Die beliebten Werbebroschüren-Taktiken, auf die wir alle hereinfallen

Angebote klingen vielleicht verlockend, aber überprüfen Sie, wie gut ein Deal tatsächlich ist und wie oft das Produkt im Angebot ist. (Getty)

Zwei für vier Euro. Kaufen Sie eines, bekommen Sie eines gratis. Beim Kauf von Produkten im Wert von 100 Euro erhalten Sie einen Gutschein.

Verkäufer nutzen auf Prospekten viele Taktiken, um Sie in Ihr Geschäft zu locken, wo Sie Ihr hart verdientes Geld ausgeben sollen, aber Experten sagen, Sie sollten achtsam sein, um auch wirklich das beste Angebot zu erhalten.

Selbst im heutigen Internetzeitalter sind laut David Soberman, Werbe- und Marketing-Experte und Professor an der University of Toronto, Werbeblätter noch immer eine beliebte Möglichkeit – vor allem in Städten und bei jungen Familien –, um sich über aktuelle Angebote zu informieren.

Allerdings nutzen die Verkäufer in diesen Werbebroschüren einige raffinierte Tricks, in der Hoffnung, dass Sie mehr ausgeben, als Sie eigentlich geplant hatten.

Taktik #1: Angebotspreise gelten nur beim Kauf mehrerer Produkte

Die Angebote für den Supermarkt, wo man zwei oder drei Produkte kaufen muss, um sie zu einem bestimmten Preis zu bekommen, sind meist keine so tollen Angebote, wie Sie denken.

„Viele davon sind nur eine andere Art, etwas schönzureden“, verrät Soberman Yahoo Canada Finance. „Man lässt etwas wirklich gut klingen und hofft, dass die Leute darauf anspringen.“

Manche Verkäufer hoffen, dass Sie nicht nachrechnen, um herauszufinden, dass der Preis gar nicht so günstig ist im Vergleich zum Geschäft um die Ecke.

Und ein Grund, warum Verkäufer solch eine Preisgestaltung vornehmen, ist, damit die Angebote aus der Masse herausstechen.

„Wenn jeder nur sagt, ein Euro Rabatt, dann wird man nicht wahrgenommen”, fügt Soberman hinzu. „Aber wenn man sagt, kaufen Sie drei und erhalten Sie eines gratis – und auch das ist dann im Endeffekt ein Euro weniger, denn jedes Produkt kostet einen Euro –, dann geht es nur darum, dass es besser klingt und attraktiver ist.“

Taktik #2: Gutscheine statt Rabatte

Statt Ihnen einen guten Rabatt auf ein Produkt zu geben, wird Ihnen möglicherweise stattdessen ein Gutschein angeboten. Das ist etwas, von dem die Geschäfte sich laut Soberman einen erneuten Besuch desselben Kunden erhoffen.

„Wenn Sie nur zehn Prozent Rabatt geben, ist es im Prinzip das Gleiche, außer dass man keine Garantie hat, dass die Person zurückkommt“, sagt er. „Gutscheine sind ein sehr effektives Loyalitäts-Werkzeug, um den Kunden zu mindestens einem weiteren Kauf anzuregen.“

Wenn Sie damit leben können, kein anderes Gecshäft aufzusuchen, ohne den Rabatt zu verlieren, dann können die Vorteile von Gutscheinen ziemlich groß sein. Es gibt zum Beispiel Gutscheine für die Aktivierung neuer Handys, die mehrere Hundert Dollar betragen.

Taktik #3: Günstiger Preis für Lockartikel

Wenn Sie den Eindruck haben, Sie sehen jede Woche die gleichen Produkte im Angebot, dann könnte da was dran sein. Soberman sagt, dies ist typisch für beliebte Nahrungsmittel wie Milch, Brot und Getränke, die fast immer im Angebot sind.

„Dies sind die Kategorien, in denen Leute die Preise vergleichen. Deshalb sind bestimmte Produkte im Angebot“, sagt er.

„Diese Produkte sind in der Branche als Lockartikel bekannt. Dies sind Waren, bei denen es den Verkäufern nichts ausmacht, ein wenig Verlust zu machen, in der Hoffnung, dass die Kunden ins Geschäft kommen und mehr Geld für andere Produkte ausgeben.“

Die Preise für diese Produkte können von Woche zu Woche leicht variieren, teilweise um mit der Konkurrenz mithalten zu können und damit die Kunden sich nicht zu sehr an den niedrigeren Preis gewöhnen.

„Man will nicht immer den größten Rabatt gewähren, denn sonst gewöhnen sich die Leute daran“, fügt Soberman hinzu. „Man will einen großen Rabatt gut aussehen lassen, aber es soll nur ein kleiner Rabatt sein, sodass Leute, die den günstigeren Preis nicht kennen, trotzdem noch ins Geschäft kommen.“

Recherchieren: Die richtige Internetnutzung kann beim Sparen helfen

Um sicherzustellen, dass Sie das beste Angebot bekommen, empfiehlt Soberman, dass Kunden im Internet nach den gängigen Preisen für die Produkte suchen, die sie kaufen wollen. Er sagt, Kunden, die Broschüren-Apps wie Flipp benutzen, informieren sich ausführlicher und sparen am meisten.

Aber das Internet könnte ein zweischneidiges Schwert sein. Shannon Lee Simmons, Autorin von „Worry-Free Money“ und Finanzplanerin sagt, das Aufkommen von Newslettern und digitaler Marketingkampagnen hat dazu geführt, dass einige ihrer Kunden unnötigerweise Geld ausgaben, nur weil ein Produkt „im Angebot“ war.

„In den vergangenen fünf Jahren hat es diese Art des Marketings in Verbindung mit dem technologischen Fortschritt einfacher gemacht, Geld auszugeben“, sagt sie. „Es gibt keine Momente, um innezuhalten und sich zu fragen: ‚Möchte ich das?‘“

Sie empfiehlt, sich von Online-Angeboten fernzuhalten – dazu zählt auch die Kündigung von Online-Newslettern, die Sie dazu bringen, mehr auszugeben.

„Folgen Sie diesen nicht in den sozialen Medien oder seien Sie sich zumindest des Einflusses bewusst, den diese auf Sie haben“, sagt sie. „Sie sollten lieber einmal in der Woche nachsehen, was los ist, statt dass sie Ihnen jeden Tag in Ihrem Feed ins Auge springen.“

Aber Simmons sagt auch, dass nicht alle Angebote schlecht sind – nur wenn man zu viel für Angebote ausgibt, könnte das an die Ersparnisse gehen oder man hat am Ende Kreditkartenschulden.

„Ich hoffe, dass wir uns daran erinnern, wenn ein Kauf eine unglückliche Ausgabe war – er hat uns traurig gemacht, verärgert und wir fühlten uns schuldig“, fügt sie hinzu. „Wenn wir uns an diese Emotionen erinnern, wenn wir auf die Angebote starren, dann können wir hoffentlich diesem ‚Ich sehe, ich will‘-Modus entkommen und eine bewusste Entscheidung treffen.“

Dexter Brown