Die Ehe für alle ist ein wichtiger Schritt für Deutschland

Nicht nur die Grünen hatten heute einen Grund zum Feiern – die Ehe für alle kommt! (Bild: Wolfgang Kumm/dpa)

Jahrzehntelang verschleppt, nun im Galopp durchgezogen: Der Bundestag beschließt die Ehe für alle. Dass es so lange dauerte, ist nur zum Schämen.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Historiker werden in wenigen Jahrzehnten in der Betrachtung deutscher Geschichte auf diesen Tag schauen und den Kopf schütteln. Sie werden verwundert feststellen, wie lange es dauerte, eine Selbstverständlichkeit in Norm zu gießen. Dieses ist mit der Ehe für alle passiert.

Eine Ehe ist keine Petitesse, sie ist eine Keimzelle unserer Gesellschaft – nicht die einzige, aber Konservative werden zu Recht nicht müde zu betonen, wie wichtig diese Institution ist. Umso verstörender ist, dass sie einigen Menschen nicht vorbehalten gewesen ist. Das Verbot für Homosexuelle, eine Ehe einzugehen und Kinder zu adoptieren, war nichts anderes als Diskriminierung.

Angela Merkel stimmte gegen das neue Gesetz, und zwar mit der Begründung: “Für mich ist die Ehe im Grundgesetz die Ehe zwischen Mann und Frau.” Dieser Satz hat große Chancen, als dümmster Satz des Jahres aus dem Mund der Kanzlerin dokumentiert zu werden. Haben Frauen und Männer, wenn sie den Bund miteinander schließen wollen, bisher Probleme gehabt? Wurde ihnen etwas verwehrt, dass sie speziell und anders behandelt werden sollten als Frauen mit Frauen oder Männer mit Männern? Mann und Frau müssen nicht besonders geschützt werden. Daraus lässt sich nur folgern, dass anderen die Ehe nicht verwehrt werden darf – es sei denn, man hat einen Knacks mit Homosexualität.

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In Neuseeland seit 2013 Realität, kommt die gleichgeschlechtliche Ehe jetzt auch nach Deutschland. (Bild: Amanda Wignell Photography/dpa)

Was ist das Kindeswohl?

Welcher halbwegs geradeaus schauende Mensch kann ohne rot zu werden behaupten, ein homosexuelles Paar sei wegen seiner Sexualität nicht qualifiziert genug, sich um eine Adoption zu bemühen? Diesen Nonsens können nur Leute behaupten, die das Wort Pädagogik entweder nicht buchstabieren können oder wollen. Ob Menschen in der Lage sind für Kinder zu sorgen, für sie da zu sein, Verantwortung tragen und in der Vorbildfunktion zu wachsen – das erweist ihre Persönlichkeit, ihr Empathievermögen, ihre Sozialkompetenz. Ein bisschen Kohle kann auch nicht schaden. Aber mit wem sie ins Bett gehen ist so relevant fürs Kindeswohl, und darum geht es ja im Kern, wie ein Glas Nutella für ein Salamibrötchen.

Die heutige Bundestagsentscheidung ist ein Sieg für einige wenige Politiker, vor allem bei den Grünen, die als Rufer in der parlamentarischen Wüste über viele Jahre hinweg für dieses Recht einstanden und die dafür von jenen dafür belächelt wurden, die in der Tradition jahrzehntelanger Diskriminierung von Homosexuellen in der deutschen Gesetzgebung stehen. Es ist gar nicht so lange her, als Schwule ins Gefängnis gesteckt wurden, ihre Jobs verloren – und das nur, weil sie eine Minderheit waren. Mit der konnte man es ja.

Dass Merkel diese offene Wunde des Rechtssystems heute im Grunde en Passant schließen ließ, irgendwie nebenbei, ist egal. Zu groß ist die Wirkung dieses neuen Gesetzes. Es wäre auch ein Segen für Deutschland, hätten die Parlamentarier es in der Bundestagskantine beschlossen. Und dieses neue Gesetz stärkt das Abendland. Es beruft sich auf alte Werte des Selbstrespekts und des vor anderen, auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit und auf die banale Regel: Ein Gesetz gilt für alle. Nun eben auch die Ehe.

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