Die AfD als Merkel-Erbe? – Wahlanalyse bei „Markus Lanz“

Die deutsche Innenpolitik stand am Donnerstagabend im Mittelpunkt bei „Markus Lanz“. (Bild: Screenshot/ZDF)

Wer ist schuld an der AfD? Wie soll sich der Polit-Diskurs sprachlich verändern? Und was ist Angela Merkels Erbe? Diese Fragen wurden am Donnerstag bei „Markus Lanz“ diskutiert.

Zu Beginn der Sendung diskutierte die Gesprächsrunde über die kontrovers aufgenommene Ansage der neuen SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles. Diese antwortete in einem Interview auf die Frage, wie sich ihre letzte Kabinettssitzung als Arbeitsministerin anfühlte: „Ein bisschen wehmütig – und ab morgen kriegen sie in die Fresse“. Was als Scherz gemeint war, kam nicht überall gut an.

„Ich habe gestern den Bundespräsidenten gehört, der gesagt hat, wir sollten in diesen Zeiten etwas sorgsamer mit Sprache umgehen. Und das ist sicher nicht der Einstieg, sorgsamer mit Sprache umzugehen. Das soll ein Gag sein, vermute ich mal. Ich glaube, in solchen schwierigen Zeiten, in denen wir jetzt sind, muss man auch mit den Worten besser umgehen“, so Armin Laschet, Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens (CDU).

Auch der Journalist und Autor Nikolaus Blome zeigte sich wenig begeistert von der Rhetorik: „Es ist so unnötig und es wird ihr – da können wir jetzt schon wetten – mindestens drei Jahre an der Jacke kleben und man wird immer wieder darauf zurückkommen. Das heißt, sie stellt ihren Start als die mächtigste Frau der SPD jetzt unter ein seltsames Licht oder einen Schatten.“ Lanz gab sich daraufhin diplomatisch: „Wobei, wenn man Andrea Nahles ein bisschen kennt: Das ist ja kein bösartiger Mensch, um Himmels willen“. Worauf Blome erwiderte: „Trotzdem zeigt es, dass eine professionelle Politikerin – und die macht das seit über zwanzig Jahren – offenkundig unter einem Druck steht, der sich ein Ventil sucht. Und das darf nicht passieren. Das sollte ja gerade auch eine Lehre oder auch eine Pflicht für den kommenden Bundestag sein: Dass sich die demokratischen Kräfte da drin, die Parteien, die nicht AfD heißen, sich da im Zaume haben, sich würdig im Parlament geben und einen würdigen Bundestag darstellen.“

Joerg Thadeusz war ebenfalls als Gast anwesend. (Bild: Wenn.com)

Moderator Jörg Thadeusz argumentierte, dass diejenigen, denen Nahles offenbar in „die Fresse hauen will“, diejenigen seien, mit denen sie jahrelang gut zusammengearbeitet hatte. „Ich finde es problematisch, wenn man den Leuten […] vermittelt, als gäbe es da die ganze Zeit solche gravierenden Animositäten. Das sind Kollegen, die arbeiten viel zusammen, die respektieren und schätzen einander auch“. Gerade in Zeiten wie diesen gelte es, sprachlich aufzupassen, so Thadeusz. Ähnlich sah das Moderatorin Anastasia Zampounidis. „Mir rutscht auch mal was raus, was nicht korrekt ist. Aber gerade in Zeiten, in denen wir Plakate sehen mit ‚Wir bauen uns unsere eigenen Deutschen’ müssen wir jetzt leider wirklich auf jedes Wort achten.“

Auf die Frage hin, ob er den Wahlschock schon verdaut hätte, analysierte Laschet dann das Wahlergebnis. Ab einem gewissen Punkt hätten sich alle nur noch darauf fokussiert, wer den dritten Platz belegen würde – besonders nach dem nur wenig polarisierenden TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Chef Martin Schulz. Dies hätte dazu geführt, dass die Kleinparteien stark zulegen konnten. Moderator Lanz wollte das jedoch nicht so ganz glauben: „Sie meinen, es war wirklich nur die Abwesenheit des einen oder anderen CDU-Wählers? Oder haben Sie nicht das Gefühl, dass da draußen etwas ganz anderes passiert?“

Es habe sich schon seit einiger Zeit „irgendwas an Unzufriedenheit in einem sonst außerordentlich zufriedenen Land“ gezeigt, analysierte Blome. Ostdeutschland sei ein großer Faktor gewesen – schließlich könne es kein Zufall sein, dass die AfD im Osten ein deutlich höheres Ergebnis erzielen konnte als im Westen.

Laschets Lob auf die Bundeskanzlerin wurde nicht bedingungslos geteilt. Zu ihrem Erbe, so Blome, gehörten eben nicht nur ihre positiven Errungenschaften, sondern auch die AfD, die sie auch zu verantworten habe. Man könne nicht sagen, jemand habe „Schuld an der AfD, aber es ist eben auch eine Folge.“ Weiter sagte Blome: „Das gehört zum Erbe von Angela Merkel, dass die AfD im Bundestag sitzt.“ Es gelte nun, erwiderte Laschet, jene Wähler zurückzuholen, die mit der AfD einen Protest ausdrücken wollten, aber nicht rechtsradikal sind. Dies sei aber nicht die Aufgabe einer Partei oder einer Kanzlerin, sondern eine gesamtgesellschaftliche Frage.

„Braucht Politik mehr Ehrlichkeit?“, fragte Lanz in die Runde. Während Blome die Frage mit einem „ehrlichen Ja“ beantworte, sah Jörg Thadeusz die Dinge etwas anders: „Wir lügen ja alle immer. Warum sollen Politiker das anders machen?“

Gegen Ende der Sendung kamen noch zwei weitere Themen hinzu: der Verzicht auf Zucker (Moderatorin Anastasia Zampounidis thematisiert dies in ihrem aktuellen Buch) sowie das Schaffen des Musikers Harold Faltermeyer, der durch die „Axel F“-Titelmelodie aus dem Film „Beverly Hills Cop“ bekannt wurde und dafür sogar mit einem Grammy ausgezeichnet wurde.