DFB-Team: Löws Fahrplan zur WM 2018: Auf der Suche nach "Die Mannschaft"

Auf der Pressekonferenz vor dem WM-Testspiel gegen Spanien (Freitag, 20.45 Uhr im LIVETICKER ) hat Bundestrainer Joachim Löw seine Spieler noch einmal in die Pflicht genommen. Gleichzeitig verriet er, worauf es ihm auf dem Weg zur Titelverteidigung bei der Weltmeisterschaft in Russland ankommt. Das zeigt: Große Überraschungen wird es wohl nicht mehr geben.

Auf der Pressekonferenz vor dem WM-Testspiel gegen Spanien (Freitag, 20.45 Uhr im LIVETICKER) hat Bundestrainer Joachim Löw seine Spieler noch einmal in die Pflicht genommen. Gleichzeitig verriet er, worauf es ihm auf dem Weg zur Titelverteidigung bei der Weltmeisterschaft in Russland ankommt. Das zeigt: Große Überraschungen wird es wohl nicht mehr geben.

"Best never rest" lautet das Motto der deutschen Nationalmannschaft bei der Mission Titelverteidigung. Auf dem Weg zum WM-Titel wird es keine Pausen mehr geben für Joachim Löw und seinen Trainerstab. Die 23 besten Spieler sollen zuerst ausgewählt, dann perfekt vorbereitet werden für die - wenn möglich - sieben Spiele vom 17. Juni bis zum 16. Juli. "Die Mannschaft", so der internationale Spitzname des Teams, will den fünften Stern.

Auf der Pressekonferenz vor dem Testspiel gegen Spanien am Freitag in Düsseldorf - einem von nur zwei Länderspielen, bevor der vorläufige Kader am 15. Mai bekanntgegeben wird -, verlangte Löw dann auch von seinen Kandidaten das Äußerste: Er werde ganz genau hinschauen, "wer uns mit Leistung überzeugt und wer in der Lage ist, nach einer anstrengenden Saison im Juni und Juli eine Topleistung abzurufen." Schließlich stehe das "größte Turnier auf dieser Welt" an, es werde den Spielern "Unmenschliches" abverlangen.

Dementsprechend hoch gedenke er selbst die Messlatte zu legen. Wer ist der Herausforderung gewachsen, wer wird gewogen und zu leicht befunden? Einen Freifahrtschein haben nur ganz Wenige im Kader: Mario Götze, der WM-Held vom Maracana, hat nicht die Form und ist deshalb nicht dabei. Sein Vorlagengeber Andre Schürrle muss seine ansteigende Form erst einmal bestätigen.

Löws WM-Kader für Deutschland: keine Überraschungen?

Es ist eine Botschaft, die Löw bei der Nominierung für den Kader gegen Spanien und Brasilien ganz bewusst ausgesendet hat: "Best never rest" - niemand darf sich auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen. Im Gegenteil: Was 2014 noch gereicht hat, könnte diesmal zu wenig sein. Schließlich ist die Aufgabe ebenfalls schwerer geworden: "Wir sind jetzt die Gejagten. Jeder will uns vom Thron stoßen." Eine Erfahrung, die Spanien beim bitteren Vorrundenaus 2014 machte.

Gegen den Titelträger, den Deutschland vor vier Jahren als beste Mannschaft der Welt ablöste, will Löw wichtige Erkenntnisse sammeln. Ohne seine Hand verfrüht zu zeigen, wohlgemerkt: Das Testspiel sei kein Maßstab für die WM, er und auch Julen Lopetegui auf Seiten Spaniens würden "ihre Karten nicht auf den Tisch legen".

Gleichwohl ließ sich aus Löws Ansprache heraushören, welche Spieler die besten Karten auf dem Weg nach Russland haben. So viel scheint sicher: Große Überraschungen werden wohl ausbleiben.

Es war schon überraschend, wie deutlich, ja fast kurz angebunden, der Bundestrainer die Frage nach Philipp Max beantwortete, dem besten Vorbereiter der Liga. Zumal man auf der Position des Linksverteidigers nicht gerade auf Rosen gebettet ist. Trotzdem "hat er bisher in unseren Überlegungen keine Rolle gespielt". Hinter Hector und Plattenhardt gibt es keinen konkreten Plan C, einzige Alternative bleibt die Dreierkette in der Abwehr.

Davor dürfte es im Kader ebenfalls wenige Überraschungen geben. Das "Gerüst" werde gegen Spanien von Beginn an spielen, bestätigte Löw, und nannte die Namen Jerome Boateng, Mats Hummels, Toni Kroos, Mesut Özil und Thomas Müller. Fünf Mann, denen er bereits in den K.o.-Runden der WM 2014 immer das Vertrauen schenkte.

Der DFB-Kader für das Testspiel gegen Spanien

Position Spieler Verein
Tor Bernd Leno Bayer Leverkusen
Tor Marc-Andre ter Stegen FC Barcelona
Tor Kevin Trapp Paris Saint-Germaint
Abwehr Jerome Boateng FC Bayern München
Abwehr Matthias Ginter Borussia Mönchengladbach
Abwehr Jonas Hector 1- FC Köln
Abwehr Mats Hummels FC Bayern München
Abwehr Joshua Kimmich FC Bayern München
Abwehr Marvin Plattehardt Hertha BSC
Abwehr Antonio Rüdiger FC Chelsea
Abwehr Niklas Süle FC Bayern München
Mittelfeld/Angriff Julian Brandt Bayer Leverkusen
Mittelfeld/Angriff Julian Draxler Paris Saint-Germain
Mittelfeld/Angriff Mario Gomez VfB Stuttgart
Mittelfeld/Angriff Leon Goretzka FC Schalke 04
Mittelfeld/Angriff Ilkay Gündogan Manchester City
Mittelfeld/Angriff Sami Khedira Juventus Turin
Mittelfeld/Angriff Toni Kroos Real Madrid
Mittelfeld/Angriff Thomas Müller FC Bayern München
Mittelfeld/Angriff Mesut Özil FC Arsenal
Mittelfeld/Angriff Leroy Sane Manchester City
Mittelfeld/Angriff Lars Stindl Borussia Mönchengladbach
Mittelfeld/Angriff Sandro Wagner FC Bayern München
Mittelfeld/Angriff Timo Werner RB Leipzig

Für Russland bedeutet das, dass hinter diesem Gerüst und den gesetzten Kimmich und Werner eigentlich nur der Platz neben Kroos und die linke Seite zur Debatte steht. Und es zeigt, dass Löw zwar versucht, den Druck auf seine Spieler möglichst hoch zu halten -, aber dass es zumindest in Sachen Startelf nicht mehr viele offene Fragen gibt.

Dass er den alten Recken vertraut, liegt aber nicht an sentimentaler Verbundenheit zu den Spielern, die ihn zum Weltmeister gemacht haben. Er hat vielmehr in mittlerweile fünf Turnieren als Cheftrainer gelernt, dass nicht nur die 90 Minuten auf dem Rasen zählen, sondern auch die Zeit davor und danach.

Nicht umsonst predigte er am Donnerstag eindringlich über den nötigen Teamspirit: Er brauche Spieler, die sich in den Dienst der Mannschaft stellen, die dafür auch auf der Bank Platz nehmen. Löw sprach von Teamfähigkeit, von "Toleranz und Mitgefühl". Davon, dass man in Spielen wie gegen Algerien "in wichtigen Situationen die Nerven behalten" müsse. All das wird er im Zweifelsfall nicht für reines fußballerisches Talent opfern.

WM-Kader: Löw wartet auf Neuer - aus gutem Grund

So erklärt sich, warum er bis zum letztmöglichen Zeitpunkt auf Neuer warten wird. Mit Marc-Andre ter Stegen hat er eine hervorragende 1b in der Hinterhand, die gegen Spanien auf dem Platz stehen wird. Aber Neuer bringt eben die Erfahrung aus mehreren Turnieren mit - auch deshalb hat er die Nase vorn, wenn er rechtzeitig fit wird. Wovon Löw offenbar fest ausgeht: Man habe ihm versichert, dass der Fuß seines Torhüters "absolut in Ordnung ist", in wenigen Tagen soll Neuer mit 100 Prozent Intensität trainieren.

Beantwortet sich so auch die Frage nach dem Stoßstürmer? Mario Gomez und Sandro Wagner könnten auch beide mitfahren, betonte Löw, angesprochen auf die beide Konkurrenten. Sie werden sich gegen Spanien oder Brasilien jeweils zeigen dürfen, aber ihr Verhalten auf dem Trainingsplatz, im Mannschaftsgefüge wird ebenfalls Bände sprechen. Gomez hatte die WM 2014 verpasst, im Herbst seiner Karriere würde er sich in Russland klaglos auf die Bank setzen - dabei sein ist alles.

Wagner wiederum gibt in München den Joker und hat damit seinen Frieden gemacht. Andererseits betonte er wiederholt, der beste Stürmer Deutschlands zu sein - was nicht nur eine Ansage in Richtung Gomez ist, sondern auch in Richtung Werner. Und dann ist da ja noch Lars Stindl. Ein Lieblingsschüler von Löw, eben auch aufgrund seiner Qualitäten abseits des Platzes.

Vier Stürmer werden es am Ende aber nicht sein, mindestens einer wird wird die WM von der Couch beobachten müssen. Wer kann noch auf den Zug aufspringen? "Die Liste ist länger" als die berufenen 26 Mann, bestätigte Löw, aber das Beispiel Philipp Max zeigt, dass sie so lange eben auch nicht ist. Ein oder zwei Spieler aus dem Dortmunder Trio Reus-Götze-Schürrle könnten es schaffen, dazu kommt der Sonderfall Manuel Neuer. Wer fliegt? Trapp, Ginter, Rudy und Brandt sind Wackelkandidaten, dazu ein Stürmer. Vielleicht stellt sich der Kader auch von selbst auf: "Meiner Erfahrung nach verletzt sich dann noch der eine oder andere", sagte Löw.

Bleiben doch alle gesund, kann Löw aus dem Vollen schöpfen: Einen derart talentierten Stamm an potenziellen WM-Fahrern hatte schon lange kein Bundestrainer mehr zur Verfügung. Es liegt an Löw, daraus "Die Mannschaft" zu formen.

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