Die besten, schlechtesten und umstrittensten Serienenden aller Zeiten

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Der Drache spukt Feuer und die Drachenmutter Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) schäumt vor Wut - genauso wie die Fans am Ende von "Game of Thrones" (Bild: ddp/INTERTOPICS/LMKMEDIA Ltd.)
Der Drache spuckt Feuer und die Drachenmutter Daenerys Targaryen (Emilia Clarke) schäumt vor Wut - genauso wie die Fans am Ende von "Game of Thrones" (Bild: ddp/INTERTOPICS/LMKMEDIA Ltd.)

Das Finale von "Game of Thrones" hat Millionen Fans enttäuscht. Doch die Fantasy-Serie ist nicht die einzige, deren Ende die Autoren vergeigt haben. Die Geschichte des Fernsehens ist gespickt mit Serien, die vielversprechend beginnen und unrühmlich enden. Doch zum Glück gibt es immer wieder auch Serien, die uns von Anfang an bis zum Schluss bei der Stange halten. Dazwischen liegen solche Serien, über deren Finals Fans und Nicht-Fans erbittert streiten. Im Folgenden ein Überblick über einige katastrophale, großartige und umstrittene Serienenden.

Die Geschichte der Gattung Serie ist auch eine Geschichte gelungener, misslungener und umstrittener Serienenden. Die Riesenaufregung um das Finale von "Game of Thrones – Das Lied von Eis und Feuer" hat einmal mehr bewiesen: Serienmacher sind nicht zu beneiden – und schon gar nicht in Zeiten von Internet-Petitionen und Hate-Posts. Zwar müssen sie sich wie jeder kreative Schöpfer auch der Reaktion des Publikums aussetzen. Doch ist die Wechselwirkung zwischen Kunstwerk und Publikum, Schöpfer und Fan in keiner anderen erzählerischen Gattung so groß wie hier. Die Masse macht's möglich.

Heftige Reaktionen der Zuschauer – seien es negative oder positive – können Serienmacher nicht kalt lassen. Weshalb sie schon mal unter dem Druck stehen, eine Balance zu finden zwischen dem, was sie erzählen wollen und dem, was Zuschauer von ihnen erwarten. Die ideale Situation, dass der Erzähler mehr oder weniger unbeeindruckt von Erzählkonventionen und den Erwartungen des Publikums sich einzig seinem Werk widmet, ist bei einer Fernsehserie eher die Ausnahme als die Regel.

Ein Serienschöpfer steht also auf verlorenem Posten. Ist er gegenüber Form und Inhalt seines Werks integer, enttäuscht er das Lager, das eine andere Vorstellung davon entwickelt hat. Gibt er dem Druck der Erwartung nach, muss er sich des Vorwurfs anderer Hardliner erwehren, sein Werk bis hin zum Ethos von der künstlerischen Integrität und Freiheit verraten zu haben. Entsprechend harsch geriet das Vokabular vieler Fans für die Serienschöpfer und Chefautoren von "Game of Thrones", David Benioff und D. B. Weiss, die ihre geliebte Serie ihrer Meinung nach mit den letzten Folgen an die Wand gefahren haben.

Serien mit katastrophalen Enden

Der Königsflüsterer Tyrion Lannister (Peter Dinklage) und der Kniebeuger Jon Snow (Kit Harington) aus "Game of Thrones" (Bild: ddp/INTERTOPICS/LMKMEDIA Ltd.)
Der Königsflüsterer Tyrion Lannister (Peter Dinklage) und der Kniebeuger Jon Snow (Kit Harington) aus "Game of Thrones" (Bild: ddp/INTERTOPICS/LMKMEDIA Ltd.)

"Game of Thrones" – Es ist in den letzten Tagen viel diskutiert und geschimpft worden über das Ende von "Game of Thrones". Der Ursachenkern für die Enttäuschung vieler Fans wurde selten beim Namen genannt, er schwang aber mit jeder Unmutsäußerung mit. Benioff und Weiss verloren zunehmend den Blick fürs Wesentliche, nämlich ihren Stoff. Sie fügten sich dem Diktat der Zuschauer, wagten es nicht, die Geister loszuwerden, die sie und George R.R. Martin, der Autor der Buchvorlagen, mit der ersten Staffel geweckt hatten. Wenn sie Daenerys Targaryen im Finale abertausende Menschen auslöschen lassen, dann mutet das nicht deshalb absurd an, weil sie nicht die Zeit hatten, diese Entwicklung vorzubereiten. – Meine Damen und Herren, mit Verlaub, acht Staffeln sollen nicht genug sein, um einem Stoff erzählerisch beizukommen? Muss ein Künstler nicht die Welt in eine Nussschale legen können? Nein, nein – Benioff und Weiss gaben den Zuschauern, was sie an jedem Staffelende erwarteten: eine unerwartete Wendung, eine atemstockende Überraschung, einen Effekt, einen Mindblow, einen Schock. Wer sein Werk so wenig achtet, dem sollten wir es nachtun. Punkt, Ende der traurigen Geschichte.

Am Ende von "Lost" waren selbst die Autoren der Mystery-Serie verloren. (Bild: ddp images/CAMERA PRESS/Jerry Watson)
Am Ende von "Lost" waren selbst die Autoren der Mystery-Serie verloren. (Bild: ddp images/CAMERA PRESS/Jerry Watson)

Lost – Eines werden Benioff und Weiss mit "Game of Thrones" sicher geschafft haben, nämlich J.J. Abrams, Jeffrey Lieber, Damon Lindelof zu entthronen als geistige Schöpfer des bis dahin wohl am meisten enttäuschenden Serienfinales. Lange hatte "Lost" eine spannende Geschichte von den Überlebenden eines Flugzeugunglücks erzählt. Die Mystery-Serie bezog ihren Reiz aus dem spannenden Überlebenskampf der Figuren auf einer Insel, ihren mysteriösen Erlebnissen im Niemandsland, ihrer Beziehung zu einander und ihrer differenzierten Charakterzeichnung. "Lost" war lange eine gelungene Mischung aus Katastrophendrama, Mystery, Verschwörungsthriller und Horror – im Rahmen einer interessanten Robinsonade-Variation. Viele Fragen der Zuschauer standen sechs Staffeln lang im Raum, auf die es in der letzten Episode dann folgende Antwort gab: In Wahrheit waren alle tot. Von diesem Schlag erholen sich viele Fans noch heute.

Noch haben Dan (John Goodman) und Roseanne (Roseanne Barr) gut lachen. Am Ende wird ihre Sitcom "Roseanne" immer düsterer und die Ideen der Autoren immer kruder. (Bild: ddp images / United Archives)
Noch haben Dan (John Goodman) und Roseanne (Roseanne Barr) gut lachen. Am Ende wird ihre Sitcom "Roseanne" immer düsterer und die Ideen der Autoren immer kruder. (Bild: ddp images / United Archives)

Roseanne – In "Roseanne" waren die Zuschauer zwar nicht mit den Geistern von Toten konfrontiert, dafür mit den Charakteren eines Tagebuchs. Denn am Ende der in den 1980er und 1990er Jahren extrem populären Sitcom erfährt man, dass so manches Ereignis der vorausgegangenen Episoden aus der Fantasie der Tagebuchautorin Roseanne entsprungen war. Ehemann Dan hat in Wahrheit in der vorletzten, also achten Staffel seine Krebserkrankung nicht überlebt, er hat Roseanne auch nicht betrogen, und der Lottogewinn der Conners war auch nur Wunschdenken. Ganz real war dagegen der Frust der Fans, die sich mit dem Ende der Serie schlicht veräppelt fühlten.

Wer ist die Mutter von Ted Mosbys zukünftigen Kindern? Die Antwort hat Millionen Fans enttäuscht. (Bild: ddp/interTOPICS/mptv)
Wer ist die Mutter von Ted Mosbys zukünftigen Kindern? Die Antwort hat Millionen Fans enttäuscht. (Bild: ddp/interTOPICS/mptv)

How I Met Your Mother – Das Finale von "How I Met Your Mother" konnte eigentlich nicht anders als enttäuschen. Schon der Titel baut eine Erwartungshaltung auf, der die Autoren nur schwer gerecht werden konnten. In der Sitcom erzählt der Architekt Ted Mosby seinen Teenager-Kindern, wie er ihre Mutter kennengelernt hat. Für den Zuschauer stellt sich darüber hinaus die spannende Frage, wer denn überhaupt die Mutter ist. Wer sich neun Staffeln lang durch die Erzählung der wahrscheinlich unerträglichsten männlichen Figur der Fernsehgeschichte durchgekämpft hat, wer die Kaskade an Kitsch, Pathos und Gefühlsduselei endlich überstanden hat, der bekam am Ende folgende Antwort: Die Mama heißt nicht Robin und auch nicht Stella. Ihr Name ist Tracy, die hat Ted an einem Bahnhof kennengelernt und die verliert er schon bald an den Tod. Am wenigsten hat dieser Verlust wohl Ted selbst geschert. Seine große Liebe blieb nach den endlosen Hins und Hers Robin. Vor ihrer Tür steht der sentimentale Romantiker am Ende wieder – natürlich mit dem blauen Horn in der Hand.

Serien mit gefeierten Enden

Letztich liegen alle Menschen "Six Feet Under" (Bild: ddp/interTOPICS/mptv)
Letztich landen alle Menschen "Six Feet Under" (Bild: ddp/interTOPICS/mptv)

Six Feet Under – Dass man eine Serie beenden kann, ohne die Zuschauer zu verärgern und dem Erzählstoff dennoch gerecht zu werden, auch dafür gibt es in der Seriengeschichte zum Glück genug Beispiele. Allen voran das Finale von "Six Feet Under". Die Serie kreist um zwei Brüder, die nach dem Ableben ihres Vaters dessen Bestattungsinstitut weiterführen. Der Tod spielt also eine wichtige Rolle, der Titel verweist darauf, dass in den USA die Toten in einer Tiefe von sechs Fuß begraben werden. Jede Folge beginnt mit einem Todesfall, am Ende bekommt Gevatter Tod auch die Hauptfiguren der Serie. In einer Vorschau erfahren wir, wann und wie sie alle das Zeitliche segnen. Während die Zuschauer den Tränen nahe sind, singt Sia "Breathe Me".

Walter White (Bryan Cranston) und Jesse Pinkman (Aaron Paul) auf Abwegen in "Breaking Bad" (Bild: ddp/interTOPICS/PictureLux)
Walter White (Bryan Cranston) und Jesse Pinkman (Aaron Paul) auf Abwegen in "Breaking Bad" (Bild: ddp/interTOPICS/PictureLux)

Breaking Bad – Auch die Fans von "Breaking Bad" waren glücklich mit dem Finale. Dass der an Krebs erkrankte, zu einem Drogenbaron aufgestiegene Chemiker Walter White am Ende sterben wird, ist von Anfang an klar. Wie das passiert, verdient die Bezeichnung spektakulär. Eine Gang hat Walters Partner Jesse entführt. Walter findet sich im Haus der Bande ein. Die Situation eskaliert. Walter wirft sich auf Jesse und reißt ihn mit zu Boden. Über einen Fernauslöser aktiviert er den Mechanismus am Maschinengewehr, das in einem vor dem Gebäude geparkten Auto montiert ist. Das Gewehr geht los, macht tausend Löcher ins Haus und etwa genauso viele in die Körper der Gangster. Dann ist es still, die Bösen sind alle tot, Jesse am Leben, Walter schwer verletzt. Großer Abschied, große Versöhnung, während das Maschinengewehr noch immer hin und her schwenkt. Die Polizei kommt – wie immer zu spät, Walter bricht zusammen, wird endlich erlöst. Musik, Abblende. Alles gut.

David Lynch (links) und Kyle MacLachlan schufen mit der dritten Staffel von "Twin Peaks" ein Meisterwerk. (Bild: ddp/Sthanlee Mirador/Sipa USA)
David Lynch (links) und Kyle MacLachlan schufen mit der dritten Staffel von "Twin Peaks" ein Meisterwerk. (Bild: ddp/Sthanlee Mirador/Sipa USA)

Twin Peaks – Eine der besten Serien aller Zeiten bekam 2017 endlich eine dritte Staffel, die sie noch besser machte. Doch kaum einer hat sie gesehen. Vielleicht deshalb, weil man sie nicht verstand oder sich gar nicht erst die Mühe geben wollte, sie zu verstehen. Denn so radikal wie David Lynch hat nie zuvor ein Filmemacher eine Seriengeschichte erzählt. "Twin Peaks" Staffel drei war ein einziger Traum, die Bilder rätselhaft und surreal, die Erzählung ziellos bis hin zu auf der Stelle tretend. Als Zuschauer wähnt man sich im freien Fall, will sich verzweifelt an was Griffigem festklammern. Man hofft auf das große Ende, das die Klammer endlich schließt, dem Erzählten endlich Sinn verleiht. Doch dann gibt es nur den schrillen Schrei von Laura Palmer, der einen bis ins Mark trifft. Das Ende war groß, die Fragen blieben alle offen.

Serien mit umstrittenen Enden

Die Soranos gilt für viele als die beste Serie, die jemals gedreht wurde. James Gandolfini spielt darin die Hauptrolle des Mafia-Paten Tony Soprano. (Bild: ddp/interTOPICS)
"Die Sopranos" gilt für viele als die beste Serie, die jemals gedreht wurde. James Gandolfini spielt darin die Hauptrolle des Mafia-Paten Tony Soprano. (Bild: ddp/interTOPICS)

Die Sopranos – Es gibt enttäuschende Serienenden und solche, die großartig sind. Und dann gibt es Finals, über deren Qualitäten sich die Zuschauer nicht einig sind – und die vielleicht genau deshalb die interessantesten sind. So wie das Ende der Kultserie "Die Sopranos" um den psychisch lädierten Mafiaboss Tony Soprano. Nach vielen Höhe- und Tiefpunkten in der Karriere des Gangsters landet die Erzählung samt Hauptfiguren in einem Diner. Tony ist hier und bald treffen auch Frau und Sohn ein. Es fehlt noch Tochter Meadow. Während die Drei warten und Meadow draußen mit einer Parklücke zu kämpfen hat, geht ein Mann Richtung Toilette. Wir wissen seit "Der Pate", was passiert, wenn Gangster aufs Klo gehen – sie kommen schon mal gerne mit einer Waffe und bösen Absichten wieder. Plötzlich schellt die Türglocke. Ist Meadow eingetreten? Tony Schaut auf, die Regie blendet ab. Episode, Staffel und Serie sind zu Ende. Seit dem ist der Streit über diesen Einfall nicht abgeebbt.

Szene aus "Mad Men": Nach vielen Irrwegen findet Don Draper (Jon Hamm) den inneren Frieden. (Bild: ddp/INTERTOPICS/LMKMEDIA Ltd.)
Szene aus "Mad Men": Nach vielen Irrwegen findet Don Draper (Jon Hamm) den inneren Frieden. (Bild: ddp/INTERTOPICS/LMKMEDIA Ltd.)

Mad Men – Diese Serie bestand aus Whiskey und Zigaretten, aus coolen Posen, geleckten Frisuren und schicken Klamotten schöner Menschen, die es faustdick hinter den Ohren hatten. Dreh- und Angelpunkt der Geschichte war das Werbegenie Don Draper, der coolste, schönste, am meisten Kette rauchende, Whiskey trinkende und: der abgründigste von allen. Die inneren Dämonen dieses Charakters, die ihre Wurzeln in seiner dunklen Vergangenheit haben und sein selbstzerstörerisches Handeln in der Gegenwart bestimmen, war eine der Stärken von “Mad Men”. Was soll man aber am Ende mit einer Serienfigur anstellen, die am Rande eines Abgrunds steht? Sie abstürzen lassen oder sie retten? Die Autoren um Serienschöpfer Matthew Weiner entschieden sich für letzteres – und damit für ein Happy End. Freunde von Wohlfühl-Enden machte das glücklich, manch anderem war der Zuckerguss zu süß.

Sie dachten immer nur an sich. Deswegen hat Chefautor Larry David am Ende von "Seinfeld" Jerry (Jerry Seinfeld), Elaine (Julia Louis-Dreyfuss), George (Jason Alexander) und Kramer (Michael Richards) ins Gefängnis geschickt. (Bild: ddp/interTOPICS/Picturelux)
Sie dachten immer nur an sich. Deswegen hat Chefautor Larry David am Ende von "Seinfeld" Jerry (Jerry Seinfeld), Elaine (Julia Louis-Dreyfuss), George (Jason Alexander) und Kramer (Michael Richards) ins Gefängnis geschickt. (Bild: ddp/interTOPICS/Picturelux)

Seinfeld – Die Serie über das Nichts bietet doch so Vieles, weshalb "Seinfeld" für etliche Zuschauer noch immer die beste Sitcom aller Zeiten ist – des Autors dieses Textes inklusive. Über das Ende wird in einem erbitterten Meinungsstreit aber noch immer gefochten. Jerry, George, Elaine und Kramer müssen beim Flug nach Paris in einem Kaff namens Latham in Massachusetts notlanden. Hier werden die Vier bald Zeugen eines Überfalls. Statt dem übergewichtigen Opfer zu helfen, machen sie sich über dessen Fettleibigkeit lustig und halten Überfall und Beleidigungen auch noch mit der Kamera fest. Ein Polizist ertappt sie auf frischer Tat und verhaftet sie. Warum? In Massachusetts steht unterlassene Hilfeleistung unter Strafe. Es kommt zum Prozess, bei dem alle jene Figuren gegen Jerry und Co. aussagen, denen sie in den letzten neun Staffeln übel mitgespielt hatten. Sie werden verurteilt und ins Gefängnis geworfen. So weit so normal – doch die Strafe hat auf einer Metaebene eine weitere Bedeutung. Bestraft werden die Vier auch von den Autoren der Serie – allen voran Larry David – für das egoistische, ignorante und oft zynische Verhalten, das sie in den letzten neun Jahren an den Tag gelegt hatten. Also wir, ich und die anderen, halten diesen Einfall für brillant.

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