Dhaka: Myanmar will nur in vergangenen Monaten geflohene Rohingya zurücknehmen

Rohingya-Flüchtlinge hinter der Grenze in Bangladesch

Myanmar zieht nach Angaben aus Dhaka lediglich die Rücknahme von Rohingya in Betracht, die im Laufe des vergangenen Jahres nach Bangladesch geflüchtet sind. Vorstellbar sei für Myanmars Führung die Rücknahme von Angehörigen der muslimischen Rohingya-Minderheit, die Myanmar "nach Oktober vergangenen Jahres" verlassen hätten, sagte am Dienstag ein ranghoher bangladeschischer Regierungsvertreter, der am Vortag an einer Gesprächsrunde zwischen beiden Staaten in Dhaka teilgenommen hatte.

Der Regierungsvertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte der Nachrichtenagentur AFP, Bangladesch halte aber daran fest, dass Myanmar alle 900.000 Rohingya-Flüchtlinge aus Bangladesch aufnehmen müsse. Die an dem Gespräch beteiligten Politiker aus Myanmar hatten dem Regierungsvertreter zufolge kein Mandat, Gespräche über die bereits früher nach Bangladesh Geflohenen zu führen. Im Zuge der Eskalation des Konflikts in Myanmar waren allein seit Ende August mehr als 500.000 Rohingya ins benachbarte Bangladesch geflüchtet.

Bangladeschs Außenminister Mahmood Ali hatte nach seinem Treffen mit Myanmars Minister Kyaw Tint Swe gesagt, dieser habe die Bereitschaft seiner Regierung erklärt, nach Bangladesch geflüchtete Rohingya wieder zurückzunehmen.

Mehr als 10.000 Rohingya warteten unterdessen an einem Grenzübergang in Myanmar darauf, ins Nachbarland Bangladesch gelassen zu werden. In Medienberichten hieß es, die Flüchtlinge befänden sich in einem Waldstück zwischen zwei Dörfern im Westen von Myanmar.

Myanmars De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi hatte sich Mitte September bereit erklärt, die nach Bangladesch Geflüchteten nach eingehender Überprüfung ihres Flüchtlingsstatus wieder zurückzunehmen. Der seit Jahren andauernde Konflikt mit der muslimischen Minderheit war Ende August eskaliert. Bei einer Offensive der Armee gegen Rohingya-Rebellen wurden auch hunderte zivile Angehörige der Minderheit getötet. Dörfer der Rohingya wurden niedergebrannt und Frauen vergewaltigt.

Die Rohingyas gelten in Myanmar als Staatenlose, obwohl sie schon seit Generationen dort leben. Gemäß dem Vorschlag Suu Kyis soll ihr Flüchtlingsstatus nun nach dem Vorbild eines 1990 mit Bangladesch geschlossenen Abkommens überprüft werden - das heißt, sie müssen lediglich nachweisen, dass sie vor ihrer Flucht in Myanmar gelebt haben. Doch selbst das ist schwierig, da die meisten keinerlei Dokumente mehr besitzen.

Die UNO, die im Zusammenhang mit dem Vorgehen der myanmarischen Armee gegen die Rohingya von "ethnischen Säuberungen" spricht, fordert eine "sichere, freiwillige, würdige und nachhaltige Rückkehr" der Flüchtlinge nach Myanmar.