderte sich der Schnitt leicht und die Taillennaht saß nun mehr Richtung Hüften.

Kürzere Röcke und dramatische Ausschnitte waren auch weit verbreitet bei den Porm-würdigen Minikleidern der frühen 90er. Ein gutes Beispiel: die beiden identischen schwarzen Röhrenkleider mit riesigen weißen Schleifen am Off-Shoulder-Ausschnitt getragen von Brenda Walsh (Shannen Doherty) und Kelly Taylor (Jennie Garth) in einer Folge von „Beverly Hills 90210“ von 1993. Dieser Look war so legendär, er inspirierte ein Jahrzehnt später sogar ein Design für den Laufsteg, als Designer Isaac Mizrahi für seine Resort 2011-Kollektion ein ähnliches Kleid präsentierte.

1999: Julia Stiles und Heath Ledger in „10 Dinge, die ich an dir hasse“. (Bild: Everett Collection)

Etwas später im selben Jahrzehnt dominierten glatt fallende Spaghettiträgerkleider oder der Etui-Stil. Das erinnert an den legendären und verhängnisvollen Stil, den Sissy Spacek in „Carrie – Des Satans jüngste Tochter“ (und mit Schweineblut durchtränkt) zwei Jahrzehnte zuvor trug. Diese Stile spiegelten das wider, was man in dieser Zeit auf dem Laufsteg sehen konnte, am prägnantesten in Calvin Klein-Kollektionen der 90er. Zwei unvergessliche Teenie-Filme, die 1999 ins Kino kamen, griffen diesen Stil auf: Kat Stratford (Julia Stiles) in einem dunkelvioletten Kleid mit lavendelfarbener Stola in „10 Dinge, die ich an dir hasse“ und Laney Boggs (Rachael Leigh Cook) in ihrem Prom-Outfit nach dem Makeover, ausgestattet mit einem glitzernden kleinen Schwarzen mit dünnen Trägern.

1999: Rachael Leigh Cook in „Eine wie keine“. (Bild: Everett Collection)

Weitere beliebte Schnitte der 90er waren Kleider mit dünnen Neckholdern, die viel Schulter und Rücken zeigten. Was die Länge betrifft, so sah man auf den Tanzflächen der 90er Prom-Bälle eine Mischung aus bodenlangen Kleidern und Minikleidern.

Rachel Bilson und Mischa Barton in „O.C., California“. (BIld: Fox)

Das neue Jahrtausend brachte einen bunten Mix von Prom-Trends hervor (ausgelöst von den vorherrschenden Modetrends der Zeit). Denken Sie an Ballonkleider oder absolut unrealistische Looks direkt vom Laufsteg von Chanel wie sie Marissa Cooper (Mischa Barton) 2006 zu ihrem Prom in der Serie „OC., California“ trug. Trägerlose Kleider mit vielen Raffungen waren und sind noch immer sehr beliebt, oft haben sie glitzernde Verzierungen und sehen aus wie bunte, etwas weniger voluminöse Hochzeitskleider. Herzausschnitte, einschultrige Kleider und Neckholder waren auch beliebt.

Prom-Kleider-Stile haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten definitiv weiterentwickelt – und wurden schillernder – und sind dabei zu einem umstritteneren Thema geworden. Manche Schulen haben strenge und häufig sexistische Kleidervorschriften eingeführt, die vor allem kontrollieren, was Mädchen zum Ball tragen und was sie nicht tragen dürfen. Ab 2010 sah man immer öfter gewagte Prom-Kleider, zum Beispiel mit dramatischen Cutouts, die aussehen wie der entblößendste Look einer Miss Universe oder ein Look für einen professionellen Tanzwettbewerb.

Die sozialen Medien und die sich verändernden Stile der Promis auf dem roten Teppich sind zu großen Teilen mitverantwortlich für die freizügigeren Prom-Looks, zu denen zweiteilige Outfits, ultrahohe Schlitze und durchsichtige Overlays über superkurzen Minikleidern gehören (Letzteres gibt einem potenziell umstrittenen Schnitt ein Gefühl von Anstand).

Was Prom-Kleider in den 2020ern und darüber hinaus angeht, so werden diese vielleicht mit den Stilen übereinstimmen, die derzeit die Tanzflächen dominieren. Oder die 20er läuten eine völlig neue Ära an Abschlussballkleidern ein und setzen die jahrzehntelange Tradition fort, sich für ein letztes, festliches Hurra der Teenager-Jahre aufzutakeln.

Alexandra Ilyashov