Die besten inoffiziellen Filmtrilogien

Die Kinolandschaft ist überfüllt mit Fortsetzungen und die Filmtrilogie ist seit je her besonders beliebt bei Filmemachern. Aber was ist mit den Drehbuchautoren und Regisseuren, deren Filme nicht durch spezielle Handlungsstränge, sondern durch abstraktere, thematischere Aspekte verbunden sind? Hier sind einige der besten Beispiele:

Die Cornetto-Trilogie – Simon Pegg & Edgar Wright
Die Filme: „Shaun of the Dead“, „Hot Fuzz“, „The World’s End

Bild: Universal/StudioCanal/Focus Features

Der Name der Trilogie entstand, nachdem der Regisseur eine Interviewfrage über die Präsenz von Eiscreme in „Shaun“ und „Fuzz“ scherzhaft beantwortete, indem er sagte, sie würde demonstrieren, dass seine Filme wie die Arthouse-Klassiker der „Drei Farben…“-Serie seien. Peggs und Wrights Filme teilen sich selbstverständlich die Hauptdarsteller, aber sie versprühen auch dasselbe unverwechselbare britische Flair (und nichts ist so britisch wie Cornetto, richtig?) – und sie teilen sich die Aussage des Duos, dass vieles von dem, was wir sehen, aus ihrer Leidenschaft für Action- und/oder Horrorfilme der 1970er und 1990er hervorgeht („Hast du jemals deine Waffe in die Luft abgefeuert und ‚Aaaarrggggh’ gebrüllt?“)

„Shaun“ zeigt ein rotes Cornetto, das für Blut und Eingeweide steht, „Hot Fuzz“ hat ein blaues, wie die dünne blaue Linie der Polizei, während es in der Alien-Komödie „The World’s End“ grün ist – eine Anspielung auf die kleinen grünen Männchen. Mit dem Fortschreiten der Trilogie gibt es auch zahlreiche andere Referenzen auf frühere Filme, etwa der wiederkehrende Witz über Zäune.

Die Daughter-Trilogy – Pete Docter & Pixar
Die Filme: „Die Monster AG“, „Oben“, „Alles steht Kopf“

Bild: Disney/Pixar

Alle drei Klassiker wurden auf die eine oder andere Weise von der Beziehung zwischen Pixar-Regisseur/Autor Docter und seiner kleinen Tochter Elie inspiriert. Beim ersten und beim letzten ist es offensichtlich: In der „Die Monster AG“ geht es um den Einfluss, den ein Kind auf die sogenannten Monster um sie herum hat und wie ein Kind dein Leben verändern kann. Kein Grund, hier Freud zu Rate zu ziehen. Genauso handelt „Alles steht Kopf“ von einem jungen Mädchen, das ihre Unschuld verliert – ein Kind, das erwachsen wird und mit launischen Erwachsenengefühlen umgehen muss.

Produzent Jonas Rivera erzähle Yahoo: „Es gibt nichts, was man tun kann, während die Tage verfliegen und deine Kinder erwachsen werden, und das ist echt cool und großartig, aber es ist auch etwas tragisch.“

Und was „Oben“ betrifft… Tja, Elie stellte ihre Stimme für die Kinderversion von Carls verstorbener Frau zur Verfügung und der Charakter heißt Ellie (mit zwei L). Ganz offensichtlich war Ellie’s Tod einer der tragischsten Momente, den es je in einem Pixar-Film gab, und es ist wahrscheinlich, dass Docter Sr. nicht dieses Thema per se behandeln wollte.

Aber was sagen Sie dazu: Bevor sie als alte Frau stirbt, schreibt Ellie in ihr Abenteuerbuch, dass Carl losziehen und zu einem neuen Abenteuer aufbrechen soll. Jeder Erwachsene mit Schulden und Verantwortung kann bezeugen, dass die Wahrung der eigenen Träume inmitten des banalen Alltags sehr schwierig sein kann. Vielleicht sagt Docter uns damit, dass es wichtig ist, auf unser inneres Kind zu hören und dass wir uns ständig daran erinnern sollen, dass man sich daran erinnern muss, was im Leben wirklich wichtig ist?

Die Vengeance-Trilogie – Chan-wook Park
Die Filme: „Sympathy for Mr Vengeance“, „Oldboy“, „Lady Vengeance“

Bild: CJ Entertainment/Tartan

Unglaublich brutale Charaktere, die nach Rache sinnen – Parks Spitzname ist Mr. Vengeance.

Das koreanische Genie nutzt seine Filme, um das Publikum herauszufordern. Er sagte einmal: „Zu leben, ohne Menschen zu hassen, ist beinahe unmöglich… man kann dieses Gefühl haben, man sollte es nur nicht seine Handlung bestimmen lassen.“

Doch diese Trilogie aus brutalen, poetischen Thrillern wirft auch andere wichtige moralische Fragen auf, etwa die Frage, wann Gewalt gerechtfertigt ist und wie die Menschen sich verändern, wenn sie mit unvorstellbarer Brutalität konfrontiert sind.

Park ist allerdings ein weiterer Filmemacher, der sagt, dass er diese inoffizielle Trilogie den Medien verdankt. Nachdem er mit Fragen bombardiert wurde, weshalb er zwei Filme mit ähnlichem Thema gemacht hatte, antwortet er:„Ehe ich es mich versah, kündigte ich an, dass ich nicht zwei, sondern drei Filme über Rache machte. Es war eigentlich eine spontane Aussage in einem Interview und ich bedauere sie zutiefst, aber ich konnte etwas, das ich in der Öffentlichkeit gesagt habe, nicht mehr zurücknehmen.“

Die Spaghetti-Western – Sergio Leone
Die Filme: „Eine Handvoll Dollar“, „Ein paar Dollar mehr“, „Zwei glorreiche Halunken“

Bild: United Artists

Einige Menschen sind überrascht zu erfahren, dass die drei Filme zwar demselben Genre zugeordnet sind und denselben Hauptdarsteller haben (Clint Eastwood), der den Fremden ohne Namen spielt, sie aber trotzdem keine traditionelle Trilogie sind.

Clint ist sogar in jedem der Filme unter einem anderen Namen bekannt – die Idee, dass sie irgendwie zusammenhängen, war eigentlich Teil einer Marketingstrategie des Filmverleihs United Artists. Und Lee Van Cleef spielt in „Für ein paar Dollar mehr“ und „Zwei glorreiche Halunken“ zwei unterschiedliche Charaktere.

Die Vietnam-Trilogie – Oliver Stone
Die Filme: „Platoon“, „Geboren am 4. Juli“, „Zwischen Himmel und Hölle“

Bild: Hemdale

Wie bei jedem, der im Krieg war, beeinflusste auch Stones Erfahrung als Soldat im Vietnamkrieg sein gesamtes Tun. Doch nirgends zeigte sie sich so deutlich wie in dieser zutiefst persönlichen, schonungslosen und hoffentlich kathartischen Filmtrilogie, die den Konflikt aus einer Vielzahl unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.

Der oscarprämierte Film „Platoon“ ist einer der größten Kriegsfilme aller Zeiten, der das Massaker aus der Sicht eines jungen Soldaten zeigt, während „Geboren am 4. Juli“ die Geschichte des Kriegsgegners Ron Kovic erzählt, einem ehemaligen Soldaten, der nach einer Kampfverletzung querschnittsgelähmt ist – ein zu Unrecht vergessener schauspielerischer Kraftakt von Tom Cruise, der mit einem Oscar nominiert wurde (Stone gewann zum zweiten Mal den Oscar für die beste Regie).

Der letzte Film in der Trilogie wechselt die Seiten und legt den Fokus vor allem auf eine junge Vietnamesin, die nach der unter dem kommunistischen Regime erlittenen Folter und Vergewaltigung bei einem Amerikaner für einen kurzen Moment die Liebe findet, bevor die Narben aus dem Krieg für seine Selbstzerstörung sorgen.

Was alle drei Filme neben der Schlacht verbindet, ist die Anti-Kriegs-Botschaft und die Darstellung der emotionalen Narben, die er bei den Teilnehmern hinterlässt.

Die Retro Crime Hommage Trilogie – Quentin Tarantino
Die Filme: „Reservoir Dogs“, „Pulp Fiction“, « Jackie Brown“

Bild: Miramax

Wir warten noch immer auf den dritten Teil von Quentins revisionistischer, historischer Trilogie („Inglourious Basterds“, „Django Unchained“, ???), doch die ersten drei Filme des meisterlichen Filmemachers sind bereits ein Triumvirat.

Sicher, da gibt es die ausgebleichten Bilder, die Dialoge, die Zeitsprünge und den Soundtrack. Aber „Dogs“ und „Pulp“ waren ursprünglich zwei Kurzfilme, die als Teil einer Anthologie-Filmtrilogie gedacht waren, bevor sie auf Spielfilmlänge ausgeweitet wurden.

Außerdem sind alle drei eine aktualisierte Hommage an Filmgenres, die Tarantino liebt (und von denen er sich Anleihen nimmt) – von rauen Filmen wie „Die Rechnung ging nicht auf“ und „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“ bis hin zu Blaxploitation.

Die Apocalypse-Trilogie – John Carpenter 
Die Filme: „Das Ding aus einer anderen Welt“, „Die Fürsten der Dunkelheit“, „Die Mächte des Wahnsinns“

Das Ding aus einer anderen Welt (Universal)

Der Name der Trilogie sagt eigentlich alles. Es geht um das Ende der Welt in unterschiedlichen Formen und der Autor/Regisseur gab das gegenüber dem Wall Street Journal zu. „Die Fürsten der Dunkelheit“ handelt darum, dass sich der Teufel erhebt, „Die Mächte“ endet – ohne zu viel zu verraten – mit einem bombastischen Armageddon. Aber es ist das Meisterwerk „Das Ding“ von 1982, in dem Carpenters Thema am subtilsten und elegantesten gezeigt wird. Wir sehen nicht das Ende der Welt – aber in einem stillen Moment, in dem Kurt Russell und Keith David sitzend darauf warten, dass sich einer von ihnen in der Eiswildnis als Monster zu erkennen gibt, wissen wir, dass es kommen wird. Und das ist sogar noch furchteinflößender.

Die Apartment-Trilogie – Roman Polanski 
Die Filme: „Ekel“, „Rosemaries Baby“, „Der Mieter“

Repulsion (Royal Films International)

Diese drei Klassiker des kontroversen Regisseurs haben einen starken räumlichen Zusammenhang. Die Klaustrophie eines Apartments und des umgebenden Wohnblocks haben unterschiedliche Bedeutung – je nachdem, welchen Film man sich ansieht. Alle drei sind schaurige Psychotriller, alle drei erzählen vom Anderssein, von der Ausgrenzung und der Verwirrung darüber, was real ist und was nicht. Die Hölle sind die anderen Menschen (besonders jene in unmittelbarer Nähe).

Die Depression-Trilogie – Lars Von Trier 
Die Filme: „Antichrist“, „Melancholia’, „Nymphomaniac“

Nymphomaniac (Artificial Eye)

Seien wir ehrlich: Im Oeuvre des dänischen Regisseurs gibt es nur wenig Optimismus. Aber diese drei polarisierenden Filme sind vermutlich das beste Fenster zu Von Triers einzigartig verkorkstem Geist, der, wie er zugab, von Angstzuständen und wiederkehrenden Depressionen geplagt wurde. Und es gibt nicht viel Subtext, durch den man graben könnte um herauszufinden, wie die geistige Erkrankung sich in seinen Hauptcharakteren zeigt. Von Kirsten Dunsts apokalyptischer Langeweile in „Melancholia“ bis hin zu der erschreckend stürmischen Sexszene wischen Willem Dafoe und Charlotte Gainsbourg in „Antichrist“, einem Film, in dem Depression sich als ekelhaftes oder böses Ding manifestiert – der Regisseur benutzt die Leinwand als Ventil, um seine inneren Dämonen loszuwerden.

Ben Falk

UK Senior Movies Autor

Yahoo Movies UK