DFB-Team: "Mauer" ter Stegen: Der Stellvertreter

Marc-Andre ter Stegen sieht sich in Deutschland nicht gebührend wertgeschätzt. Jetzt darf er sich als Vertreter von Manuel Neuer neu beweisen.

Marc-Andre ter Stegen sieht sich in Deutschland nicht gebührend wertgeschätzt. Jetzt darf er sich als Vertreter von Manuel Neuer neu beweisen.

Marc-Andre ter Stegen ist keiner dieser Fußballer, die von sich behaupten, keine Zeitung zu lesen. Der Nationaltorhüter nimmt sehr wohl wahr, wie er eingeschätzt wird. Dass ihn die katalanische Presse zuletzt als "El Muro" des FC Barcelona, also als die Mauer feierte, machte ihn ein bisschen stolz - zumal er diese Anerkennung in der Heimat nicht immer spürte.

Die deutschen Medien, hat ter Stegen kürzlich dem Portal Sportbuzzer erzählt, hätten "teilweise bei jedem Fehler versucht, mich in die Pfanne zu hauen". Und wenn es für ihn - wie meist - gut lief, sei "die ganze Zeit nichts berichtet" worden.

Dass derzeit wieder mehr berichtet wird über ihn, liegt jedoch nicht an einem Patzer, ter Stegen spielt bei Barca eine starke Saison. Der Grund ist, dass der frühere Gladbacher in der Nationalmannschaft mal wieder Manuel Neuer vertreten muss.

Confed Cup verbesserte ter Stegens Standing

Offiziell gibt es bei der DFB-Elf keine Nummer zwei, "aber die Fakten ergeben sich inzwischen ja aus dem Confed Cup", sagte Torwarttrainer Andreas Köpke nach dem jüngsten Neuer-Ausfall der Süddeutschen Zeitung.

Der 25-Jährige habe dort im vergangenen Sommer "sensationell" gehalten, sagte Assistenzcoach Thomas Schneider vor dem WM-Qualifikationsspiel am Donnerstag (20.45 Uhr im LIVETICKER) in Belfast gegen Nordirland.

Das war nicht immer so. Das DFB-Trikot schien zu Beginn schwer auf seinen Schultern zu lasten. "Man hatte ja schon so ein bisschen Bedenken am Anfang", sagte Schneider, weniger im Verband, aber in der kritischen Öffentlichkeit. "Ich bin sehr froh, dass er nach seinem wackligen Start in der Nationalmannschaft angekommen ist", sagte Köpke.

Nach Neuers Rückkehr wieder Nummer zwei

Dennoch bleibt ter Stegens Perspektive zunächst die von "Neuers Stellvertreter auf Erden" (SZ), das weiß er selbst nur zu gut. "Wenn Manu weiter seine Leistung zeigt, müssen wir nicht darüber reden, wer die Nummer eins ist", sagte er im Sommer, als er in Russland die Konkurrenten Bernd Leno und Kevin Trapp abhängte.

Dass Neuer nach erneutem Fußbruch bis Januar ausfällt, wollen sie beim DFB in Richtung WM 2018 (noch) nicht überbewerten. Der Münchner sei "zum Glück der Typ, der nicht so viel Spielpraxis braucht, er findet nach einer Pause schnell wieder Anschluss", sagte Köpke.

Doch ter Stegens Selbstbewusstsein sei gestiegen, das spürten sie schon, sagten Köpke und Schneider. Nach zwei schweren Jahren bei Barca als "Pokaltorwart" hat er sich dort als Stammkeeper etabliert, sein Vertrag wurde bis 2022 verlängert - mit einer festgeschriebenen Ablösesumme von 180 Millionen Euro.

Ter Stegen will die Summe nicht zu hoch hängen. Aber, sagte er, sie zeige schon, "was der Verein von einem hält".

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