Die 68. Berlinale ist eröffnet: Die #MeToo-Debatte geht weiter

Maria Timtschenko
Freie Journalistin

Es ist das 68. Mal, dass die Berlinale in Berlin stattfindet. Vom 15. bis 25. Februar werden in der Hauptstadt 385 Filme gezeigt werden. Und unterschwellig immer dabei: die #MeToo-Debatte. 

Anke Engelke führt auch dieses Jahr wieder durch die Eröffnungsfeierlichkeiten der 68. Berlinale. (Bild: Getty Images)

Der Reporter Rainer Maria Jilg spricht die Promis auf dem roten Teppich auf die #MeToo-Debatte an. Die Kleider der Frauen seien ebenso offenherzig und farbenfroh wie auch in den Jahren zuvor. Wo also soll sie stattfinden, die Diskussionen, die ganz Hollywood 2017 erschüttert hatte?

“Es gibt auch andere Debatten auf der Welt”

Dieter Kosslick zumindest, Ausrichter der Berlinale, hat seinen Look verändert. Statt seines Markenzeichens, dem roten Schal, trägt er in diesem Jahr schwarz. Und auch inhaltlich sieht er die Debatte in den Filmen: “Man wird bei der Auswahl der Filme sensibler. Das merken Sie ja auch am Arbeitsplatz. Wenn Sie versuchen einen Witz zu reißen, überlegen Sie heutzutage zwei Mal.”

Und auch andere Schauspieler haben eine Meinung dazu. Tilda Swinton beispielsweise sagt: “Es gibt auch andere Debatten auf der Welt. Es ist essenziell, dass wir alles diskutieren, was wichtig ist und das ist nicht das wichtigste Thema.” Die Grand Dame der amerikanischen Filmkunst Helen Mirren hingegen wundert sich, dass es so lange gebraucht hat, bis der Knoten geplatzt ist: “Es hat ewig gedauert. Ich war mit 15 bereits dafür. #MeToo hat die Geographie zwischen den Geschlechtern verändert.”

Auch Politiker zieren das Publikum der Berlinale. So zum Beispiel Grünen-Politikerin Claudia Roth (Mitte).

Andere Hollywood-Größen wie Bill Murray sagten angesprochen auf #MeToo nur: “Good Bye” und verschwanden wieder vom Mikrophon. Und die deutsche Schauspielerin Senta Berger sagte darüber: “Ich finde nicht, dass man ernsthaft am roten Teppich darüber diskutieren kann. Dazu bräuchte man Zeit und Ruhe, um nachzudenken.”

Im Video: 68. Berlinale! Roter Teppich, Stars und Hunde

Durch die etwa einstündige Eröffnung führte Anke Engelke. Galant, beschwingt und zweisprachig. “Frauen und Männer zusammen in einem Raum – wir trauen uns was”, sagte sie gleich zu Beginn des Abends und hatte die Lacher auf ihrer Seite. Froh sei sie, dass die Fernsehzuschauer heute bei der Berlinale gelandet sind und nicht bei den Olympischen Winterspielen. “Hier ist es eigentlich ganz ähnlich, aber: Wir haben keine gedopten Russen.”

Hier und da gibt es auch ein paar ernste Worte: So erinnert Veranstalter Dieter Kosslick an den deutschen Journalisten Deniz Yücel. Der saß schon vor einem Jahr im türkischen Gefängnis und tut es bis heute.

Gleich darauf wurde sie ernst. Im vergangenen Jahr habe man ja das böse T-Wort nicht sagen dürfen. Trump. Aber dieses Jahr traut sie sich: “Ein alter weißer Mann, ein mächtiger, ein Despot, der seine Macht ausnutzt, der ein System der Unterdrückung fördert! Aber das ist ja nur Politik, das ist uns ja egal”, sagt sie. Der ironische Unterton kaum überhörbar.

“Die letzten Tage waren bestimmt von einer Frage: Äußere ich mich dazu. Äußere ich mich nicht? Und ich habe entschieden: Ich äußere mich. Ich weiß nicht wie es Helene Fischer geht”, sagt Engelke. Die Entertainerin, die während ihrer Moderation zwischen Englisch und Deutsch springt, bleibt eben ein alter Witzbold. Ein Ladykracher.

Guter Mix von Witz und Ernst

Trotzdem schafft sie den Spagat zwischen Witz und Ernsthaftigkeit. Es komme nicht darauf an, was für einen Stoff man auf der Haut trägt oder über welchen Stoff man läuft, mahnt sie ihr Publikum an. Im Vorfeld hatte es über die Berlinale die Diskussion gegeben, ob man nicht den roten gegen einen schwarzen Teppich tauschen solle.

Dann beginnt Engelke die Anwesenden zu grüßen. Allen voran Bundespräsident Frank Walter Steinmeier. “Selten waren Sie glücklicher nicht aktives SPD-Mitglied zu sein, oder?” Und Justizminister Heiko Maas begleitet seine Freundin, die Schauspielerin Natalia Wörner. Engelke begrüßt ihn gebührend: “Heiko Maas darf sich heute ein bisschen fühlen wie so ein Schauspieler. Der darf so ein bisschen schnuppern und nicht wissen, welche Rolle er als nächstes spielt”, sagt Engelke.

 

(Bild: Getty Images)

Regisseur Tom Tykwer ist in diesem Jahr der Vorsitzende der Berlinale-Jury. Mit 16 Jahren war er das erste Mal auf diesem Filmfestival. Jetzt liegt er sich mit Veranstalter Dieter Kosslick (rechts) in den Armen. Beeindruckend ist Engelkes Vermögen sich die vielen Namen der einzelnen Jurymitglieder zu merken. Sie streift durch die Gänge und plaudert mal hier mal da. Auch Helen Mirren bewundert das: “Wie Sie sich die Namen merken können – erstaunlich!”, sagt die Hollywood-Größe. “Danke, hab einen schönen Abend Barbara”, antwortet Engelke auf Englisch.

(Bild: Getty Images)

Auch die zweistellige Crew von Wes Anderson begrüßt Engelke alle namentlich, darunter unter anderem Brian Cranston, Bill Murray und Tilda Swinton. Ihr Film “Isle of Dogs” eröffnet die 68. Berlinale 2018. In diesem Jahr steht alles unter den Zeichen von #Metoo und doch wird man das Gefühl nicht los, dass das Thema bei diesem Filmfestival eine untergeordnetere Rolle spielen wird, als bei den Kollegen aus den USA.

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Fotos: Screenshot / 3sat