"Ein wenig unterschätzt": Prokop räumt Fehler ein

DHB-Bundestrainer Christian Prokop verändert seinen Kader nach der enttäuschenden EM

Mehr Offenheit, mehr Gespräche, mehr Spaß - Handball-Bundestrainer Christian Prokop hat 48 Tage nach dem EM-Debakel den Neuanfang ausgerufen. "Ich hoffe, dass häufiger gelacht wird", sagte Prokop bei seinem ersten offiziellen Auftritt seit dem Hauptrunden-Aus des Titelverteidigers in Kroatien.

Dass Prokop überhaupt noch im Amt ist, hat viele überrascht. Seine zweite Chance will der 39-Jährige nun unbedingt nutzen, dafür hat er sich auch selbst hinterfragt.

"Es gab eine ehrliche Selbstreflexion. Damit habe ich begonnen, aber die gab es auch von Spielerseite", sagte Prokop während einer Pressekonferenz in Dortmund und gab sich selbstkritisch: "Wir haben zu wenig über verschiedene taktische Dinge und Vorstellungen der Mannschaft gesprochen. Das habe ich ein wenig unterschätzt."

In "offenen und ehrlichen Gesprächen" mit seinen Spielern sowie Managern und Trainern der Bundesligisten hat Prokop den Weg Richtung Heim-WM 2019 festgelegt. "Der Blick ist nach vorne gerichtet. Man wird Veränderungen sehen", sagte der entspannt wirkende Prokop am Dienstag vielsagend.

Prokop von Last befreit

Bei der WM im eigenen Land wolle man emotionalen und attraktiven Handball spielen. "Wir wollen begeistern", sagte Prokop: "Mit Tempo-Handball und mit einer verstärkten Rückraum-Mittelposition."

Prokop wirkt von einer Last befreit, wenn er über Handball sprechen kann. Die Diskussionen über seine Person nach der EM und sein nicht immer einfaches Verhältnis zur Mannschaft möchte er am liebsten ausblenden: "Die Zeit war nicht leicht."

Nachdem der Deutschen Handballbund (DHB) ihm Mitte Februar das Vertrauen ausgesprochen hat, soll nun alles besser werden. In den Gesprächen habe ihm kein Spieler signalisiert, dass er nicht mehr zur Verfügung stehe, betonte der Bundestrainer und dankte dem Präsidium "für das entgegengebrachte Vertrauen".

Dieses muss er aber nun rechtfertigen. Eine Medaille bei der Heim-WM und olympisches Gold 2020 in Tokio sind die vom mächtigen DHB-Vizepräsidenten Bob Hanning formulierten Ziele.

Dafür seien systematisch Dinge hinterfragt worden, so DHB-Sportvorstand Axel Kromer. Es sei auch besprochen worden, was man im "zwischenmenschlichen Bereich" ändern müsse.

Fünf Neue für Länderspiel

Die ersten Ergebnisse wird man vielleicht schon bei den Länderspielen gegen Serbien am 4. April in Leipzig und drei Tage später in Dortmund sehen. Prokop hat für den Neustart fünf Veränderungen vorgenommen.

Er berief Simon Ernst, Niclas Pieczkowski, Fabian Wiede, Matthias Musche und Tim Hornke in seinen 18er-Kader - auch weil Rune Dahmke (Schambeinentzündung), Tobias Reichmann (Schulterprobleme) und Paul Drux (Meniskusriss) nicht zur Verfügung stehen.

Die Personalentscheidungen sind allerdings zweitrangig. Mehr Offenheit, mehr Gespräche, mehr Spaß - darauf wird es ankommen. Prokop steht trotz des ausgesprochenen Vertrauens und eines Vertrags bis 2022 weiter unter Beobachtung.

Das deutsche Aufgebot für die Länderspiele gegen Serbien:

Tor: Silvio Heinevetter (Berlin), Andreas Wolff (Kiel)

Linksaußen: Uwe Gensheimer (Paris), Matthias Musche (Magdeburg)

Rückraum links: Steffen Fäth (Berlin), Julius Kühn (Melsungen), Finn Lemke (Melsungen)

Rückraum Mitte: Simon Ernst (Gummersbach), Niclas Pieczkowski (Leipzig), Philipp Weber (Leipzig)

Rückraum rechts: Kai Häfner (Hannover), Steffen Weinhold (Kiel), Fabian Wiede (Berlin)

Rechtsaußen: Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen), Tim Hornke (TBV Lemgo)

Kreis: Jannik Kohlbacher (Wetzlar), Hendrik Pekeler (Rhein-Neckar Löwen), Patrick Wiencek (Kiel)