Strafzölle: Auch die EU denkt nur an sich

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag sollen die Schutzzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte, die US-Präsident Donald Trump vor zwei Wochen angeordnet hat, in Kraft treten. (Bild: Getty Images)

Morgen wird sich entscheiden, ob die Vereinigten Staaten nun Strafzölle auf Stahl und Aluminium auch für Europa erheben werden oder nicht. Käme es so, wäre die Empörung groß. Dabei ist es keinesfalls so, dass die USA die einzigen sind, die Strafzölle erheben.

Am 1. Oktober 2014 ließ die EU ihre Macht spielen. Jahrzehntelang durften afrikanische Staaten viele Produkte wie Kaffee, Tee, Bananen oder Erdnüsse zollfrei in die EU exportieren. Als Kenia sich dann aber weigerte, ein schlechteres neues Handelsabkommen zu unterzeichnen, bekam das ostafrikanische Land die Folgen zu spüren.

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Sprich: Die EU erhob Strafzölle, die besonders fair gehandelte Schnittblumen verteuerten. Laut Schätzungen des Kenia Flower Councils arbeiteten zu der Zeit 500.000 Menschen auf 90.000 Blumenfarmen, Kenia war der führende Exporteur von Schnittblumen nach Europa. Auch in Deutschland stammte jede vierte Rose im Blumenladen aus dem afrikanischen Land.

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Organisationen wie „Brot für die Welt“ wiesen darauf hin, wie wichtig Fairtrade als Mittel ist, mit dem die Einwohner armer Länder sich selbst aus der Misere befreien könnten. Vergebens. Während sich andere Länder wie Angola, Südafrika und Namibia schließlich dem Druck aus der EU beugten und das Economic Partnership Agreement (EPA) unterzeichneten, blieb Kenia hart. In der Folge kam es wie befürchtet zu Entlassungen in landwirtschaftlichen Betrieben und auf den Blumenfarmen. Die wirtschaftlichen Einbußen waren so groß, dass sich Kenia zwei Jahre später zum Einlenken gezwungen sah und die Verträge doch noch unterzeichnete.

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Dabei sind es Abkommen wie dieses, die dazu führen, dass sich die Armutsspirale armer Länder immer weiter dreht. Während deutsche Unternehmen Schlachtabfälle und Überproduktion aus subventionierten deutschen Hühnerfarmen nach Afrika exportieren und den Markt mit billigem Fleisch überschwemmen, bleiben die lokalen Bauern auf ihren Hühnern sitzen. Leider nur eines von vielen Beispielen.

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