Die AfD stürmt ins Sommerloch

Jan Rübel
Reporter bei Zeitenspiegel Reportagen
Die AfD setzt im Wahlkampf auf Tradition und Krawall (Bild: dpa)

In den Umfragen stabil, aber Höhenflug gestoppt: Die AfD antwortet mit einer Kaskade an Falschmeldungen. Das kann auch schiefgehen.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Es geschehen noch Zeichen und Wunder, so auch bei der AfD. In den vergangenen Stunden ist es ihr gelungen, per Facebook durchaus konstruktive, inhaltlich bezogene Beiträge zu posten, welche nicht auf erfundenen Tatsachen beruhen – eine echte Rarität.

Zum einen berichten die Alternativler über eine Sitzung des Rechtsausschusses zum geplanten Netzdurchsetzungsgesetz, und zum anderen lässt sich Alexander Gauland über Wahlprogramm der Grünen aus, welches in der Polemik gipfelt: “Die spinnen, die Grünen.” Der Ton ist gewöhnlich rauer. Zielsicher unterlief zum Beispiel Ex-CDU-Outlaw Erika Steinbach die Messlatte des erträglichen Geschmacks und postete, ebenfalls als Kommentar zu den Grünen: “Grüne haben ‘Ehe für alle’ beschlossen. Das ist auch die Hintertür für Pädophileninteressen..” – und dokumentiert, dass selbst die AfD für sie eine laue Gurkentruppe ist. So wird das nichts mit der Annäherung.

Vielleicht denken bei der AfD manche für die Kommunikation zuständige Strategen, dass man es nicht übertreiben sollte, mit den Lügen. Derer gab es in den vergangenen Monaten viele.

Wie bei einer Karnevalsrede

Erinnern Sie sich noch an Schweden? Die Berliner AfD vermeldete für dieses Land im März eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, und dies nicht wegen der zu erwartenden Mücken. Es machte die Meldung nicht wahrer, sie blieb falsch.

Oder der hier: Nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund hieß es: “Islamisten verantwortlich. Vom Fußball bis zum Weihnachtsmarkt: Kein Bereich unseres Lebens ist mehr sicher.” Bestenfalls Wunschdenken offenbarte sich, bald stellte sich heraus, dass der Attentäter Aktiengewinne im Sinn hatte, und zwar welche auf der Erde und nicht im Himmel.

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Ebenfalls Falschmeldung: Im Mai veröffentlichte Justizminister Heiko Maas (SPD) sein Buch “Aufstehen statt wegducken. Eine Strategie gegen Rechts”, daraus machte der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke in einer Foto-Collage den Untertitel “Eine Strategie gegen das Recht”. Später meinte er, es sei Satire gewesen.

Und Anfang Juni, nach dem Bombenanschlag in London, meinte die AfD dem US-Fernsehsender CNN ankreiden zu könne, er habe eine Demonstration von Muslimen inszeniert. “Diese Demonstration fand nie statt”, hieß es. Sie fand statt.

Und schließlich zum Kirchentag ein angebliches Zitat der Theologin Margot Käßmann: “Margot Käßmann: Wo Deutsche Kinder bekommen, da weht ein ‘brauner Wind’.” Dabei sagte die ehemalige Bischöfin tatsächlich, und zwar in Bezug auf das Familienprogramm der Partei: “Jetzt ist klar, wohin der Wind weht. Frauen sollen Kinder bekommen, ja, aber nur wenn sie, wie es jetzt immer heißt, biodeutsch sind. Ja, hab ich gelernt. Das ist eine neue rechte Definition von einheimisch, gemäß dem sogenannten kleinen Arierparagrafen der Nationalsozialisten. Biodeutsch soll nämlich bedeuten: zwei deutsche Eltern, vier deutsche Großeltern. Und da weiß man, woher der braune Wind dann wirklich weht.”

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Nun, die AfD verwechselt sich in ihrem Post mit allen Deutschen. Das kann vorkommen, wenn man “Wir sind das Volk” als Parole kapert.

Die Partei muss indes aufpassen, dass sie damit nicht kentert. Denn zu viel Falsches und Erfundenes schimmert irgendwann immer durch, das riecht man ab einem gewissen Punkt gegen den Wind.

Vielleicht denkt man nun um und besinnt sich darauf, mehr Seriosität zu versuchen? Dem Land jedenfalls täte jede Lüge weniger gut.

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